Konzert

Kreisjugendorchester in der Bibrishalle Herbrechtingen: Schwungvoller Ritt auf hohem Niveau

Beim Konzert des Heidenheimer Kreisjugendorchesters in der Bibrishalle Herbrechtingen zeigte der Musikernachwuchs sein beachtliches Können in sinfonischer Blasmusik.

Jugendliche hängen nur noch am Handy? Das Klischee trifft jedenfalls nicht auf die 55 Jugendlichen zu, die am Montagabend auf der Bühne in der Bibrishalle Herbrechtingen standen: die Musikerinnen und Musiker des Kreisjugendorchesters nämlich. Dass sie nicht nur ihre Haus-, sondern auch jede Menge Fleißaufgaben gemacht haben, das bewiesen sie mit ihrem Konzert eindrucksvoll. Das in hoher Zahl erschienene Publikum jedenfalls staunte nicht schlecht über die anspruchsvollen Vorträge.

Musik, die Geschichten erzählt, bestimmte das Programm. Und dazu hatte der musikalische Leiter Daniel Bürgler Werke ausgewählt, die es wahrlich in sich hatten. Ob es nun die besondere Rhythmik wie bei Samuel R. Hazos pulsierendem Ritt „Ride“ war, das von vielen Wechseln geprägte „Excalibur“ von José Alberto Pina, die anspruchsvolle Dynamik in „Spirit of Time“ von Otto M. Schwarz oder auch insbesondere die gleich in jeder Beziehung höchst herausfordernde „Symphonic Overture“ von James Barnes – alles geriet den Nachwuchsmusikern auf das Beste.

Zusatzleistung aus purer Leidenschaft

Und das ist umso höher einzuschätzen, als dem Orchester ja nur wenige Probenphasen bleiben, um zu einem großen Ganzen zusammenzuwachsen. Denn alle 55 Jugendlichen stammen ja aus allen Ecken des Landkreises, wo sie in den örtlichen Musikvereinen musizieren. Ihr Engagement beim Kreisjugendorchester ist also auch deswegen zu honorieren, als es noch zusätzlich zu Schule und dem Musizieren im Verein erfolgt. Aus purer Leidenschaft zur Musik und auch dem Wunsch folgend, in Sachen sinfonischer Blasmusik noch Zusatzqualifikation zu erhalten und schlicht auch andere Musik zu spielen, opfern diese Jugendlichen also wochenendweise ihre Freizeit, um im Kreisjugendorchester zusammenzuwachsen.

„Das ist nicht selbstverständlich und verdient deshalb größten Respekt“, so Klaus-Dieter Kirschner, der Geschäftsführer des Blasmusikkreisverbands, in seinem Grußwort. Und den Respekt bekam das Orchester auch an diesem Abend in rauen Mengen. Denn auch ungeachtet dieses besonderen Einsatzes des Musikernachwuchses war das Programm ein höchst ansprechendes und mitreißendes. Und vielseitig noch dazu. Das Auseinanderbrechen des Kontinents Gondwana wurde musikalisch nachempfunden, und da reichte das Spektrum von filigranen Passagen bis zur brachialen Urgewalt – ein perfekter Soundtrack für das Geschehen vor rund 180 Millionen Jahren.

Hügeliges Grün und Windmühlenkampf

Ebenfalls historischen Hintergrund weist die „Green Hills Fantasy“ von Thomas Doss auf, wenn die Kelten ihre Kämpfe austrugen und gleich darauf die Lieblichkeit des hügeligen Grüns gepriesen wird. Auch das wird alles in der Komposition dargestellt, und das Orchester zeichnete das mit großartigem Gespür für Tempo und Dynamik nach. Fantasie, Witz und sogar ein Hochzeitsmarsch stecken in „Don Quijote“ von Jean-Pierre Haeck, ganz so, wie es die Abenteuer des spanischen Windmühlenkämpfers vorgeben. Und genauso setzte es das Orchester auch um: All die anspruchsvollen Wechsel glänzend parierend, erschienen der landadlige fahrende Ritter samt Sancho Panza und Rosinante vor dem geistigen Auge der Zuhörer.

Aushängeschild im Landkreis Heidenheim

Dirigent Daniel Bürgler hatte sein Orchester mit diesem Programm vor einige Herausforderungen gestellt. Er führte es aber auch sicher durch diese hindurch und ließ es vor allem mit einer beachtlichen Präzision glänzen. Und die Musikerinnen und Musiker hatten ganz offensichtlich große Freude daran, derart gefordert und in ihrem Können vorangebracht zu werden. Anspruch, Einsatz und auch die Vielfalt des Programms trafen jedenfalls genau den Geschmack des Publikums, das die musikalischen Geschichten und den Vortrag lange und größtenteils im Stehen mit Beifall bedachte.

Das Kreisorchester revanchierte sich für den Applaus mit zwei Zugaben, die nochmals eine ganz andere Facette zeigte: „Don’t Stop Me Now“ von Queen und „Nessaja“ von Peter Maffay dürften dem Publikum noch auf dem Heimweg im Ohr geblieben sein, zumal sie in dieser Instrumentierung nochmals einen ganz anderen Reiz entfalten. Auch diese Facette also hat das Kreisjugendorchester drauf. Das Klischee der am Handy hängenden Jugendlichen hat das Orchester damit stark beschädigt, seinen eigenen Ruf als Aushängeschild des Landkreises aber wieder einmal eindrucksvoll bekräftigt.

Kreisjugendorchester: Gründung vor 30 Jahren

1996 wurde das Kreisjugendorchester als Auswahlorchester des Blasmusikkreisverbands Heidenheim gegründet. Damit darf das Kreisjugendorchester in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiern. Es gilt als Aushängeschild der musikalischen Jugendbildung im Bereich der sinfonischen Blasmusik des Kreises und ist als Klangkörper überregional angesehen.

Derzeit musizieren 55 Jugendliche aus 14 Musikvereinen des Landkreises Heidenheim im Kreisjugendorchesters. Das Durchschnittalter beträgt 19 Jahre, das jüngste Mitglied ist gerade mal 13 Jahre alt. Seit 2016 schwingt Daniel Bürgler dort den Taktstock und er kann damit auch ein eigenes Jubiläum feiern.