Neue Konzeption

Mit einer Zukunftswerkstatt: Was sich im Heidenheimer Bürgerhaus ändern soll

Mit einer neuen Konzeption will die Heidenheimer Stadtverwaltung frischen Wind in das historische Bürgerhaus bringen. Was sich ändern soll.

Heidenheim ist nicht überreich an historischer Bausubstanz, die ihr Alter selbstbewusst nach außen tragen kann. Das Bürgerhaus in der Hinteren Gasse tut genau das und soll bald auch inhaltlich stärker dem Anspruch genügen, Bedeutung für einen großen Teil der Heidenheimerinnen und Heidenheimer zu haben. Einer mit dieser Zielsetzung erarbeiteten Konzeption der Stadtverwaltung hat der Gemeinderat jetzt zugestimmt.

Als das Bürgerhaus eingeweiht wurde, schrieb man das Jahr 1688. Verwendet wurde es im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte auf vielfältige Art und Weise. Ursprünglich diente es als Stadtschreiberei, später war es Schule und Eichamt, woran der von vielen bis heute verwendete Name Altes Eichamt erinnert. Seit 1980 nutzen überwiegend Seniorinnen und Senioren das Gebäude für ihr bürgerschaftliches Engagement.

Stadt Heidenheim bleibt Trägerin

Hatte es bis 2012 unter wechselnder Trägerschaft gestanden, so liegt diese seither wieder bei der Stadt. Das solle weiterhin so bleiben, erläuterte Brigitte Weber, im Rathaus Leiterin des Geschäftsbereichs Demografie und Gesellschaft, dem Gemeinderat. Als erforderlich bezeichnete sie allerdings eine Neubelebung: „In dem Haus ist keine Dynamik mehr erkennbar.“

Klar formuliertes Ziel ist deshalb die Öffnung für alle Altersgruppen, die es interessierten Menschen ermöglicht, sich mit ihren Ideen einzubringen. Mit dem nun vorliegenden Regelwerk – Titel: „Wir leben Beteiligung“ – reagiert die Verwaltung auf einen ihrer Einschätzung nach möglichen Konflikt: Ein Bürgerhaus hänge immer vom Engagement von Menschen ab, die sich über viele Jahre aktiv beteiligten, so der Wortlaut der den Stadträtinnen und Stadträten vorliegenden Beschlussvorlage. Allerdings entstünden liebgewonnene Gewohnheiten, mit denen „eine gewisse Geschlossenheit und in der Folge zunehmender Stillstand“ einhergehe. Eine gemeinschaftlich getragene Verständigung auf Ziele und deren Umsetzung könnten vor diesem Hintergrund eine Weiterentwicklung anstoßen.

15.000 Personen besuchten das Bürgerhaus 2023

21 Vereine und Gruppen nutzen derzeit die 15 Räume des Bürgerhauses. Die Palette reicht von Integrationskursen der Arbeiterwohlfahrt, „Omas gegen Rechts“ und Lach-Yoga bis zu Angeboten des Schwäbischen Albvereins, der Friedensgruppe, der Volkshochschule, der Stadtteilarbeit Innenstadt und des Stadtseniorenrats. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 15.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt.

Nach einem mehrmonatigen Beratungsprozess, an dem sich neben seitherigen Nutzern des Bürgerhauses auch Vertreter der Gemeinderatsfraktionen und weitere Interessierte beteiligten, ist nun nachzulesen, wie sich die Dinge entwickeln sollen. Auf einen kurzen Nenner gebracht, soll künftig Folgendes gelten: Das Bürgerhaus steht allen Altersgruppen und sowohl den Bewohnern der Stadt Heidenheim als auch des gesamten Landkreises offen. Das Augenmerk gilt sowohl der Kontinuität als auch flexiblen und neuartigen Nutzungen. Die Weiterentwicklung bürgerschaftlichen Engagements wird gewährleistet durch die Kooperation zwischen der Stadt und einem zivilgesellschaftlichen Partner. Als wünschenswert bezeichnete es Weber, dass der Stadtseniorenrat diese Rolle übernimmt – zumindest, solange es noch keinen Förderverein Bürgerhaus gibt.

Zukunftswerkstatt soll neue Ideen bringen

Die Partner organisieren gemeinsam eine sogenannte Zukunftswerkstatt. Sie soll Themen aus Reihen der Bürgerschaft eine Stimme geben, die möglicherweise regelmäßig in „Zukunft-AGs“ münden. Nach einem Jahr und anschließend dann in Fünf-Jahres-Schritten wird die Konzeption überprüft.

Noch in diesem Jahr stehen verschiedene Umbau- und Renovierungsmaßnahmen an. Dafür sind 20.000 Euro vorgesehen. Auf 15.000 Euro taxiert die Verwaltung die Kosten der für 2025 geplanten Vorhaben, wie beispielsweise ein elektronisches Schließsystem und öffentliches W-LAN. 2026 folgen nochmals Sanierungen, die die Barrierefreiheit, die Toiletten und die Fassade betreffen. Zusätzliche Personalkosten sollen nicht entstehen. Die Mitglieder des Gemeinderats stimmten der neuen Konzeption ohne Aussprache geschlossen zu.

Nicht mehr komplett kostenfrei

Die neue Konzeption des Bürgerhauses sieht bei Angeboten des bürgerschaftlichen Engagements durch Einzelpersonen oder Gruppen eine kostenlose Nutzung der Räume vor. Gebühren werden hingegen künftig von Unternehmen und Gewerbetreibenden erhoben. Reduzierte Kostensätze gelten für Vereine, Verbände, Freie Träger, Parteien, sonstige förderungswürdige Institutionen sowie städtische Ämter und Einrichtungen. Außerdem können bei Veranstaltungen, die der Gemeinwohlorientierung entsprechen, die Kosten auf Antrag erlassen werden.

Bislang sind keine Gebühren zu entrichten. Lediglich das DRK bezahlt für Hausmeisterleistungen im Zusammenhang mit der Seniorengymnastik, und die Verbraucherzentrale entrichtet Nebenkosten. Im Jahr 2023 beliefen sich die Gesamteinnahmen auf 1.300 Euro.

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