Warum Unternehmen in Ostwürttemberg im Herbst 2026 positiver in die Zukunft blicken
Die Stimmung unter den Unternehmen in Ostwürttemberg hat sich im Herbst 2026 gegenüber den Vormonaten erneut verbessert. Bei der Mehrheit der befragten Unternehmen zeichnet sich bei der Geschäftslage und den Geschäftserwartungen eine Verbesserung ab.
Der Blick in die Auswertung zeigt: Jedes dritte Unternehmen verzeichnet steigende Auftragseingänge, die Exportaussichten verbleiben im Positiven. Die Personalpläne ändern sich insgesamt nicht und bleiben verhalten, während die Bereitschaft, Investitionen zu tätigen, leicht zunimmt.
Positive Signale
„Die Unternehmen in Ostwürttemberg senden erneut positive Signale, doch für eine Entwarnung ist es zu früh. Hohe Kosten, Strukturprobleme und geopolitische Risiken bleiben weiterhin große Herausforderungen“, sagt Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwürttemberg. „Jetzt braucht es klare politische Leitplanken, deutliche Entlastung bei der Bürokratie und eine sichere, bezahlbare Energieversorgung, damit die aktuellen Impulse dauerhaft wirken und ein anhaltender Aufschwung gelingt.“
Die Erhöhung des Geschäftslageindikators ist darauf zurückzuführen, dass 41,6 Prozent der Unternehmen in der Region ihre Geschäftslage weiterhin als gut beschreiben, 48,5 Prozent bewerten sie als befriedigend. In der Kategorie „gut“ ist der Wert nochmals um 4,7 Prozentpunkte gestiegen (im Vergleich zum Frühsommer 2026). Es sind mit 9,9 Prozent wiederholt weniger Unternehmen, die die Lage als „schlecht“ bewerten (-8,5 Prozentpunkte). Insbesondere die Industrie trägt zu dieser positiven Entwicklung bei.
Bessere Geschäftserwartungen
Auch die Geschäftserwartungen fallen über alle Branchen hinweg besser aus: Im Frühsommer 2026 trübte sich die optimistischere Haltung zum Jahresbeginn wieder leicht ein. Nun geht fast jedes vierte Unternehmen (23,4 Prozent) von einer Verbesserung der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten aus. Gleichzeitig gehen mit 14,5 Prozent auch deutlich weniger Unternehmen von einer Verschlechterung der Geschäftstätigkeit aus.
Bei 40 Prozent der Unternehmen sind die Umsätze gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal gestiegen (+9 Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst 2025) und das insbesondere in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten. Bei lediglich 20,7 Prozent sind sie gefallen (-14,4 Prozentpunkte). Die Umsatzerwartungen haben sich verbessert: Mehr als jedes dritte Unternehmen (35,5 Prozent) spricht von steigenden und nur 18,1 Prozent sprechen von sinkenden Umsatzerwartungen. Die Ertragslage hat sich leicht verbessert und die Auftragseingänge entwickeln sich weiterhin positiv. Knapp jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) spricht von steigenden und nur jedes fünfte (20,6 Prozent) von sinkenden Auftragseingängen.
Trotz der anhaltenden geopolitischen und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten gehen 37,3 Prozent der Industrieunternehmen von steigenden Exporten aus, nur vier Prozent der Unternehmen stellen sich auf rückläufige Exporte ein.
Weiterhin wirtschaftliche Risiken
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken ist weiterhin bestimmt durch geo- und handelspolitische Unwägbarkeiten: Derzeit zählen mehr als sechs von zehn Unternehmen hohe Energiepreise zu ihren größten Geschäftsrisiken (63,3 Prozent), mehr als die Hälfte gibt geopolitische Spannungen an (55,2 Prozent). Die Bedeutung der Arbeitskosten nimmt nochmals zu (+2,7 Prozentpunkte), sodass sie im Ranking auf Platz zwei landen. In der arbeitsintensiven Dienstleistungsbranche landen sie sogar auf Platz eins.
Trotz geopolitischer Risiken und negativer Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Ostwürttemberg im Vergleich zum Jahresbeginn wieder leicht zu: Knapp 70 Prozent der Unternehmen sprechen von zunehmender oder gleichbleibender, 20 Prozent von abnehmender Investitionsbereitschaft in den kommenden zwölf Monaten. Jedes zehnte Unternehmen will keine Investitionen tätigen.
Viele Firmen planen mit Freistellungen
Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate zeigt insgesamt eine Stabilisierung der zurückhaltenden Personalnachfrage: Rund 16 Prozent der Befragten gehen von steigenden Beschäftigtenzahlen aus – jedoch planen weiterhin 29,5 Prozent der Unternehmen mit Freistellungen. Eine Mehrheit von 54,8 Prozent der Unternehmen will ihre Personalstärke stabil halten. Die branchenspezifische Einstellungsbereitschaft fällt unterschiedlich aus.
Die Stellenbesetzungsprobleme haben sich im Vergleich zum Herbst 2025 weiter entspannt: 30,6 Prozent haben kein Problem, offene Stellen zu besetzen. 35,4 Prozent der Betriebe in Ostwürttemberg, die einstellen wollen, können offene Stellen nicht besetzen, weil die passenden Fachkräfte fehlen. Am häufigsten und über alle Branchen hinweg fehlen beruflich Qualifizierte mit dualer Ausbildung.
