Kaum Preisänderungen erwartet

Wie sich die verringerte Mehrwertsteuer bei Heidenheimer Gastronomen auswirkt

Seit dem 1. Januar gilt in der Gastronomie die reduzierte Mehrwertsteuer. Wie die Heidenheimer Gastronomen und die Gäste darauf reagieren.

Sehr lange war sie gefordert worden, seit ein paar Wochen gilt sie: die verringerte Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie. Seit dem 1. Januar werden Speisen, die vor Ort im Restaurant verzehrt werden, nur noch mit sieben Prozent Mehrwertsteuer versteuert, statt wie bisher mit 19 Prozent. Damit ist die Politik einer Forderung der Branche nachgekommen. Der jetzt verringerte Steuersatz soll dazu beitragen, dass die Preissteigerungen in der Gastronomie nicht so hoch ausfallen und es sich die Gäste wieder leisten können, öfter und mehr auswärts zu essen.

Doch geht die Rechnung auf? Ist das Essengehen wirklich günstiger geworden, und wie reagiert die Kundschaft der Gastwirte? Martin Bosch ist nicht nur Wirt und Koch der „Linde“ in Heidenheim, sondern auch einer der Vorsitzenden des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Er steht mit Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Landkreis im Austausch und kennt die Sorgen und Probleme der Branche sowohl durch sie, als auch aus eigener Erfahrung. „Ja, wir haben eine Reduzierung der Mehrwertsteuer lange gefordert, und es ist gut, dass sie jetzt auch dauerhaft gilt“, sagt Bosch. „Aber für viele Gastronomen ist das nur ein Durchschnaufen.“

Wie jeder Verbraucher müssten auch die Gastronomen seit Jahren mit den deutlich steigenden Lebensmittelpreisen kämpfen. „Sie sind der Preistreiber schlechthin, warum auch immer“, so der Dehoga-Vorsitzende. „Dann muss man bedenken, dass die Weiterverarbeitung natürlich auch Geld kostet, hier macht sich unter anderem auch der gestiegene Mindestlohn bemerkbar.“ All diese Faktoren müssten die Gastronomen in ihrer Preiskalkulation berücksichtigen.

Mehr Geld für Investitionen

Deshalb geht Bosch auch nicht davon aus, dass viele Gastronomen ihre Karten sofort geändert und die Speisen günstiger gemacht haben. Er selbst jedenfalls denkt darüber nach, beim nächsten Kartenwechsel das eine oder andere Gericht anzupassen und den günstigeren Steuersatz zu berücksichtigen. „Aber wer weiß schon, was bis dahin wieder alles an Teuerungen in anderen Bereichen kommt.“ Die dauerhafte Senkung ist aus seiner Sicht natürlich begrüßenswert. "Vielleicht sorgt das auch dafür, dass machne Gastronomen wieder mehr Investitionen tätigen, das kam bei vielen in den vergangenen Jahren sicherlich deutlich zu kurz.

Bei seinen und den Gästen seiner Kollegen jedenfalls spielten Preissenkungen nicht die große Rolle, „das hängt aber wahrscheinlich auch von der Art der Gastronomie ab“, so Bosch. „Es gibt ein gewisses Grundverständnis und wenn die Qualität der Speisen und der Service passen, ist das den Gästen auch den Preis wert.“

So sieht auch Andreas Widmann, Sternekoch und Chef von Widmanns Albleben in Zang die Situation. "Die Gastronomie ist eine besondere Branche, sie spielt auch gesellschaftlich eine Rolle, hat hier einen Stellenwert. Hier treffen sich Menschen, verbringen in paar schöne Stunden und haben soziale Kontakte", so Widmann. Die Rahmenbedingungen jedoch hätten sich in den vergangenen Jahren permanent verschlechtert. Deshalb sei die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer ein wichtiges politisches Signal, "das sicherlich auch psychologische Effekte bei den Gastonomen mit sich bringt. Ich spreche dabei ganz betont von den Familienbetrieben, von handwerklicher Gastronomie, nicht von den großen Ketten."

Angesichts der Besonderheiten in der Gastronomie bezeichnet Widmann die Diskussionen um die Mehrwertsteuersenkung als schwierig. "Es ist schade, dass die Debatte neidgetrieben ist. Wir nehmen ja niemandem etwas weg. Die vergünstigte Steuer wird auch nichts retten, aber sie verschafft den Betrieben eine gewisse Erleichterung. Wir brauchen wieder Luft zum Atmen."

Sternekoch Andreas Widmann sieht in der Steuersenkung einen wichtigen psychologischen Aspekt.Sternekoch Andreas Widmann sieht in der Steuersenkung einen wichtigen psychologischen Aspekt. Rudi Penk

Das Problem der gestiegenen Preise in der Gastronomie sieht auch Widmann. Deshalb sei bei der Kalkulation heute deutlich mehr Kreativität gefragt, "auch wir bieten im Löwen inzwischen eine Wochenkarte an." Der Zanger Gastronom geht, wie Bosch, nicht davon aus, dass nun viele Betriebe ihre Speisekarten günstiger machen, "aber es wird sicherlich beim einen oder anderen eine in diesem Jahr anstehende Preiserhöhung verschoben." In den vergangenen Jahren sei die Gewinnspanne bei den Gastronomen immer weiter geschrumpft, weil Preiserhöhungen nicht an die Gäste weitergegeben werden konnten. Auch Widmann führt zudem die Erhöhung des Mindestlohnes ins Feld, die auch in den höheren Verdienstklassen Erhöhungen mit sich gebracht hätten. "Aber wir wollen ja auch, dass es sich die Menschen noch leisten können, essen zu gehen", so der "Löwen"-Wirt. Deshalb bereite das Kalkulieren heute mehr Kopfschmerzen als früher.

Einig sind sich die beiden Gastonomen auch darin, dass bei den Gästen letztendlich das Preis-Leistungs-Verhältnis zähle. "Das aufrechtzuerhalten liegt auch weiterhin in der Verantwortung der Gastronomen. Die Politik hat jetzt eine wichtige Grundvoraussetzung geliefert", so Widmann.

Niedrigerer Satz gilt dauerhaft

Während der Corona-Pandemie war die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden, ab dem 1. Januar 2024 wurde diese zeitweise Absenkung aufgehoben. Nach jahrelangen Protesten gilt seit dem 1. Januar 2026 dauerhaft der verringerte Satz von sieben Prozent auf Speisen. Getränke müssen auch weiterhin mit 19 Prozent versteuert werden.

Für Speisen, die Gastronomen zum Mitnehmen verkauft wurden, die also nicht im Restaurant verzehrt wurden, gilt schon immer der verringerte Satz von sieben Prozent. Davon profitierten in der Vergangenheit in erster Linie Fastfood-Ketten.