Das Heidenheimer Klinikum hat eine Baustelle, die sich im Herzen des Gebäudekomplexes befindet: Haus L verbindet die im Lauf der Sanierung bereits neu entstandenen Gebäude C und K mit dem Bestandsgebäude, in dem sich der Eingangsbereich befindet. Ein Neubau mitten im Krankenhaus ist natürlich eine besondere Herausforderung, nicht nur wegen des Baulärms, der mitunter auch in den Patientenzimmern zu hören ist. Die Übergänge zum neuen Gebäude, in dem gerade der Innenausbau in vollem Gange ist, sind sorgfältig abgedichtet, die Baustelle kann nur von außen und über das Untergeschoss des Klinikums betreten werden.

Heidenheimer Klinikum baut das neue Haus L
Volker Keydell fungiert im Klinikum als Baukoordinator. Er ist damit die Schnittstelle zwischen Architekten, Planern und den späteren Nutzern. Da er selbst aus der Pflege kommt, kennt er nicht nur alle Ansprechpartner innerhalb des Klinikums, sondern hat auch eine gute Vorstellung von der späteren praktischen Nutzung des Gebäudes. 25.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen im Neubau, der im ersten Quartal 2027 bezogen werden soll. Die Einweihungsfeier ist für das vierte Quartal 2026 geplant, dann soll es auch einen Tag der offenen Tür für die Bevölkerung geben.

Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes, das sich nach oben mit Terrassen im ersten und dritten Stockwerk verjüngt, findet die Kinderstation (Pädiatrie) ihren Platz. Neu entstehen wird dabei ein stationärer Psychosomatik-Bereich für Kinder und Jugendliche, die bislang nur ambulant behandelt werden können. Das erste Stockwerk wird einen zentralen Ankunftsbereich für Patienten mit geplanten Operationen bekommen. „Dadurch werden die Stationen entlastet“, sagt Volker Keydell, denn die Patientinnen und Patienten kommen dann erst nach dem Eingriff auf die Station und müssen nicht von dort aus durchs Klinikum transportiert werden.
Drei neue Kreißsäle
Die OP-Säle befinden sich nicht im neuen Haus L, aber im direkten Anschluss daran in Haus K. Dieses entstand im zweiten Bauabschnitt und wurde 2021 fertiggestellt. Mit der Inbetriebnahme von Haus L, das zum Bauabschnitt 3A gehört, fügen sich die Puzzleteile der einzelnen Bauabschnitte der Kliniksanierung ineinander. Dies zeigt sich auch auf Ebene 3 des neuen Gebäudes: Hier entstehen drei neue, moderne Kreißsäle, die sich baulich an die Wöchnerinnen-Station im bestehenden Haus K anschließen.

Im zweiten Stockwerk wird die Akutgeriatrie mit 30 Betten Platz finden, darüber hinaus sind 16 Betten für die Unfallchirurgie und 15 Betten für die Gastroenterologie eingeplant. Im obersten vierten Stockwerk wird die Wahlleistungsstation untergebracht. „Dort gibt es dieselbe medizinische Versorgung wie sonst im Klinikum, aber ein hochwertigeres Umfeld mit mehr Komfort“, erläutert Keydell das Konzept.

Neben den Terrassen lockern auch Lichthöfe das Gebäude auf. Eine Photovoltaik-Anlage soll 250.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Insgesamt sind fast 70 Gewerke derzeit im Neubau tätig, wobei oft 25 bis 30 Firmen gleichzeitig vor Ort arbeiten, schätzt Keydell. Im Frühjahr wird mit den Arbeiten an den Außenanlagen begonnen, wobei vor dem Gebäude auch 120 zusätzliche Parkplätze, vor allem für die Besucher der Pädiatrie, entstehen sollen.

Sobald das Haus L eröffnet wird, ändern sich innerhalb des Klinikums auch noch einmal die Wege. Damit sich Patienten und Besucher danach zurechtfinden, soll es neben der herkömmlichen Beschilderung auch einen digitalen Wegweiser geben: „Über einen QR-Code kommt man zu einer internen Navigation“, erläutert Volker Keydell. Er selbst wird diese vermutlich nicht benötigen, denn bis dahin hat er alle Räume und Flure im neuen Gebäude schon viele Male beschritten.
Jahrzehnte währendes Sanierungsprogramm
Das Klinikum auf dem Heidenheimer Schlossberg wurde Anfang der 1970er-Jahre erbaut. Da die Gebäude sanierungsbedürftig waren, aber auch der Zuschnitt für einen modernen Klinikbetrieb nicht mehr ideal war, startete 2009 ein umfangreiches Sanierungs- und Neubau-Programm, das zuvor schon viele Jahre lang geplant worden war.
Zunächst wurde für 43 Millionen Euro das Bettenhaus C gebaut. Im zweiten Bauabschnitt entstand das Haus K, das 2021 eingeweiht wurde. Von den 76 Millionen Euro an Baukosten übernahm das Land rund die Hälfte. Aktuell befindet sich die Kliniksanierung im Bauabschnitt 3A. Es entsteht das Haus L, das größte neue Gebäude in der Gesamtplanung.
Die geplanten Baukosten für diesen Bauabschnitt belaufen sich auf 138,5 Millionen Euro, davon übernimmt das Land einen Betrag in Höhe von 78 Millionen Euro. Laut Aussage von Geschäftsführer Dr. Dennis Göbel im Kreistag liegt man aktuell auch innerhalb des geplanten Kostenrahmens.

