Förderprogramm läuft aus

Was das Ende der „Radkultur“ für den Landkreis Heidenheim bedeutet

In den vergangenen Jahren profitierte der Landkreis Heidenheim von Fördermitteln aus dem Landesprogramm „Radkultur“, das jetzt in seiner bisherigen Form beendet wurde. Was das Programm gebracht hat und wie es jetzt weitergeht.

Vieles wurde in den vergangenen Jahren in Stadt und Landkreis Heidenheim unternommen, um das Radfahren populärer zu machen und besser im Alltag der Menschen zu verankern. Neben dem Ausbau von Radwegen und besseren überörtlichen Verbindungen zählten dazu sicherlich auch die Aktionen, die das Fahrradfahren in den Fokus rücken.

Die wohl bedeutendste Aktion ist das seit 2018 alljährlich stattfindende „Stadtradeln“, das vom Landkreis in Kooperation mit der Stadtverwaltung organisiert wird. Über die Jahre hinweg hat sich das Stadtradeln bewährt, nehmen immer mehr Teilnehmer die Gelegenheit wahr, über einen Zeitraum von drei Wochen hinweg bei alltäglichen Fahrten aufs Auto zu verzichten und stattdessen aufs Fahrrad zu steigen. Angemeldete Teilnehmer können so Kilometer sammeln und stolz auf jede Menge CO2-Reduzierung sein. Begleitet wird das Stadtradeln seit jeher mit Aktionen.

Fördermittel vom Land

Im Jahr 2022 wurde der Landkreis auch ins Förderprogramm der „Initiative Radkultur“ aufgenommen, die vom Landesverkehrsministerium ins Leben gerufen wurde. Für die Jahre 2024 und 2025 standen damit 75.000 Euro zur Verfügung, von denen der Landkreis selbst 25.000 und das Land 50.000 Euro beisteuerten. Gefördert werden sollten Veranstaltungen, die dazu motivieren, im Alltag aufs Fahrrad umzusteigen. Doch jetzt hat das Ministerium mitgeteilt, dass die Förderung im Rahmen der „Radkultur“ abgeschlossen ist, sprich, kein weiteres Geld mehr fließen wird.

Auftakt Stadtradeln 2023 auf dem Willy-Brandt-Platz bei der Stadtbibliothek Heidenheim

Heidenheimer tauschten Autos gegen Fahrräder und fuhren fast fünfmal um den Äquator

Drei Wochen lang tauschten in Stadt und Kreis Heidenheim viele Menschen das Auto gegen das Fahrrad. Wer beim Stadtradeln die meisten Kilometer machte.
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Heidenheim
Finale des Stadtradelns 2024

Im Jahr 2025, so heißt es in der Mitteilung des Ministeriums, habe der Landkreis Heidenheim „als eine von fünf Förderkommunen eine besonders intensive Betreuung“ bekommen. So habe sich der Landkreis insbesondere im Rahmen des Stadtradelns engagiert. Außerdem habe es Mitte April und Ende Juni beim Heidenheimer Fahrradtag eine Fahrradwaschanlage und weitere Angebote gegeben.

Stadtradeln wird fortgeführt

Doch was bedeutet das Ende der „Radkultur“ vor Ort in Heidenheim? „Das Ende der Förderung durch die Initiative Radkultur des Landes Baden-Württemberg bedeutet nicht, dass der Landkreis Heidenheim nun seine Bemühungen hinsichtlich des Radverkehrs einstellt. Beispielsweise arbeitet der Landkreis aktuell an einer neuen Radverkehrskonzeption, die Grundlage für eine weitere fahrradfreundliche Entwicklung im Landkreis bilden soll und unter Beteiligung aller Städte und Gemeinden erarbeitet wird“, heißt es von der Pressestelle des Landratsamts. Auch das beliebte Stadtradeln werde in diesem Jahr unabhängig von einer Förderung gemeinsam von Landkreis, Stadt und ADFC veranstaltet. Im Zuge der Radkultur-Förderung habe man zudem ein Lastenrad angeschafft, das Bürgerinnen und Bürgern in den Kreiskommunen zur kostenlosen Leihe zur Verfügung gestellt werden soll. Die Stadt Herbrechtingen werde dieses Jahr den Ausleihprozess starten.

„Die Förderung durch die Initiative Radkultur hat dazu beigetragen, Möglichkeiten der Nutzung des Fahrrads im Alltag noch präsenter zu machen. Hierzu wurden landkreisweit verschiedene Aktionen durchgeführt“, so der Pressesprecher des Landratsamts, Tobias Mayer. Dazu zählen etwa der Aktionstag „Fahren“, der Fahrradtag oder das Stadtradeln. Außerdem wird aktuell ein Radverkehrskonzept für den Landkreis Heidenheim erstellt mit dem Ziel, die Infrastruktur zu verbessern.

Mit der Einstellung der „Radkultur“ in der bisherigen Form sind also keine Nachteile für die Stadt oder den Landkreis verbunden. Dass alles weiterläuft wie bisher, bestätigt auch der Pressesprecher der Stadt Heidenheim Ingmar Volkmann. Das liege auch daran, dass der Landkreis Kooperationspartner gewesen sei. Landrat Peter Polta zieht ein positives Fazit unter das Förderprogramm: „Der Land­kreis Hei­den­heim hat sich das Ziel gesetzt, nach­hal­tige Mobi­li­tät wei­ter vor­an­zu­brin­gen. Dank der brei­ten Palette an „Radkultur“-Ange­bo­ten konnten wir in den vergangenen zwei Jahren zusätz­lich noch mehr auf den Stel­len­wert des Rad­ver­kehrs als wich­ti­gen Bestand­teil der Ver­kehrs­wende und damit des Kli­ma­schut­zes auf­merk­sam machen.“ 

Fahrrad statt Auto

Das vom Landratsamt mit Unterstützung der Stadtverwaltung organisierte Stadtradeln erfreut sich Jahr für Jahr größerer Beliebtheit. 2025 meldeten sich 1712 Radfahrerinnen und Radfahrer an und erradelten innerhalb von drei Wochen 325.014 Kilometer. Dadurch, dass sie statt des Autos das Fahrrad nutzten, sorgten sie für eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 53.000 Kilogramm.