Bei sportlichen Großveranstaltungen bleiben sie nicht aus: Vereinzelt kommt es zu Verletzungen, meistens kleineren – mitunter passiert etwas, bei dem man denkt: Gott sei Dank war ein Arzt zur Stelle. Auch bei den Heidenheimer Fechtertagen, die vom HSB in Herbrechtingen ausgerichtet wurden, waren Turnierärzte im Einsatz. „Das machen wir ehrenamtlich“, erzählt Dr. med. Alexander Failenschmid. Bei ihm passt es aber wie die Faust aufs Auge: Einst hatte Failenschmid selbst gefochten.
Nach einer längeren Pause kam der Holzgerlinger über seinen Sohn Moritz (16), der für die Sportvereinigung Böblingen antritt, zurück zum Degen. „Mit meinem Sohn bin ich bei vielen Turnieren. Man verbringt also viel Zeit in der Halle. Und da bin ich wieder eingestiegen“, erzählt Alexander Failenschmid – und schiebt scherzend nach: „Damals hatte ich das Fechten wegen Erfolglosigkeit aufgegeben.“ Zwar sei es mit dem Fechten ein wenig wie mit dem Fahrradfahren. „Deswegen werde ich aber trotzdem nichts mehr reißen“, sagt Failenschmid lachend.

Natürlich sind Vater und Sohn Failenschmid auch öfter im Heidenheimer Fechtzentrum zu Gast. Und da er nur schlecht Nein sagen kann, ist Alexander Failenschmid, als einer der Turnierärzte (neben Sonja Sünderhauf und Jürgen Siebert) bei den Fechtertagen im Einsatz gewesen. „Für uns Ärzte ist es eine Art Hobby, bei dem wir uns nützlich machen können“, erklärt er. „Ich habe einen Kollegen, der beim Boxen aushilft. Ein anderer beim Handball, wiederum ein anderer beim Fußball.“
Manche fragen nach dem Arzt auch aus taktischen Gründen. Einfach, um Luft zu holen.
Dr. med. Alexander Failenschmid, Turnierarzt bei den Heidenheimer Fechtertagen
Zusammen mit einem befreundeten Ersthelfer bildete Alexander Failenschmid, seines Zeichens Unfall- und Handchirurg (den Berufswunsch hatte er schon als Schüler), ein Team. Und er schwärmt: „Da geht die Elite der jeweiligen Länder an den Start. Ich finde das super interessant und kann natürlich auch zuschauen.“ Und es sei generell „überschaubar“, was Verletzungen angeht. „Auch wenn die Fechter nicht zimperlich sind, geht es extrem professionell zu“, sagt Failenschmid. Meistens gehe es darum, Eis aufzulegen. „Es ist alles keine Raketentechnik“, erlaubt sich Failenschmid einen Scherz. „Manche fragen nach dem Arzt auch aus taktischen Gründen. Einfach, um Luft zu holen.“ Denn: Nur der Arzt darf eine fünfminütige Verletzungspause nehmen.
Meistens gehe es also um Kleinigkeiten. In Heidenheim habe ein Zuschauer zum Beispiel über Kreislaufbeschwerden geklagt, weil er wahrscheinlich zu wenig getrunken hatte, vermutet Alexander Failenschmid.
Doch dann musste er richtig anpacken: Bei einer Aktion am Freitag, 6. Februar, blieb ein italienischer Fechter mit seinem Schuh hängen. „Sein Fuß stand schräg ab“, beschreibt Failenschmid die Schwere der Verletzung. Besonders dramatisch: Da auf der Uhr nur noch knapp eine Sekunde angezeigt war und der verletzte Fechter vorn lag, wollte er zunächst unbedingt weitermachen. Adrenalin sei Dank. Doch dann sei ihm doch klar geworden, dass das mit einer Sprunggelenksfraktur keinesfalls gehen kann. Innerhalb kürzester Zeit renkte Failenschmid den Fuß zumindest wieder ein. „Da hatte er Glück, dass in dem Moment kein Augenarzt Dienst hatte“, scherzt der Unfall- und Handchirurg. „Auf diese Weise hat sich der Schmerz im Rahmen gehalten.“
Dennoch steht für den betroffenen Fechter jetzt wohl eine Pause von etwa einem halben Jahr an. Auf Facebook hat er eine längere Auszeit angekündigt – möchte aber zurückkommen. „Das ist schon sehr bitter“, bedauert Alexander Failenschmid.

Er selbst wird weiter fleißig ins Fechttraining gehen und zusammen mit seinem Sohn Moritz viel am Wochenende unterwegs sein. „Ich brauche meine Fechtdosis“, scherzt der Chirurg, der auch Mitglied des Gemeinderats von Holzgerlingen ist.
Dabei freut sich Failenschmid bereits auf die Heidenheimer Fechtertage 2027: Dann wird er in der sanierten Karl-Rau-Halle seine Runden drehen, Gefechte interessiert verfolgen – und sich um die ein oder andere Verletzung kümmern.
Alexander Failenschmid ist auch beim Motocross im Einsatz
Dr. med. Alexander Failenschmid ist auch Leitender Rennarzt (A) des Deutschen Motorsportbundes (DMSB). Dafür ist eine zusätzliche Ausbildung nötig. Failenschmid ist zum Beispiel bei größeren Motocrossveranstaltungen wie in Holzgerlingen oder Aichwald im Einsatz. Hier bekommt er es mit wesentlich mehr gebrochenen Knochen zu tun.


