Gute sechs Wochen ist es jetzt her, dass es im Eselburger Tal brannte. Rund drei Hektar Heide standen in Flammen. Dass sich das Feuer nicht weiter ausbreitete, ist dem Einsatz von rund 120 Feuerwehrkräften zu verdanken. Aber obwohl Regen in diesem Sommer Mangelware ist, sieht die Fläche schon wieder recht grün aus. Hat sich das Feuer auch positiv auf die Vegetation ausgewirkt?

Wurzeln blieben intakt
„Die Vegetation hat sich bislang so entwickelt wie vermutet“, ist dazu die gemeinsame Antwort der Naturschutzbehörden am Landratsamt Heidenheim und am Regierungspräsidium Stuttgart. Oberirdisch sei die trockene Vegetation zu großen Teilen verbrannt, aber die Wurzeln der Pflanzen sei kaum in Mitleidenschaft gezogen worden. „Der Neuaustrieb der Gräser und Kräuter ist rasch erfolgt, vermutlich auch aufgrund der durchdringenden Wässerung bei den Löscharbeiten.“ Auch die Sträucher auf der betroffenen Fläche hätten wieder ausgeschlagen.
Irreversible Schäden habe nach bisherigem Stand lediglich der Wacholder, so die Naturschutzbehörden. Durch den Brand seien jedoch offene Bodenstellen entstanden, wodurch sich die Standortbedingungen für bestimmte Pflanzenarten verändert haben. „Dadurch kann sich möglicherweise auch die Zusammensetzung der Vegetation verschieben.“ So könnten Pflanzen, die zuvor beispielsweise durch Gräser oder höhere Pflanzen beschattet wurden, nun von den veränderten Lichtverhältnissen profitieren und zur Blüte kommen.
Die Fläche werde in den nächsten Wochen und Monaten immer weiter zuwachsen. „Bis zum Herbst wird sich vermutlich eine lichte Vegetationsdecke entwickelt haben“, glaubt man in den Naturschutzbehörden. Langfristig werde sich die Fläche der umgebenden Vegetation anpassen. „In den ersten Jahren könnte sie dabei eventuell etwas blütenreicher sein, da sich durch die entstandenen offenen Bereiche die Konkurrenz- und Lichtverhältnisse verändert haben. Eine solche Entwicklung ist jedoch nicht sicher vorherzusagen und hängt von weiteren Faktoren, etwa der Bodenbeschaffenheit und dem vorhandenen Samenpotenzial im Boden, ab.“
Gottfried Reiser ist als ehrenamtlicher Naturschutzwart des Landratsamtes häufig im Eselsburger Tal unterwegs und hat sich die verbrannte Fläche ebenfalls nochmal genauer angesehen. Auch er findet, dass sich die Fläche bereits auffallend zu regenerieren begonnen hat.
Wacholder nachpflanzen?
Bei den Wild-Wacholdern müsse man allerdings von einem hundertprozentigen Ausfall sprechen, so Gottfried Reiser. „Sie sollten durch Nachpflanzungen ersetzt werden, weil diese Heide am Bindstein von weitem sichtbar ist und geradezu ein Postkartenmotiv für das Eselburger Tal darstellt.“ Er hofft, dass sich dafür heimatbewusste Herbrechtinger oder Naturfreunde finden lassen. „Auf eine Selbst-Ansiedlung von Wild-Wacholder kann man lange warten, weil die bereits heranreifenden Beeren restlos verbrannt sind.“
Schon von weitem seien die schwarz-verbrannten Äste der Wild-Wacholder zu sehen, sagt Gottfried Reiser. Das sei für viele Anlass, sich das genauer anzusehen und hinzugehen, aber: „Das sollte man nicht tun. Auch ein feuergeschädigtes Naturschutzgebiet ist ein Naturschutzgebiet, dessen Betreten untersagt ist, ganz besonders jetzt im fragilen biologischen Zustand.“
Neben den Wacholdern habe laut Reiser aber natürlich auch die Fauna sehr gelitten. „Momentan ist auf der Heide noch wenig Leben sichtbar. Alles, was fliegen kann, ist geflüchtet. Bodennah lebende Kleintiere, wie Käfer, konnten dem Feuer oder der Hitze nicht entkommen.“ Regen und kühlere Temperaturen würden die Biologie des Bodens aber wieder in Gang setzen.
