Aus dem Archiv der Heidenheimer Zeitung

Welche Heidenheimer Unterführung im Januar 1966 ganz oben auf der Tagesordnung steht

Bahnübergänge sorgen vor 60 Jahren im Heidenheimer Stadtgebiet regelmäßig für lange Staus. Im Januar 1966 gilt das Augenmerk deshalb zwei Unterführungen.

60 Pfennig für eine Portion Ackersalat. Eine Mark für ein Pfund Tafeltrauben. Und sogar 2,30 Mark für ein Stück Meerrettich - wer Anfang Januar 1966 über den Heidenheimer Wochenmarkt geht, kommt angesichts der aktuellen Preise gehörig ins Schwitzen. Sie sind eine Folge der winterlichen Bedingungen: Es ist dermaßen kalt, dass die Rote vom Grill ohne Senf verkauft werden muss. Der ist nämlich im Glas gefroren. Die Heidenheimer Zeitung spricht von Eiszapfenwetter.

Die Schlittschuhläufer kommen angesichts der anhaltenden Minustemperaturen wenigstens auf ihre Kosten. Allerdings nicht wie im vorangegangenen Jahr auf dem eigens dafür präparierten Parkplatz vor der Karl-Rau-Halle. Weil es dort laufend Schwierigkeiten gegeben habe, verzichte die Stadtverwaltung dieses Mal darauf, die Fläche erneut vorzubereiten, verlautet aus dem Rathaus.

Ski und Rodel bedingt gut: Im Januar 1966 sind die Temperaturen im Keller, aber es fällt relativ wenig Schnee. Archiv

Bürgermeister Emil Ortlieb sagt aber zu, den zugefrorenen Eisweiher der Brauerei Neff unweit der WCM freizukehren, damit die Wintersportler gute Bedingungen vorfinden. Gemeinsam mit Vertretern des städtischen Schulamts wagt er sich persönlich auf den glatten Untergrund, um sich ein Bild von den Begebenheiten zu machen.

Schnee fällt zunächst nur wenig. Dennoch fiebern die Skifahrer auf der Ostalb der Wettkampfsaison entgegen. Der TSB Heidenheim ist Ausrichter eines Städtepokalrennens, das am Volkmarsberg bei Oberkochen stattfindet. Und in Gerstetten reicht die Schneedecke für mehrere Skikurse auf dem Gelände bei den Eichen aus.

Mehr als 20 Meter hoch und ganz aus Stahl: die neue Herwartschanze in Königsbronn. Archiv

Noch etwas Zeit bis zu ihrer offiziellen Einweihung Anfang März bleibt der neuen Herwartschanze in Königsbronn. Sie ersetzt das wegen Baufälligkeit abgerissene Vorgängermodell. Um die 75.000 Mark teure Stahlkonstruktion mit ihrem 22 Meter hohen Turm errichten und den Auslauf wie gewünscht modellieren zu können, müssen 10.000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Bis zu 5000 Zuschauer verfolgen künftig die Wettbewerbe. Mangelt es an Schnee für den Anlauf, so lässt sich dieser über eine neue Zufahrt von der Waldsiedlung aus herbeischaffen.

Verkehrliche Angelegenheiten weitaus komplexerer Art werden derweil in Heidenheim erörtert. Der zuständige Ausschuss des Gemeinderats hat die Frage zu beantworten, wie sich die Oststadt besser an den Stadtkern anbinden lässt, solange es die geplante Feuchtinger’sche Unterführung und die ebenfalls schon ins Auge gefasste Querspange bei der WCM noch nicht gibt.

Wo später die Feuchtinger’sche Unterführung entstehen soll, passieren 1966 noch Dampfloks den Bahnübergang an der Brenzstraße in Heidenheim. Archiv

Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag, den Oberbürgermeister Elmar Doch schon vor der Entscheidung der zuständigen Ortspolizeibehörde trotz grundsätzlicher Bedenken als praktikabel bezeichnet: Die Bahnunterführung bei der Firma Piltz wird von Ost nach West für den motorisierten Verkehr geöffnet, diejenige bei der Alt-Ulmer-Straße in entgegengesetzter Richtung.

Ist die künftige Verkehrsführung noch Zukunftsmusik, gibt es bereits kurz nach Beginn des Jahres 1966 wichtige kommunalpolitische Entscheidungen zu verkünden: Am 23. Januar werden in 13 Kreisgemeinden die Bürgermeister in ihren Ämtern bestätigt. Lediglich zwei Orte tanzen aus der Reihe. In Stetten ob Lontal liegen nach Auszählung der Stimmen der stellvertretende Bürgermeister Josef Schendelbeck und Gemeindepfleger Heribert Mack gleichauf, sodass nochmals gewählt werden muss. Und in Nattheim löst der gebürtige Heidenheimer Walter Henle Amtsinhaber Wilhelm Manz ab.

Ohne Kandidatur gewählt

Kurios: Henle bewirbt sich gar nicht um den Chefposten im Rathaus. Erst zwei Tage vor der Wahl erklärt er sich auf Drängen mehrerer Nattheimer Bürger bereit, das Amt im Falle seines Erfolges anzunehmen. So kommt es dann tatsächlich. Henle muss jetzt den Menschen in Reichenbach im Täle erklären, dass es sich bei der Nachricht, die sie unvorbereitet der Zeitung entnehmen, um keine Ente handelt. Seit 1962 ist Henle in der kleinen Gemeinde im Kreis Göppingen Bürgermeister.

Ansonsten nehmen die Dinge weitgehend ihren gewohnten Lauf. Der Schlussverkauf steht an, und weil der Winter nicht so richtig in die Gänge kommen will, versprechen die Händler eine besonders große Auswahl und Preisnachlässe von bis zu 80 Prozent. Die HZ prophezeit, mancher Arbeitsplatz werde zum Auftakt der Rabattschlacht nicht besetzt sein: „Viele berufstätige Frauen machen einen halben Tag Urlaub, um möglichst als erste in den Besitz besonderer Schlager zu kommen.“

Blick Richtung Hauptstraße: Heidenheim schmückt sich 1965 für die Vorweihnachtszeit.

Weshalb Heidenheims Oberbürgermeister Elmar Doch im Dezember 1965 einen Strafzettel erhält

Dezember 1965. Auch in Heidenheim bereiten sich die Menschen auf Weihnachten vor. Oberbürgermeister Elmar Doch bekommt kurz vor den Feiertagen einen Strafzettel. Das ist der Grund.
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Heidenheim
Aus dem Archiv der Heidenheimer Zeitung

Offenkundig an Bewährtem orientiert haben sich die Eltern im vorangegangenen Jahr bei der Namenswahl für ihre Sprösslinge. In Giengen behaupten zum wiederholten Mal in Folge Thomas und Sabine den Spitzenplatz auf der Liste des Standesamts. Weniger hoch im Kurs stehen hingegen traditionelle Namen wie Walburga und Randolf.

Nichts bleibt eben auf ewig so, wie es einmal war. Das gilt auch für die Öffnungszeiten der Geschäfte in Stadt und Kreis Heidenheim. „Ein jeder Zweig des Einzelhandels versucht recht und schlecht, mit der seit 1. Januar obligatorisch gewordenen 42,5-Stunden-Woche fertig zu werden“, ist in der HZ zu lesen. Wie also am besten reagieren auf die kürzere Arbeitszeit des Verkaufspersonals? Manche Ladenbetreiber entscheiden sich spontan, mittwochnachmittags die Türen geschlossen zu lassen. Paul Schuster, der Vorsitzende der Handels- und Gewerbeverbände, zeigt sich unterdessen wenig zuversichtlich, dass eine einheitliche Lösung gefunden werden kann: „Jeder muss versuchen, mit den neuen Zeiten selber fertig zu werden.“

Federnde Nadelbäume

Routiniert von der Hand geht hingegen das Entsorgen der ausgedienten Weihnachtsbäume. Allerdings nicht in Stuttgart. Von den dortigen Sammelstellen sollen die Bäume ins neue, 46 Millionen Mark teure Müllverbrennungswerk in Münster transportiert und dann verfeuert werden. Theoretisch. Die hochmoderne Anlage sträubt sich jedoch überraschenderweise und spuckt die Tannen unzerkleinert wieder aus, weil sie in der Presse federn. Nun sollen sie auf einem Platz im Palmenwald bei Hedelfingen verbrannt werden. Den aber schließt das Gesundheitsamt nach Anwohnerbeschwerden. Ausgang offen.

Warum ausgerechnet 60 Jahre zurück?

Im Dezember 2008 war der Lokschuppen Schauplatz eines Festabends, bei dem eine seit 60 Jahren bestehende freie und unabhängige Presse in Heidenheim im Mittelpunkt stand. Damals mischten sich Aus- und Rückblicke. Unter anderem wurde die Idee geboren, regelmäßig in Erinnerung zu rufen, worüber die HZ jeweils 60 Jahre zuvor berichtet hatte. Die Serie startete mit der Rückschau auf 1949. Mittlerweile gilt das Augenmerk dem Jahr 1966.