Bürgermeisterwahl

Kandidatenvorstellung in Hermaringen: Wer konnte überzeugen?

Am Freitagabend präsentierten sich die fünf Kandidatinnen und Kandidaten für das Hermaringer Bürgermeisteramt erstmals zusammen auf einer Bühne. Das Interesse war enorm, die Güssenhalle war voll und die Fragerunde dauerte fast zwei Stunden.

Der Begriff „volles Haus“ wäre noch untertrieben, um den Freitagabend in der Hermaringer Güssenhalle zu beschreiben. Hunderte waren zur Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am 1. Februar gekommen. Die Sitzplätze reichten nicht aus und Amtsinhaber Jürgen Mailänder befürchtete zwischenzeitlich sogar, die Halle aus Sicherheitsgründen schließen zu müssen.

Dazu kam es am Ende nicht, doch das große Interesse zeigte, wie wichtig den Hermaringerinnen und Hermaringern die anstehende Bürgermeisterwahl zu sein scheint. Die fünf Kandidatinnen und Kandidaten hatten Gelegenheit, sich jeweils einzeln zu präsentieren und sich am Ende gemeinsam den Fragen der Bürger zu stellen.

Theresa Schneidermeier: Die 25-Jährige ist derzeit Hauptamtsleiterin in Dischingen und war als Erste mit ihrer Vorstellung an der Reihe. Sie hielt ein Plädoyer für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Gemeinde Hermaringen. Dabei sei ihr wichtig, die Verwaltung als Dienstleister zu sehen, echte Bürgerbeteiligung in Form von Umfragen oder Themenabenden zu schaffen, allen zuzuhören und transparent zu entscheiden. Einen Fokus wolle sie zwar auf die Themen Bildung und Betreuung legen, aber auch die Stärkung der Unternehmen vor Ort und die Weiterentwicklung der Gemeinde bezüglich Wohn- und Gewerbegebieten seien von zentraler Bedeutung.

Theresa Schneidermeier. Foto: Rudi Penk

Die gebürtige Itzelbergerin gab sich auch in der anschließenden Fragerunde sehr souverän und konnte mit dem nötigen Hintergrundwissen überzeugen – sowohl, was rechtliche Grundlagen und Verwaltungsvorgänge anbelangte, als auch was die Gemeinde Hermaringen an sich betraf. Bei der Frage nach Tempo 30 entlang der Friedrichstraße verwies sie beispielsweise darauf, dass die Entscheidungskompetenz hier nicht bei der Gemeinde liegt: „Die gehört aber eigentlich dorthin, weil die Gemeinde am besten weiß, wo die Problemstellen sind und wo die Geschwindigkeitsbegrenzung notwendig wäre.“

Lennart Schmeißer: Wie Schneidermeier ist Schmeißer gerade einmal 25 Jahre alt, bringt aber auch bereits Verwaltungserfahrung mit – zuletzt als persönlicher Referent des Heidenheimer Oberbürgermeisters, zuvor als Fachbereichsleiter für Steuern und Abgaben im dortigen Rathaus. In seiner Rede setzte der Schnaitheimer darauf, zunächst von sich persönlich zu erzählen, von seiner Jugend, seinem Engagement im Handball, seinem Großvater mit Handwerksbetrieb.

Lennart Schmeißer. Foto: Rudi Penk

Durch seine Erfahrungen in verschiedenen Verwaltungen bringe er Fachwissen, ein breites Netzwerk und Erfahrung mit der Arbeit mit Führungskräften mit. Hermaringen sehe er auf einem stabilen Fundament, aber auch belastet durch wachsende Herausforderungen. Das Thema Wohnraum sieht er „ganz oben“ auf seiner Agenda. Hermaringen wolle er moderner gestalten, ohne dass die Gemeinde ihren Charakter verliere. Er wolle zudem „persönlicher Ansprechpartner“ für die Bürger und „verlässlicher Partner für die Wirtschaft“ sein.

Wie Schneidermeier konnte Schmeißer bei der Fragerunde sein Verwaltungswissen einbringen und zeigen, dass er sich eingehend mit Hermairngen beschäftigt hat. Bei einer Frage nach Sparpotenzialen verwies er beispielsweise darauf, dass diese im eng gestrickten Hermaringer Haushalt kaum vorhanden seien. Er wusste zudem bei einer Frage nach dem geschlossenen Komm-In-Center aus dem Stehgreif das jährliche Defizit, das dieses verursachte hatte, und konnte beim Thema Radverkehr direkt auf ein bereits beschlossenes Radverkehrskonzept verweisen.

Wolfgang Mäck: Der 1970 geborene Einzelhändler und Unternehmer im Vertrieb des familiären Biohofes in Bergwenweiler war als Dritter an der Reihe. Er redete frei und versuchte, das Publikum davon zu überzeugen, dass er auch ohne Verwaltungserfahrung das Zeug zum Bürgermeister hat. Er habe „keine politische Agenda, kein schlüssiges Konzept oder Werbegeschenke“. Zudem setze er nicht auf „frisches Denken“, sondern auf „altes Denken und die Tugenden aus dieser Zeit“. Für Hermaringen wolle er seinen „moralischen Kompass“ einbringen und seine Erfahrungen im erfolgreichen Führen eines Unternehmens.

Bei der Fragerunde musste Mäck mehrfach passen, wenn es um Hintergrund- oder Fachwissen ging. Er versprach aber, sich noch mehr einzulesen, oder er verwies auf „die kompetenten Antworten der Vorredner“. Seine Aussage, dass er „bislang wenig mit dem Rathaus zu tun hatte und es auch gut ohne ging“, brachte ihm zwar Lacher ein, aber auch eine kritische Nachfrage: Ein Mann aus dem Publikum wollte wissen, warum er sich denn dann überhaupt als Bürgermeister bewerbe. Mäck verwies darauf, dass er als Unternehmer womöglich Dinge sehen könne, „die ein Bürokrat nicht sieht“.

Wolfgang Mäck. Foto: Rudi Penk

Auch ansonsten hatte Mäck eher unkonventionelle Vorschläge: Das Tempo-50-Problem entlang der Friedrichstraße könne man lösen, indem man mehr Fahrzeuge am Straßenrand parke. Der kommende Anspruch auf Ganztagesbetreuung in der Grundschule ließe sich dadurch umsetzen, dass man Ältere, beispielsweise aus dem Altersheim, auf die Kinder aufpassen ließe.

Felix Fetzer: Der 40-Jährige, der aus der Gemeinde stammt, mittlerweile aber in Burgberg lebt, verzettelte sich in seiner Rede etwas mit der Zeit. Er überzog die zwölf vorgesehenen Minuten deutlich, war am Ende aber dennoch nicht fertig geworden und musste abbrechen. Zuvor hatte er versprochen, sich „mit Umsicht, Weitsicht und Vorsicht“ für die Gemeinde einzusetzen. Er wolle „über den Tellerrand hinausschauen“ und eine Politik machen, „die für den Menschen kämpft und nicht nur für die Aktenordner“. Konkret bezogen auf Hermaringen könnte sich der gelernte Koch und Betriebswirt ein „Halb-Acht“-Konzertformat wie in Giengen und ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen vorstellen. Zudem plädierte er für die Stärkung der ärztlichen Versorgung vor Ort, etwa durch eine Apotheke und eine gute kinderärztliche Versorgung.

Felix Fetzer. Foto: Rudi Penk

Bei den Fragen aus dem Publikum konnte Fetzer, der sich 2017 auch schon als Oberbürgermeister in Giengen beworben hatte, Bezüge zu seinem derzeitigen Wohnort herstellen: Er verwies unter anderem beim Thema Tempo 30 auf der Friedrichstraße darauf, dass „es Hürben bereits hinbekommen“ habe. Bei der Frage nach der Selbstständigkeit Hermaringens als Gemeinde sagte Fetzer, dass diese bestehen bleibe, „solange es gut geht“, könnte sich aber weitere interkommunale Zusammenarbeit mit Giengen vorstellen. Ansonsten musste aber auch er bei detaillierteren Fragen öfter auf seine Vorredner Schneidermeier und Schmeißer verweisen.

Heike Sommer: Die gebürtige Hermaringerin, die mittlerweile in Bad Wurzach lebt, war als Letzte an der Reihe. In ihrer Vorstellungsrede betonte sie, wie sehr ihr die Gemeinde, in der sie aufgewachsen ist, am Herzen liege. Den bekannten Kurs der letzten Jahre würde sie als Bürgermeisterin weiterführen, aber „mit neuen Ideen behutsam Impulse“ setzen. Sommer hat Erfahrung in der Jugendhilfe, Altenhilfe und in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. „Ich habe ein tiefes Interesse am Menschen und an funktionierenden Strukturen.“ Eine Kommune brauche Führung, die die Lebensrealitäten der Menschen kenne, nicht nur verwaltet, sondern gestaltet. Das wolle sie mitbringen und versprach, Ehrenamt wertzuschätzen, für solide Finanzen zu sorgen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und sich für die Förderung der Kultur einzusetzen.

Heike Sommer. Foto: Rudi Penk

Ihre Antworten auf die Fragen aus dem Publikum zeigten, dass Sommer Ortskenntnis hatte, allerdings würde auch sie sich bei vielen Themen noch weiter informieren müssen. Es war deutlich, dass besonders die Verschönerung und Wiederbelebung des Ortskerns Sommer am Herzen liegt: Gemeinsam mit der Bürgerschaft würde sie hier gerne zu Verbesserungen beitragen. Dass sie oftmals unkonkret blieb, blieb auch dem Publikum nicht verborgen. Auf eine entsprechende Nachfrage erklärte Sommer, dass sie Lösungsmöglichkeiten habe, „ihr Pulver aber nicht jetzt schon verschießen“ wolle,

Jürgen Mailänder: „Die richtige Zeit“

Amtsinhaber Jürgen Mailänder bedankte sich bei den Hermaringern für das „übergroße Interesse“ an der Kandidatenvorstellung und bat gleichzeitig darum, diese „echte Wahl“ zwischen den fünf Kandidatinnen und Kandidaten an der Wahlurne auch wirklich zu nutzen.

Nach 24 Jahren als Hermaringer Bürgermeister sah Mailänder die richtige Zeit gekommen, um sich zurückzuziehen und „die Verantwortung in jüngere Hände“ zu geben.

Die insgesamt fast drei Stunden dauernde Kandidatenvorstellung in der Hermaringer Güssenhalle wurde aufgezeichnet und kann ab Donnerstag auf der Homepage der Gemeinde abgerufen werden.