Hauptschule, Realschule, Gymnasium? Beim Übertritt auf die weiterführende Schule hat das Land Baden-Württemberg im vergangenen Schuljahr neue Weichen gestellt. Das Übertrittsverfahren wurde verändert und (zumindest für den Übertritt aufs Gymnasium) kam die verbindliche Grundschulempfehlung zurück.
Alle Viertklässler müssen seitdem einen landesweit einheitlichen Test schreiben, den sogenannten Kompass 4. Geprüft werden Kenntnisse in Deutsch und Mathematik. Die Ergebnisse sowie Elternwille und Lehrereinschätzung führen letztlich zur Grundschulempfehlung. Zwei der drei Säulen müssen übereinstimmen, damit das Kind den Weg ans Gymnasium antreten kann. Als letzte Instanz kann ein Potenzialtest bei Gelingen die Türen zum gymnasialen Bildungsweg öffnen.
„Kompass 4“ wurde letztes Jahr vor allem inhaltlich kritisiert
Im vergangenen Schuljahr hatte der Kompass 4 für ordentlich Furore gesorgt. Die einen konnten sich mit dem Instrument arrangieren, andere begrüßten es sogar und wieder andere übten Kritik. Der Test sei „zu viel Stress für die Kinder“, habe „zu wenig Aussagekraft“, argumentierten Gewerkschaften und Eltern etwa. Nicht selten wurde der Kompass als „Grundschul-Abi“ angeprangert.
Letztlich lieferten auch die Ergebnisse Diskussionsstoff: Der neue Test brachte vor allem in Mathematik durchwachsene Ergebnisse, oft auch ziemlich konträr zur Lehrersicht. Zu anspruchsvoll seien die Aufgaben gewesen, hieß es. Und: Die Schüler hätten zu wenig Zeit gehabt. Bleibt die Frage: Wie lief es in diesem Schuljahr?
Von der Bergschule Heidenheim heißt es: „Der Kompass 4 in diesem Schuljahr entsprach sowohl bezüglich der Aufgabenformate und des Anforderungsniveaus als auch bezüglich der zur Verfügung stehenden Bearbeitungszeit stärker dem tatsächlichen Leistungsniveau der Kinder.“ Auch die Ergebnisse deckten sich in diesem Schuljahr eher mit den Einschätzungen durch die Lehrkräfte als im Schuljahr zuvor.
Nadine Nodes, Konrektorin an der Georg-Elser-Schule in Königsbronn, sagt: „Der Kompass war in diesem Jahr vom Leistungsgrad und von der Angemessenheit her viel passender.“ Auch die Ergebnisse des Kompass deckten sich im Großen und Ganzen mit der Lehrereinschätzung. „Wir können dieses Jahr mit dem Kompass wirklich zufrieden sein“, so Nodes. Man dürfe nicht vergessen, dass das Verfahren für alle neu war im vergangenen Jahr.
Auch Heidrun Abele, Schulleiterin der Egauschule Dischingen, bestätigt: „Laut den betreffenden Lehrkräften wurde der Kompass angepasst und die Ergebnisse sind insgesamt stimmig und entsprechen weitgehend den Einschätzungen der Lehrkräfte.“ Die vorgenommenen Anpassungen hätten sich spürbar bemerkbar gemacht.
Und Roland Zeitler, Schulleiter der Grund- und Realschule Sontheim, beobachtet: „Der Kompass 4 läuft in diesem Jahr sehr ruhig. Aufregungen darüber vonseiten der Eltern habe ich nicht rückgemeldet bekommen. Die Informationen zur Durchführung kamen dieses Jahr wesentlich früher, sodass er gut machbar war.“ Was die Ergebnisse betrifft, so gebe es keine nennenswerten Differenzen zwischen den Noten und den Ergebnissen aus dem Kompass.
Ein Viertel auf Gymnasialniveau: Das zeigen die landesweiten Zahlen
Beim Kultusministerium sind die landesweiten Ergebnisse des Kompass einzusehen. Demnach erreichten 32 Prozent der Schülerinnen und Schüler das grundlegende Niveau, 43 Prozent sind im mittleren Niveau und 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler können laut Kompass im erweiterten Niveau lernen.
Der Test wurde in diesem Jahr insbesondere im Bereich Mathematik angepasst. Dies war nach der Kritik im vergangenen Jahr auch so angekündigt worden. Das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) hat die Schulen zudem um Rückmeldungen zu den Anpassungen gebeten, heißt es seitens des Kultusministeriums.
Offenbar überwiegen positive Rückmeldungen in diesem Jahr
Das landesweite Echo scheint eindeutig: „Der weit überwiegende Teil der Schulen hat dabei rückgemeldet, dass Lehrkräfte mit dem Test zufrieden waren und sowohl Testzeit als auch das Anforderungsniveau angemessen fanden. Die Testaufgaben seien verständlich gewesen und die Ergebnisse würden sich mit den Einschätzungen der Lehrkräfte decken“, so das Kultusministerium. Bezüglich der Stimmung sei zudem in der Tendenz weniger Aufregung rückgemeldet worden als im vergangenen Jahr.

