Insolvenzverfahren abgeschlossen

Carl Stahl in Herbrechtingen: Standort und mehr als 70 Arbeitsplätze bleiben erhalten

Das Herbrechtinger Traditionsunternehmen Carl Stahl war 2024 in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ist nun abgeschlossen, mehr als 70 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Die Schmalbandweberei Carl Stahl in Herbrechtingen hat das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erfolgreich abgeschlossen. Das teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Per Gerichtsbeschluss des Amtsgerichts Aalen vom 23. Dezember 2025 sei das Verfahren zum Jahresende 2025 aufgehoben worden. Der Standort in Herbrechtingen ist damit gesichert, mehr als 70 Arbeitsplätze habe man damit erhalten können.

Das Unternehmen firmiert seit dem 1. Januar 2026 als Carl Stahl Technical Webbing GmbH. Man gehe nun „wirtschaftlich stabil und zukunftsfähig in das neue Jahr“, heißt es. „Ich freue mich sehr über den erfolgreichen Start ins neue Jahr“, so Geschäftsführer Andreas Oppermann. „Dass das Unternehmen gestärkt in die Zukunft blickt, ist vor allem der herausragenden Leistung von Interim-Manager Dr. Werner Boysen und Interim-Finanzmanager Klaus Prerauer zu verdanken.“ Ein besonderer Dank gelte außerdem „der gesamten Belegschaft, die in dieser herausfordernden Phase außergewöhnlichen Einsatz und Zusammenhalt gezeigt hat“. Das verdiene höchste Anerkennung, so Oppermann.

Kontakt zur Gewerkschaft abgebrochen

Katja Kalkreuter war als Gewerkschaftssekretärin der IG Metall zu Beginn der Insolvenz involviert. „Wir waren in Verhandlungen zum Interessenausgleich eingetreten und haben diese noch abgeschlossen“, sagt sie auf Nachfrage. Danach sei der Kontakt zur Gewerkschaft seitens des Unternehmens eingestellt worden. Wie der Betriebsrat zum Ergebnis des Insolvenzverfahrens steht, war am Montag nicht in Erfahrung zu bringen.

Kritik seitens der Gewerkschaft und des Betriebsrats hatte es zu Beginn vor allem am Umgang mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gegeben, die erst mit Übergabe der Kündigung vom Verlust ihres Arbeitsplatzes erfahren sollten. Zudem war für die Gewerkschaft die Höhe der Abfindungen deutlich zu niedrig.

Betriebsleiter Peter Schulze und Geschäftsführer Andreas Oppermann vor der neu angeschafften Laserschneidanlage nebst KI-gestützter Qualitätsüberwachung. Carl Stahl Technical Webbing

Die Ursprünge des Unternehmens auf der Schwäbischen Alb reichen bis ins Jahr 1910 zurück. In den vergangenen Jahren sei Carl Stahl laut Unternehmensführung „durch die starke Abhängigkeit vom wettbewerbsintensiven und margenschwachen Geschäft mit Automotive-Sicherheitsgurtband“ in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, die schließlich im November 2024 zur Insolvenz geführt hätten. Die Phase der Restrukturierung habe man genutzt, um die Produktion auszubauen, neue Geschäftsfelder zu erschließen und die Organisation zielgerichtet aufzustellen.

Neue Geschäftsfelder bei Carl Stahl

Die neu firmierende Gesellschaft produziert neben dem traditionellen Kerngeschäft der Gurtbandproduktion für den Rollladen- und Markisenbau Komponenten für Automotive- und Non-Automotive-Anwendungen, darunter Personenrückhaltesysteme, Ladungssicherung, Hebetechnik, Personenschutzausrüstung und Freizeitprodukte.

„Dank moderner Maschinen, innovativer Fertigungsverfahren, flexibler Färbetechnik und einer mit Spezialisten verstärkten Entwicklungsabteilung deckt die Carl Stahl Technical Webbing GmbH das komplette Spektrum technischer Schmaltextilien bis zu einer Breite von 300 Millimetern ab“, erklärt das Unternehmen. Es seien nun weitere Einstellungen in den Bereichen Weben und Färben sowie die Schaffung von Ausbildungsplätzen in der Weberei und in der Färberei geplant.