Leitartikel Klartext

Warum Giengens Innenstadt ein Vorbild sein könnte

Leerstände und Eintönigkeit: Innenstädte werden immer unattraktiver – es sei denn, man tut etwas dagegen. In Giengen geht man Schritte in die richtige Richtung, meint HZ-Redaktionsleiterin Silja Kummer.

Schon öfter ging es an dieser Stelle um das Thema der Fußgängerzonen und Innenstädte, die sich in den letzten Jahrzehnten stark geleert haben. Die Probleme sind hinlänglich bekannt, aber wie könnten Lösungen aussehen?

HZ-Redaktionsleiterin Silja Kummer.

Zur Sperrung der Heidenheimer Grabenstraße: das Konzept Innenstadt neu denken

Die Grabenstraße wird Fußgängerzone, hat der Heidenheimer Gemeinderat kürzlich beschlossen. Einfach nur den Verkehr stillzulegen, wird nicht ausreichen, um die Heidenheimer Innenstadt zu beleben, meint HZ-Redaktionsleiterin Silja Kummer.
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In Giengen bekam man diese Woche eine Ahnung, in welche Richtung es gehen könnte: Ein Gebäude in der Marktstraße wird bespielt vom Bücherflohladen der Stadtbücherei, darüber eröffnet jetzt neu ein Repair-Café, das von ehrenamtlichem Engagement getragen wird. Die Stadtbibliothek befindet sich ebenfalls in der Fußgängerzone und sorgt für Frequenz. Der Einzelhandel ist in Giengen stark geschrumpft. Die verbliebenen Konstanten sind ein alteingesessenes Schreibwaren-Geschäft und ein ebenso traditioneller Spielwaren-Laden, flankiert von einem Eiscafé und einigen neueren gastronomischen Angeboten.

Der Initiator des Reparatur-Cafés in Giengen, Helmut J. Koch, im Kaffeebereich des neuen Angebots.

Reparatur-Café: Das wird in der neuen Anlaufstelle an der Marktstraße in Giengen angeboten

Gemeinsam defekte Geräte reparieren, sich austauschen oder sich einfach auf einen Kaffee treffen. All das ist in ein paar Tagen im Obergeschoss des ehemaligen Modehauses Rösle in Giengen möglich. Helmut J. Koch hat es möglich gemacht.
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Genau so könnte die Innenstadt der Zukunft aussehen: einige spezialisierte Fachgeschäfte, ein paar Filialisten, Gastronomie, aber auch nichtkommerzielle Einrichtungen, die jedoch auf die Unterstützung der Kommunen angewiesen sind. Damit das funktioniert, müssen auch die Besitzer der Immobilien in den Stadtkernen umdenken: Es gibt nicht mehr so viele Gewerbemieter, die hohe Quadratmeterpreise bezahlen können. Will man nicht alles zu Wohnungen umbauen oder leerstehen lassen, muss man wohl Kompromisse finden, auch finanzieller Art.

In Giengen hat die Stadtverwaltung relativ früh verstanden, dass sie direkt eingreifen muss, will man eine gewisse Attraktivität der Innenstadt erhalten: Mit der Aktion „Giengen zahlt deine Miete“ werden neue inhabergeführte Ladengeschäfte im ersten Jahr finanziell unterstützt. Das puffert das Risiko einer Neugründung ein wenig ab und ermutigt Menschen mit Ideen, sie vielleicht auch in die Tat umzusetzen.

Wie in vielen anderen Bereichen der schönen, neuen, komplizierten Welt auch, wird eine Einzelmaßnahme wahrscheinlich nicht ausreichen, um ein komplexes Problem zu lösen. Aber jeder Baustein zählt. Und wir werden uns auch mit neuen Innenstädten anfreunden müssen. Die alte Vielfalt an individuellen Angeboten und gut bestückten Kaufhäusern kommt nicht zurück.