Von Israel bis nach Australien

Was internationale Fechter an den Heidenheimer Fechtertagen besonders reizt

Für wenige Tage wird Heidenheim zum Treffpunkt der Weltelite: Auch in diesem jahr werden geschätzt zwischen 360 und 380 Athleten aus aller Welt nach Heidenheim kommen, um bei den Fechtertagen teilzunehmen. Was sie von der Stadt an der Brenz halten:

In den Hallen des Heidenheimer Fechtzentrums vermischen sich derzeit Sprachen, Akzente und Kulturen, während sich Athleten aus aller Welt ihren Weg nach Heidenheim bahnen. Japan neben Israel, Australien neben der Ukraine, Italien neben Kasachstan – was sonst nur auf Flughäfen oder bei Weltmeisterschaften zu beobachten ist, entsteht nun mitten in Heidenheim. Ab Donnerstag wird die Bibrishalle in Herbrechtingen zum Schauplatz der Heidenheimer Fechtertage. Fechttrainer Ferenc Tóth erzählt, dass an einem Trainingstag sogar 69 Fechter aus aller Welt und sechs aus Heidenheim zusammengekommen seien: „Ich bin stolz“, betont der Coach.

Trotz aller organisatorischer Aufgaben wollte Thomas Zimmermann auch immer wieder auf die Planche und weiht bis heute den Nachwuchs in die Feinheiten des Fechtsports ein.

Der Rekordmann: Thomas Zimmermann blickt auf 43 Jahre als Trainer der Heidenheimer Fechter zurück

Da darf selbst ein Frank Schmidt staunen – seit unglaublichen 43 Jahren betreut Thomas Zimmermann die HSB-Fechter. Sehr viele Erfolge und auch zahlreiche Veränderungen hat er in dieser Zeit erlebt, mit Sportgrößen wie Ralf Bißdorf, Anja Fichtel oder Arnd Schmitt gearbeitet. Nun steht der 65-Jährige vor seinen letzten Fechtertagen als Cheftrainer. Welche Zufälle ihn einst nach Heidenheim brachten und was in diesen 43 Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist.
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Heidenheim
Vor seinen letzten Fechtertagen

Teilnehmende aus aller Welt

Und das nicht ohne Grund: Aus der ganzen Welt reisen Teilnehmende an. Für die Vorbereitung auf die Fechtertage kamen zwei Athleten aus Singapur, aus Hongkong acht, aus Kasachstan zwölf, aus Finnland fünf, aus Dänemark drei und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten einer. Hinzu kommen die Teams aus der Türkei mit einem Starter, von den Philippinen mit einem, aus Mauritius mit einem, aus Bulgarien drei, aus Österreich vier, aus Belgien zwei sowie aus Usbekistan acht und aus Estland drei. Ergänzt wird dieses internationale Feld durch die Länder der interviewten Spitzenathleten: Israel mit neun Fechtern, Australien mit fünf, die Ukraine mit neun und Japan mit zehn. Schließlich auch Deutschland mit 14 Startern.

Gerry Adams aus Australien kommt bereits seit 1990 immer wieder nach Heidenheim zum Fechten. Foto: Jana Durner

Gerry Adams aus Australien kommt bereits seit 1990 immer wieder nach Heidenheim. Der früher selbst international erfolgreiche Fechter ist heute Trainer des australischen Teams, das mit fünf Startern angereist ist. Er betont, wie sehr er das Heidenheimer Fechtzentrum schätzt: Zwar gebe es in Australien ebenfalls Anlagen, doch keine sei vergleichbar mit dem, was Heidenheim zu bieten hat. Aus dem hochsommerlichen Melbourne kommend, wo aktuell rund 45 Grad herrschen, empfindet er die Temperaturen in Heidenheim zwar als kalt, sagt aber lachend: „Snow is much better than rain“ – Schnee ist besser als Regen. Kaum ist das Turnier vorbei, reist er weiter nach China. Für ihn ist dies seine Urlaubszeit – eine Zeit, die aus Wettkämpfen auf mehreren Kontinenten besteht.

Haly Alessandro Bartoli aus Italien ist der neue Nachwuchs-Bundestrainer Herrendegen. Foto: Jana Durner

Alessandro Bartoli aus Italien ist der neue Bundestrainer Nachwuchs im Herrendegen am Bundesstützpunkt Leipzig und zum ersten Mal in Heidenheim dabei. Bartoli zeigt sich beeindruckt von der Professionalität vor Ort: „Die erste Sache, die mir aufgefallen ist, ist die Qualität.“ Grundsätzlich betreut er den Bundeskader sowie den Kader des Nationalteams, die meist zwischen 20 und 26 Personen umfassen. Für ihn ist die Umgebung in Heidenheim etwas Besonderes: „Es ist sehr selten, eine solche Trainingsumgebung zu finden.“

Besonders schätzt Bartoli die Struktur des Fechtzentrums: Mit rund 29 Bahnen bietet es viel Platz und optimale Bedingungen für intensives Training. Eigentlich würde er die Stadt gern auch touristisch entdecken, doch der straffe Zeitplan lässt dafür keinen Raum: „Als Deutschlandtrainer würde ich gern Zeit für Tourismus haben.“

Training trotz Krisenzeiten

Yuval Freilich (links) und Fedor Khaperskiy aus Israel finden Heidenheim eine gute Möglichkeit, mit anderen Ländern in Kontakt zu kommen. Foto: Jana Durner

Aus Israel sind neun Athleten angereist, darunter der 31-jährige Yuval Freilich, Europameister 2019 im Einzelfechten und Grand-Prix-Sieger 2024 im Degenfechten. 13-mal war er bereits in Heidenheim – gewonnen hat er hier aber noch nie, sagt er. Die Stadt gefällt ihm, auch wenn er ergänzt: „Es ist halt nicht Paris.“ Für ihn ist Heidenheim das beste Trainingscamp der Saison: so viele Gegner, so viele Stile und Optionen.

Sein Teamkollege Fedor Khaperskiy ist zum dritten oder vierten Mal hier. Für ihn bedeutet der Aufenthalt mehr als nur sportliche Vorbereitung: Seit dem Ausbruch des Krieges 2023 gibt es in Israel keine internationalen Trainingscamps mehr. Heidenheim wird dadurch zu einem der wenigen Orte, an denen er wieder mit Athleten anderer Nationen trainieren kann. Die Ruhe und die besondere Atmosphäre schätzt er besonders.

Ein Event, das verbindet

Unter den zehn Athleten, die aus Japan angereist sind, befindet sich auch Masaru Yamada, der bereits neun- oder zehnmal in Heidenheim war. 2016 wurde er mit dem Team Asienmeister, 2019 Einzel-Asienmeister und 2021 Team-Olympiasieger. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio gewann er mit dem japanischen Team Gold im Herren-Degen – es war Japans erste Olympische Mannschaftsgoldmedaille im Fechten.

Trotz dieser großen Erfolge schätzt Yamada besonders das Training vor dem Wettkampf in Heidenheim und die Möglichkeit, gegen Athleten aus verschiedenen Ländern anzutreten. „Ich habe hier immer eine gute Zeit“, sagt er. Zusammen mit seinen Teamkollegen genießt er auch das Heidenheimer Schloss und die Sauna im Fechtzentrum. „Wir sehen nicht so oft Schnee“, ergänzt er lachend – umso mehr lieben sie es hier.

Yamada Masaru aus Japan liebt den Schnee in Heidenheim, den er sonst selten sieht. Foto: Jana Durner

Der Ukrainer Roman Svichkar ist festes Mitglied der Nationalmannschaft seit 2017 und gewann 2018 die Bronzemedaille bei der Fechtweltmeisterschaft. Er kommt seit Jahren nach Heidenheim. Gemeinsam mit neun Teamkollegen ist er in diesem Jahr angereist. „Ich mag es hier“, sagt er schlicht. Er schätzt den Austausch mit anderen Nationen, das Wiedersehen mit Freunden – und sogar die Preise im Supermarkt. Da in der Ukraine wegen des Krieges keine internationalen Camps mehr stattfinden, ist Heidenheim für ihn ein unverzichtbarer Trainingsort geworden. Selbst das deutsche Pfandsystem begeistert ihn: „Ich will das für alle europäischen Länder.“

Zeitplan der Heidenheimer Fechtertage

Bei den 72. Heidenheimer Fechtertagen kreuzen vom 5. bis zum 7. Februar wieder die besten Degenfechter aus aller Welt im Brenztal die Klingen. Wegen der Renovierung der Karl-Rau-Halle wird das große Sportspektakel des Heidenheimer Sportbundes nochmals in der Herbrechtinger Bibrishalle ausgetragen.

Los geht es am Donnerstag um 8 Uhr mit den Vorrunden des Weltcupturniers um den Heidenheimer Pokal. Dabei ist wieder alles am Start, was im Herrendegensport Rang und Namen hat. Beim Gastgeber HSB freut man sich, mit Matthew Bülau, Horant Kummer und Rudi Hummel drei Fechter ins Rennen schicken zu können.

Am Freitag ab 9 Uhr wird der Heidenheimer Pokal mit der Runde der besten 64 fortgesetzt, das Finale der letzten vier Fechter ist ab 17 Uhr in der Bibrishalle zu sehen.

Am Samstag geht es dann von 8 Uhr an mit dem Mannschaftsweltcup (Voith Cup) weiter. Hier kämpfen die Nationalmannschaften aus aller Welt um wichtige Punkte, das Finale ist ab 19 Uhr zu sehen.