Kinderstück

Wie zwei junge Choreografinnen eine Actionszene für die „Vorstadtkrokodile“ im Naturtheater Heidenheim entwickelt haben

Für das Kinderstück „Vorstadtkrokodile“ entwickelten Lara Marie Glatz und Charlotte Eckle im Naturtheater Heidenheim eine ungewöhnliche Fahr-Choreografie. Ohne feste Besetzung wird dabei jede Aufführung zur Improvisation.

Manchmal ist es ein Walzer, ein anderes Mal ein Fechtkampf. Immer ist Bewegung dabei, und davon zuhauf. Die volle Breite seiner Freilichtbühne nutzt das Naturtheater nicht nur durch rein schauspielerische Szenen. Regelmäßig sind bei den Sommerproduktionen aufwendige Choreografien zu erleben, seien es Tänze oder Kampfszenen. Das diesjährige Kinderstück „Vorstadtkrokodile“ bildet da keine Ausnahme – und zeigt doch eine Choreografie, die sowohl inhaltlich als auch was ihre Entstehung angeht, ein wenig aus der Reihe fällt.

Ein Fahrrad und ein Skateboard, ein Einrad und Inliner, sie alle rollen und donnern längs und quer über die Bühne. Dazu erklingt temporeiche Musik aus den Boxen. Nach mehreren fast schon waghalsigen Manövern versammeln sich die Kinder samt ihren Gefährten um einen Baum. Für ihre Darbietung bekommen sie vom Publikum Szenenapplaus – und das bei jeder Aufführung.

Lara Marie Glatz (links) und Charlotte Eckle haben gemeinsam die Fahr-Choreografie des Stücks entwickelt.
Lara Marie Glatz (links) und Charlotte Eckle haben gemeinsam die Fahr-Choreografie des Stücks entwickelt. Foto: Dennis Straub

Eigentlich gestalten die „Action-Kids“ hier einen reinen Szenen-Übergang. Doch auch in diesen hat das Naturtheater Arbeit gesteckt. Die Fahr-Choreografie stammt von Lara Marie Glatz (17) und Charlotte Eckle (16). Beide konnte man als Duo bereits vor zwei Jahren auf der Freilichtbühne erleben. In „Der Räuber Hotzenplotz“ spielten sie alternierend die Rolle des Kasperls.

Als das Regie-Team der „Vorstadtkrokodile“, Silke von Fürich und Stefan Ziegengeist, die beiden fragte, ob sie sich vorstellen könnten, eine Choreografie für das Stück zu entwerfen, stand über den Köpfen von Glatz und Eckle zunächst ein kleines Fragezeichen. „Bei Choreografie dachten wir natürlich erst mal ans Tanzen“, erzählt Lara Marie Glatz. Als klar wurde, dass dabei durchstrukturiertes Fahren auf der Bühne gemeint war, ließen sich die beiden drauf ein. „Wir sind zwei Köpfe, die sowas auf die Beine stellen können“, findet Glatz und lacht.

Zunächst hat sich das Duo laut Eckle von ähnlichen Szenen auf Youtube inspirieren lassen. „Am Ende haben wir aber gemeinsam mit den Kindern Ideen eingebracht und die ‚Action-Kids‘ einfach machen lassen“, so Eckle. Auch die Regie habe dem Choreografen-Team freie Hand gelassen.

Einige Regeln gab und gibt es dennoch zu beachten: Insbesondere für Fahrradfahrer gilt auf der Bühne Helmpflicht, wer auf Inlinern unterwegs ist, trägt zudem zumeist Protektoren. Denn Unfälle lassen sich nicht immer vermeiden. Bislang haben sich diese allerdings auf kleinere Schrammen und einen umgeknickten Fuß beschränkt.

Mit ihrem Skateboard rollt Marie Hirschberger über die Vorbühne des Naturtheaters.
Mit ihrem Skateboard rollt Marie Hirschberger über die Vorbühne des Naturtheaters. Foto: Dennis Straub

Rund zwölf „Action-Kids“ tummeln sich in der Regel auf der Bühne. Jetzt, in der Ferienzeit, sind das bisweilen deutlich weniger unterwegs – und Regie- und Choreografinnen-Team müssen improvisieren. „Da wir keine feste Besetzung haben, ist jede Vorführung eine Herausforderung“, berichtet Lara Marie Glatz. „Und die Choreografie sieht jedes Mal anders aus.“

Zwei, die aktuell fleißig dabei sind, sind die 15-jährige Marie Hirschberger und Eliah Krafft, zwölf Jahre. „Wir beide fahren immer gemeinsam über die Bühne“, erzählt Eliah Krafft. Wenn er mit seinem Rad über die Vorbühne fährt, ist Marie Hirschberger nie weit entfernt – wenige Sekunden später rollt sie mit ihrem Skateboard hinterher. „Ich wollte erst nicht so gerne über die Vorbühne fahren. Mit dem Skateboard ist das ein bisschen riskant“, findet die 15-Jährige. Als geübte Skaterin hat sie inzwischen aber den Mut dazu gefunden.

Nicht nur dafür, sondern generell zeigen sich Lara Marie Glatz und Charlotte Eckle erfreut über das Engagement der „Action-Kids“: „Wir sind sehr stolz auf sie“, sagt Glatz, „und dankbar für das Vertrauen, das uns das Regie-Team entgegengebracht hat.“

„Vorstadtkrokodile“ noch bis Ende August im Naturtheater

Das Kinderstück „Vorstadtkrokodile“ ist noch bis einschließlich 26. August immer sonntags und mittwochs ab 15 Uhr im Naturtheater zu sehen. Die beiden finalen Vorstellungen finden am Freitag und Samstag, 28. und 29. August, abends ab 20 Uhr statt. Karten sind unter anderem unter hz-ticketshop.de erhältlich.