Mehr Platz im Dock 33

Weshalb das Heidenheimer Gründerzentrum ausgebaut werden soll

Start-ups finden im Heidenheimer Gründerzentrum Dock 33 Unterstützung. Jetzt soll die Einrichtung erweitert werden. Das sind die Gründe.

Wer sich mit einer Geschäftsidee selbstständig machen möchte, ist in der Anfangsphase oftmals auf finanzielle Hilfe angewiesen. Denn während sich bei den meisten Jungunternehmern auf der Einnahmenseite zunächst noch wenig Bewegung ablesen lässt, wollen die Ausgaben für Personal, Büro- und Produktionsflächen getragen werden. Unterstützung bietet die Stadt Heidenheim in solchen Fällen im Dock 33. Der Gemeinderat hat jetzt dessen Erweiterung beschlossen.

Nachdem die Stadt mit öffentlicher Förderung mehrere Gebäude auf dem früheren WCM-Gelände zwischen Nördlinger Straße und Brenzpark umgebaut hatte, wurde dort im Oktober 2019 ein Co-Working-Space eröffnet. Zu verstehen ist darunter eine Einrichtung, die vorwiegend Unternehmensgründern und Freiberuflern die Möglichkeit bietet, als kostengünstige Alternative zu eigenen Büros flexibel nutzbare Arbeitsplätze samt umfassender Infrastruktur anzumieten. Gleichzeitig soll der Aufbau von Kontakten und Netzwerken gefördert werden.

Gemeinderat stimmt zu

Das Dock 33 ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Heidenheim. Diese sieht darin die zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer sowie für kreative Köpfe aus der Region. Erklärtes Ziel ist es, neue Unternehmensgründungen zu fördern, Innovationen voranzutreiben und die Zusammenarbeit in der Region weiter zu intensivieren. „In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist dies ein wichtiger Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und dadurch zur Standortsicherung.“ So steht es in der Vorlage für einen Beschluss, den der Gemeinderat unlängst bei 27 Ja- und sechs Neinstimmen sowie einer Enthaltung gefasst hat.

Das Gremium segnete mit seiner Entscheidung das Ansinnen des Rathauses ab, das Dock 33 zu erweitern. Für den Umbau sind 878.000 Euro veranschlagt. Die Verwaltung rechnet mit einer Förderung in Höhe von 702.400 Euro aus dem Programm „Stärkung Regionaler Innovationssysteme“ des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums, während der Eigenanteil bei 175.600 Euro liegen soll. Mit dem Gemeinderatsvotum ist eine formale Voraussetzung für die Antragstellung erfüllt, nun heißt es warten auf den Förderbescheid.

20 Unternehmen in Miete

Johannes Schenck, Dock-33-Geschäftsführer und bei der Stadtverwaltung zuständig für Wirtschaftsförderung und Tourismus, begründete vor den Ratsmitgliedern die aus seiner Sicht bestehende Notwendigkeit, die vorhandenen Kapazitäten zu vergrößern. Derzeit seien 20 Unternehmen im Dock 33 eingemietet. 23 Personen teilten sich dort regelmäßig zwölf Arbeitsplätze.

Und der Bedarf wachse – nicht nur in quantitativer, sondern auch in qualitativer Hinsicht. So gebe es beispielsweise den Wunsch nach Einzelbüros, um vertrauliche Aufträge bearbeiten und diskret Gespräche führen zu können. Der Zuschnitt der Räumlichkeiten setzt in dieser Hinsicht bislang Grenzen.

Im Bereich der Verkehrs- und Logistikberufe gab es sowohl die meisten Arbeitslosen als auch die meisten freien Arbeitsplätze.

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Gelegenheit, daran grundsätzlich etwas zu verändern, bietet der Umzug der bislang im ersten Obergeschoss des Gebäudes untergebrachten Zukunftsakademie in den wenige Meter entfernten Neubau der Dualen Hochschule.

Die dadurch freigewordenen 700 Quadratmeter sollen in Zukunft zu zwei Dritteln als Büro- und als tageweise zu mietende Besprechungsräume dienen. Vorgesehen ist außerdem, einen Workshop- und Seminarraum zu schaffen, in dem auch größere Veranstaltungen stattfinden können. Schenck betonte, dass sich die Pläne nur mit einer hohen Fördersumme umsetzen ließen. Andernfalls müsse nach einer kostengünstigen Alternative für den Umbau gesucht werden. Er sieht in dem Vorhaben „eine Investition in die Firmen von morgen“ und erwartet, dass die zusätzlichen Flächen für neue Nutzergruppen höhere Einnahmen mit sich bringen werden.

Im Geschäftsjahr 2024 standen 161.300 Euro an Aufwendungen Erträgen von 86.800 Euro gegenüber. Daraus ergab sich ein Fehlbetrag für das Dock 33 in Höhe von 74.500 Euro.

Hoffnung auf Profitabilität

Während Oberbürgermeister Michael Salomo das Dock 33 als Erfolgsgeschichte lobte, sprach Dr. Waltraud Bretzger (CDU) vom „Status der Liebhaberei“. Gleichwohl signalisierte sie Zustimmung, da die Einrichtung zukunftsweisend sei und die Hoffnung bestehe, „dass die unterstützten Start-ups irgendwann profitabel sind“.

Ähnlich äußerte sich Ralf Willuth (Freie Wähler): Die Zwischenlösung im ersten Stock des Dock 33 sei wichtig, solange der Schritt auf den freien Markt noch zu groß erscheine. Am Ende werde die Anschubhilfe hoffentlich dazu führen, „dass diese Firmen in Heidenheim bleiben und hier ihre Steuern zahlen“.

Wer hat Anspruch auf Unterstützung?

Vergleichsweise vage antwortete Johannes Schenck auf die Frage von Thomas Potzner (Freie Wähler), wie viele Firmen es mithilfe des Dock 33 bislang in die Eigenständigkeit geschafft hätten: Zwischen fünf und acht seien es, so der Wirtschaftsförderer, die jetzt mehrere Mitarbeiter beschäftigten. Dass auch ein Unternehmen mit zwölf Angestellten von einer subventionierten Miete profitiere, wollte Fabian Rieck (Freie Wähler) nicht gefallen: „Das ist für mich kein Start-up mehr.“ Schenck gab zu bedenken: „Darunter sind auch Teilzeitbeschäftigte und Mütter, deshalb ist ein Auszug noch nicht machbar.“

Mitmach-Aktion zur Landtagswahl

Am 8. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Im Landkreis Heidenheim haben dann mehr als 90.000 Menschen das Recht, zur Wahlurne zu gehen. Während der Mitmach-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ sammelt die Heidenheimer Zeitung Fragen der Bürgerinnen und Bürger an die Kandidierenden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können bis Ende Januar aus zehn Themenfeldern bis zu drei auswählen und dazu Fragen formulieren, mit denen wir die Kandidierenden konfrontieren werden.

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