Das traditionsreichste Weltcupturnier ist immer wieder für einen Rekord gut: 378 Fechter aus 60 Nationen gingen am Donnerstag und Freitag beim Heidenheimer Pokal auf die Planche – mehr Internationalität geht nicht. Dabei gab es keine zusätzlichen Punkte zu holen oder besonderen Druck wegen einer Olympia-Qualifikation. „Das ist halt Heidenheim – familiär und perfekt organisiert gleichzeitig“, erklärt Matthias Henkelmann vom gastgebenden Heidenheimer Sportbund den großen Zuspruch bei den Degen-Assen aus aller Welt.
Die Arbeit für die rund 150 ehrenamtlichen Helfer beginnt dabei schon Monate vorher. Beim Turnier müssen Hunderte Gefechte zeitgenau durchgeführt werden, was wieder bestens funktionierte. Für Teilnehmer und Zuschauer bot sich dabei ein neues Bild. Laut Vorgaben des Weltverbandes FIE müssen die Turniere überall gleich ablaufen, im Innenraum sind nur noch Athleten und Kampfrichter, die Zuschauerränge dienen nicht mehr als Schlaflager oder Picknick-Zone. „Ich kann die Vorgaben verstehen und für die Zuschauer ist es top“, sagt Turnierdirektor Henkelmann.

Weniger glücklich war er über das Abschneiden der deutschen Fechter. Nur Nikolaus Bodokci erreichte den zweiten Turniertag und landete am Ende auf Rang 56. Aber auch andere einstmals große Fechtnationen haben schwer zu kämpfen, unter anderem die lange Zeit dominierenden Franzosen, die in der Weltrangliste nicht mehr unter den besten zehn vertreten sind und beim Heidenheimer Pokal keinen Fechter ins Achtelfinale brachten. Das Land der Musketiere hat mittlerweile auch hervorragende Trainer an Nationen wie Hongkong oder Saudi-Arabien verloren.
Der Pokal geht nach Kasachstan
Wie hoch das Niveau beim Heidenheimer Weltcupturnier ist, musste auch der Weltranglistenerste Gergely Siklosi aus Ungarn erfahren, der nur 17. wurde. Mit dabei waren erstmals auch wieder russische Fechter, die unter dem Kürzel AIN (individueller neutraler Athlet) starteten. Unter den besten acht standen aber gleich drei Kasachen, darunter Ruslan Kurbanov, der im Finale Vorjahressieger Davide Di Veroli aus Italien gegenüberstand. Es entwickelte sich ein dramatisches Gefecht, in dem Kurbanov stets führte, sich Di Veroli aber nicht abhängen ließ und beim 13:13 ausglich. Nach einem Doppeltreffer zum 14:14 gelang aber doch Kurbanov der entscheidende Streich, der noch per Videobeweis bestätigt werden musste. So ging der Heidenheimer Pokal erstmals nach Kasachstan.
Aus Heidenheimer Sicht freute man sich über drei Teilnehmer im topbesetzten Feld. Horant Kummer blieb nach einigen knappen Niederlagen in der Setzrunde sieglos und kam nur auf Rang 351, Rudy Hummel gewann zwei Gefechte und erreichte den 278. Platz. Etwas enttäuscht zeigte sich Matthew Bülau nach einer durchwachsenen Bilanz (3 Siege/3 Niederlagen) in der Runde. „Da habe ich Gefechte verloren, die ich nicht verlieren darf“, sagt der 20-Jährige, der dementsprechend in den K.-o.-Runden schlecht gesetzt war.
Drei HSBler am Start
Die erste Aufgabe löste er noch mit einem souveränen 15:7-Sieg über Fessal Mohamadou aus Kamerun, traf dann aber bereits auf den starken Italiener Simone Mencarelli (27. der Weltrangliste) und musste sich nach einem 8:15 mit Platz 141 begnügen. Bülau reiste erst am Sonntag aus den USA an, hatte dennoch höhere Erwartungen. „Ich habe schon als Kind beim Heidenheimer Pokal zugeschaut, mein Traum ist es, das Turnier eines Tages zu gewinnen“, sagt der HSBler, der am Samstag nochmals auf der Planche gefordert ist.
Denn er gehört weiter der deutschen Nationalmannschaft an, die in Herbrechtingen im Nationen-Weltcup (Voith-Cup) an den Start geht. „Wir wollen auf jeden Fall die erste Runde überstehen, dann ist vieles möglich“, sagt Bülau, der mit Jakob Stand und Ole Petersen nun zwei Teamkollegen hat, mit denen er schon bei den Junioren für Deutschland gefochten hat. Ergänzt wird das Quartett durch Marco Brinkmann.
Matthew Bülau kehrt aus den USA zurück
Im Mai steht eine große Veränderung für Bülau an. Nach dann vier Jahren Psychologie-Studium an der Ohio State University wird er nach Heidenheim zurückkehren. Bis dahin liegt der Fokus natürlich auf der Ausbildung. „Es ist jetzt mein letztes Semester und die Abschlussprüfungen stehen an“, erklärt Bülau, der am Montag wieder nach Amerika fliegt. Dennoch hat er auch sportliche Ziele, wird ab März wieder bei Weltcups, Grand Prix und US-Meisterschaft starten. Dann freut er sich, wieder in Heidenheim und bei seiner Familie zu sein. Die nächste Herausforderung ist es, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen, Bülau ist da aber optimistisch: „Ich werde auf jeden Fall beim Fechten weiter Gas geben und will in Richtung Olympische Spiele angreifen.“
Am Samstag geht es um den Voith-Cup
Rekord auch beim Nationen-Weltcup: Beeindruckende 40 Mannschaften treten am Samstag zum Voith-Cup an. Gefochten wird in der Herbrechtinger Bibrishalle von acht Uhr an, das Finale ist auf 19 Uhr angesetzt. Mit dem deutschen Team, das im ersten Duell auf Venezuela trifft, geht der HSBler Matthew Bülau auf die Planche. Die Deutschen sind auf Rang 22 gesetzt, der Gegner aus Südamerika auf elf.


