Zu einem großen medienpolitischen Treffen hatte HZ-Verleger Martin Wilhelm nach Heidenheim eingeladen: Der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) traf sich zu seiner Jahrestagung im FCH-Businessclub. Mit Blick auf den Bundesliga-Rasen tauschten sich die Verleger und Verlagsgeschäftsführer über aktuelle Themen ihrer Branche aus.

Auch die Chefredakteurinnen und -redakteure der Mitgliedsverlage waren am Nachmittag eingeladen. Jens Schmitz, Vorsitzender der Pressestiftung Baden-Württemberg, stellte ihnen die Ergebnisse des Bürgerforums „Über Medien – Über Verständigung – Über uns“ vor, das von der Pressestiftung Baden-Württemberg ins Leben gerufen und von der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert wurde. Zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus dem ganzen Land diskutierten dabei über die Zukunft der Medien. Ein wichtiges Ergebnis war, dass sich die Menschen unabhängigen Qualitätsjournalismus wünschen, vor allem auch in digitaler Form, wobei viele die bestehenden Angebote der Verlage gar nicht kannten.

Für den Empfang am Abend lieferten Schloss Hellenstein und die Schlosskapelle den stimmungsvollen Rahmen. Die Landtagsabgeordneten Clara Resch (Grüne, Heidenheim) und Dr. Tim Breitkreuz (CDU, Schwäbisch Hall) waren als geladene Gäste mit dabei. Rudi Hoogvliet vertrat die Landesregierung als Staatssekretär für Medienpolitik und Bevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg beim Bund.

Valdo Lehari, Verleger des Reutlinger Generalanzeigers und Vorsitzender des VSZV, begrüßte die „Freunde der Pressefreiheit“. Er betonte, dass Zeitungsverlage bodenständig und nahe bei den Menschen seien. „Wir sind Teil der Kultur des Landes – und diese steht auf dem Spiel“, so Lehari. Während das Geschäftsmodell der Tageszeitungen auf Vertrauen basiere, stünden auf der anderen Seite Polarisierung, Skandalisierung und eine Erregungsspirale, die am Ende demokratiefeindlich sei.

Lehari forderte von der Politik mehr Härte bei den Regeln für die Digitalkonzerne. „Das bestehende Recht wird nicht durchgesetzt, und notwendige neue Rechtsanpassungen dauern zu lang“, mahnte er ganz klar in Richtung der anwesenden Politiker. „Die großen Plattformen haben die Meinungssteuerung im Griff, klauen unsere Inhalte und bezahlen nichts dafür“, so der Vorsitzende des Verlegerverbands.
Er erinnerte daran, dass das Bestehen einer freien Presse im Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschrieben ist. „Wir sind eine kritische Infrastruktur für die Demokratie“, so Lehari.

„Qualitätsjournalismus ist keine Selbstverständlichkeit mehr“, betonte auch Staatssekretär Rudi Hoogvliet. Die Versorgung mit journalistischer Berichterstattung müsse ebenso garantiert werden wie Strom und Wasser, sagte der Grünen-Politiker. Er wisse um die großen Herausforderungen für die Branche und versprach, für eine gute Medienpolitik einzutreten.

