Großer Jubel und reichlich Beifall am Montagnachmittag in der Hermaringer Grundschule: Etwa 100 Schülerinnen und Schüler freuen sich über einen Wanderpokal, den sie sich unter dem Motto „Wer geht, gewinnt“ sprichwörtlich selbst erlaufen haben. Einfach dadurch, dass sie auf den täglichen bequemen Service „Elterntaxi“ verzichtet haben. Sie dürfen sich nun „Schulwegprofis“ nennen.
Ein echter Schulwegprofi im Sinne des Landesprogramms „Movers – Aktiv zur Schule“ des baden-württembergischen Verkehrsministeriums ist ein Kind, „das seinen Schulweg aktiv und eigenständig zurücklegt. Zu Fuß, mit dem Tretroller oder – in einer späteren Jahrgangsstufe – auch mit dem Fahrrad“, erläutert Annika Stuke, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums.
An fast allen Tagen zur Schule gelaufen
Die 95 Schulwegprofis der Rudolf-Magenau-Schule haben im Aktionszeitraum im Herbst vergangenen Jahres an 15 aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 1412 Schulwege zu Fuß zurückgelegt. Im Durchschnitt entspricht das 14,86 aktiven und eigenständigen Wegen pro Kind – und damit nahezu der maximal möglichen Anzahl von 15 Wegen. „Sie sind somit fast jeden Tag in diesen drei Wochen zu Fuß zur Schule gegangen“, ergänzt Stuke. Die Hermaringer setzten sich so gegen 195 andere Schulen aus Baden-Württemberg durch.
Das Engagement der Schulwegprofis verursacht jedoch nicht nur weniger Elterntaxi-Verkehr vor der Schule, sondern hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt. Schülerinnen und Schüler, die morgens zu Fuß in die Schule kämen, seien wacher, konzentrierter und könnten besser im Unterricht mitarbeiten, sagt Cornelia Härtner, Rektorin der Rudolf-Magenau-Schule. Bei den Kindern sei „schon sehr viel Energie ins Laufen gekommen, weil sie gelaufen sind“, ergänzte sie. Sie wünsche sich, „dass die Mamas und Papas die Autos stehen lassen“.
Hermaringens Bürgermeister ist „megastolz“
Für Hermaringens Bürgermeister Jürgen Mailänder sind die Schulwegprofis der Rudolf-Magenau-Schule „wunderbare Botschafter unserer Gemeinde“. Er sei deshalb „megastolz“ auf die Schülerinnen und Schüler, deren Leistung beweise, dass, wenn man sich vornehme, miteinander etwas zu erreichen, dies dann auch gelingen kann. Selbst als so kleine Schule. „Der Wettbewerb zeigt, dass eine Gemeinschaft Großes bewirken kann“, so Mailänder.

Ins Leben gerufen wurde das Movers-Programm im Jahr 2023, seit 2024 ist es ein landesweiter Wettbewerb, dessen Ziel es ist, Kinder jeden Tag sicher, gesund und eigenständig zur Schule zu bringen. Und die Anregung, auf das Elterntaxi zu verzichten und zu Fuß zur Schule zu gehen, komme bei den Schülerinnen und Schülern auch sehr gut an, sagt Annika Stuke, es würden Laufgruppen gebildet und neue Freundschaften geschlossen. Der Schulweg wird zum gemeinsamen Erlebnispfad und die Kinder gingen von sich aus auf ihre Eltern zu mit dem Wunsch: „Mama, Papa, ich will gar nicht mehr gefahren werden.“
Zum Movers-Umfang gehört allerdings nicht nur das Überreichen eines Sonderpokals, auch der Ausbau der Infrastruktur vor Ort gehört dazu. „Unser Schwerpunkt liegt momentan auf Schulstraßen und Schulzonen. Dafür haben wir extra Schulberaterinnen und -berater überall in Baden-Württemberg stationiert“, so Annika Stuke. Deren Aufgabe ist es, Schulen und Gemeindeverwaltungen an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam Lösungen dafür zu finden, dass mehr Schülerinnen und Schüler eigenständig zur Schule gehen können. Dazu können etwa Fahrradausleihen und die Errichtung von Fahrrad-Abstellanlagen gehören.
Weitere Prämien
Für seine Leistung erhielt das Movers-Team der Hermaringer Grundschule zudem eine Tafel zum Anbringen am Schulgebäude sowie als Sachpreis eine Balancier-Slackline. Außerdem sorgte ein Waffel-Bike für eine süße Belohnung. Und aus den Händen von Bürgermeister Jürgen Mailänder gab es jeweils 50 Euro in die Kasse der einzelnen Schulklassen.

