Darüber, welche Positionen ein Gemeindehaushalt enthalten muss und welche nicht, herrscht nicht immer Einigkeit. Gemeinhin wird das so wichtige Zahlenwerk nach Beratungen aber letztlich doch einstimmig beschlossen. Doch für 2026 fiel es vielerorts besonders schwer, Haushalte auf den Weg zu bringen, die sowohl der aktuellen Kassenlage entsprechen als auch die richtigen politischen Signale aussenden.
Hermaringen, die kleinste eigenständige Gemeinde des Landkreises Heidenheim, bildet da keine Ausnahme. Der Gemeinderat verabschiedete am Donnerstagabend zwar den Haushaltsplan und die Haushaltssatzung für das Jahr 2026, die Kämmerin Karin Wilhelmstätter vorgelegt hatte, aber zwei Gemeinderäte stimmten dagegen.
Strategische Ziele festgelegt
Bereits im November des vergangenen Jahres hatten Gemeinderat und Verwaltung sich selbst in einer Klausurtagung auf grundlegende Eckpfeiler der Haushaltsplanung verpflichtet. Dazu gehörten strategische Ziele wie die Sanierung und Modernisierung der Infrastruktur zur Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, die Entwicklung eines Windparks im Gemeindewald, die Schaffung von innerörtlichem Wohnraum durch erneute Aufnahme in das Landessanierungsprogramm und die Entwicklung innerörtlicher Gewerbebrachen sowie die Fortsetzung der Verwaltungsdigitalisierung. Zudem hatte Karin Wilhelmstätter in der Januar-Sitzung des Gemeinderats zu insgesamt 75 Fragen des Gremiums Stellung bezogen.

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Die Haushaltssatzung kalkuliert für das Planjahr 2026 im Ergebnishaushalt mit ordentlichen Erträgen in Höhe von 6,98 Millionen Euro bei ordentlichen Aufwendungen in Höhe von 8,26 Millionen Euro, also mit einem Minus von knapp 1,3 Millionen Euro. Die Höhe der Kreditermächtigungen verringerte sich kurzfristig noch einmal und sank von ursprünglich kalkulierten 1,1 Millionen Euro auf 1,03 Millionen Euro. Der Höchstbetrag der Kassenkredite wurde auf 1,2 Millionen Euro festgesetzt. Die Neuverschuldung liegt bei voraussichtlich 748.000 Euro.
Vorschläge nicht umgesetzt
Gemeinderat Wolfgang Nothelfer wollte „aus verschiedensten Gründen“ keine Haushaltsrede halten, wie er sagte, darauf habe man sich in einer Fraktionssitzung festgelegt. Die Anmerkungen des Gemeinderats seien seitens der Verwaltung zwar zur Kenntnis genommen, leider aber nicht umgesetzt worden, so Nothelfer. Wieder einmal schaffe man es nicht, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen.
Insgesamt sei man bezüglich einer tatsächlichen Hebung von Sparpotentialen im Haushalt wieder einmal „nicht mutig genug gewesen“, ergänzte er. Ihm persönlich hätten zudem konkrete Sparvorschläge seitens der Verwaltung gefehlt, die auch durch die Öffentlichkeit hätten wahrgenommen werden können. Man spare zwar, sagte Nothelfer, „aber man sieht nicht, dass man spart“.
Sparen kann schmerzhaft sein
Für die Zukunft wünsche er sich, dass die Gemeinderäte im Vorfeld der Haushaltsplanungen besser durch die Verwaltung eingebunden würden. Und etwas mehr Mut bei der Haushaltskonsolidierung, sowohl seitens der Verwaltung als auch beim Gemeinderat. Auch wenn es stellenweise schmerzhaft werde, so Nothelfer, wofür er vom Gemeinderat Zustimmung erhielt.
Gemeinderat Holger Lehmann schloss sich diesen Worten an und ergänzte, dass man nicht weiter von den Reserven leben könne, denn diese seien bald aufgezehrt, „ein Weiter-so geht auf Dauer nicht“. Er forderte die Verwaltung auf, bei der Haushaltsplanung den vorhandenen Gestaltungsspielraum konsequenter auszunutzen, ein diesbezüglich vorhandenes Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft. „Sparen tut weh, es tut aber auch Not“, sagte er abschließend und stimmte zusammen mit Gemeinderat Peter Müller gegen den Haushalt.
Auf Kante genäht
Hermaringens zukünftiger Bürgermeister Lennart Schmeißer, der am 1. April die Amtsgeschäfte von Jürgen Mailänder übernehmen wird, gastierte als einziger Zuschauer bei der Haushaltsverabschiedung. „Ich kann die Gemeinderäte nur dazu ermutigen, weiterhin so energisch dranzubleiben und ihre Ideen einzubringen, was man für einen ausgeglichenen Haushalt tun kann“, sagte er direkt im Anschluss an die Sitzung des Gemeinderats.
Dass man trotz so zahlreicher Vorschläge „so ziemlich keinen einzigen Euro sparen konnte“, belege aber auch, dass der Haushalt „auf Kante genäht“ sei. Die Verwaltung um Bürgermeister Jürgen Mailänder und Kämmerin Karin Wilhelmstätter habe darauf geschaut, kein Geld für Luxus auszugeben.

