Fragen und Antworten

Wie sicher ist sicher? Das sagen Anbieter von Schließfächern in Heidenheim und Giengen

Schließfächer sind trotz des Coups in Gelsenkirchen weiterhin gefragt. Doch wer nutzt sie und wofür? Wie sicher sind sie und wie hoch ist Eingelagertes versichert? Die wichtigsten Fragen – und Antworten von Schließfachanbietern in Heidenheim und Giengen.

Der Einbruch in die Schließfächer der Sparkasse Gelsenkirchen Ende Dezember 2025 gilt inzwischen als der größte Bankraub in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Diebe räumten mehr als 3200 der Fächer leer und flohen. Betroffene Kunden hatten oft höhere Werte als die in Gelsenkirchen standardmäßig abgesicherten 10.300 Euro eingelagert. Der Schaden geht in die Millionen.

Wie aber ist die Situation rund um Heidenheim? Wie hoch sind hier die Standardversicherungen und wozu raten Anbieter von Schließfächern? Die HZ hat sich bei den Volksbanken in Heidenheim und Giengen, der Kreissparkasse Heidenheim sowie bei Pascal Meiers, dem Geschäftsführer der EMS Werteinlagerung in den Heidenheimer Tieräckern, erkundigt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele Schließfächer werden angeboten?

Die Kreissparkasse macht hierzu auf HZ-Nachfrage aus Sicherheitsgründen keine Angaben. Die Heidenheimer Volksbank nennt ebenfalls keine genaue Zahl, verweist aber darauf, dass es in den meisten Geschäftsstellen Schließfächer gibt. Die Volksbank Brenztal bietet rund 1000 Schließfächer an und bei EMS stehen 3500 Fächer zur Verfügung.

Wer bucht Schließfächer und wie hoch ist die Nachfrage?

Sowohl bei den Banken als auch bei EMS ist die Antwort hierauf einhellig: Kunden quer durch alle Alters- und Vermögensschichten nutzen Schließfächer, darunter Privat- wie Geschäftskunden. Eingelagert werden nicht nur Bargeld oder Edelmetalle, sondern oft auch wichtige Dokumente oder Gegenstände, die zwar keinen nominell hohen Wert haben, aber den Eigentümern viel bedeuten – etwa Erbstücke. Grundsätzlich haben die Anbieter von Schließfächern keine Kenntnis darüber, was in die Fächer eingeschlossen wird oder wie hoch der Wert ist. Dies ist die Privatangelegenheit der Kunden. Insgesamt gibt es eine dauerhaft große Nachfrage nach den Fächern, wie die Heidenheimer Volksbank und auch EMS bestätigen. Bei der Voba Brenztal sind 70 Prozent der Fächer belegt. Bei EMS in Heidenheim gibt es bisweilen sogar Wartelisten für bestimmte Schließfachgrößen.  

Wie hoch ist der Inhalt standardmäßig versichert?  

Bei der Kreissparkasse Heidenheim beläuft sich die automatisch abgesicherte Summe auf 2000 Euro. Höhere Werte müssen Kunden selbst versichern. Die Volksbank Heidenheim nennt keine fixe Summe, verweist aber darauf, dass sie ihren Kunden nach einer rechtlichen Änderung im vergangenen Jahr in jedem Fall zu einer Versicherung rät. Ebenso verhält es sich bei der Volksbank Brenztal. Dort informiert man, dass als Versicherungen spezielle Schließfachversicherungen oder Erweiterungen zur Hausratversicherung infrage kommen. Es gebe dazu Beratungsangebote für die Kunden, so die Voba. Bei EMS sind Inhalte mit 20.000 Euro grundversichert. Zusatzversicherungen sind möglich, wenn der Kunde dies wünscht, so EMS. Zugleich hält man dies bei EMS mit Verweis auf die eigenen hohen Sicherheitsstandards nicht für nötig.

Wie sehen die Sicherheitsvorkehrungen aus?

Bei der Kreissparkasse Heidenheim möchte man aus Sicherheitsgründen keine Angaben zu Sicherheitssystemen oder Alarmanlagen machen, verweist jedoch darauf, dass die Systeme, Konzepte und Abläufe ständig überprüft und weiterentwickelt werden. Auch die Volksbanken äußern sich nicht zu Details, betonen aber beide, dass die Vorkehrungen den geforderten Vorgaben entsprechen. Recht ausführlich hingegen beschreibt EMS die Situation bei sich: Innen und im Außenbereich gibt es Alarmanlagen und Videoüberwachung, die Außenanlagen sind mit Stacheldraht und Zaunfundamenten gesichert, das Gelände wird von zwei unabhängigen Leitstellen überwacht. Zudem gibt es an den Außenmauern Schalldetektoren, die ein Bohren oder dergleichen erkennen und melden.

Wann können Kunden an ihr Eingelagertes gelangen?

Bei den Banken können Kunden ihre Fächer zu den Öffnungszeiten aufsuchen und benutzen. Bei EMS gibt es rund um die Uhr Zugang. Die Kunden müssen sich allerdings mindestens zwei Stunden im Voraus anmelden, sich ausweisen, einen Zugangscode nennen und einen ihrer Schließfachschlüssel vorzeigen.

Haben Kunden seit dem Raub in Gelsenkirchen größere Bedenken bei der Sicherheit oder gar ihre Schließfächer gekündigt?

Bei den Banken bemerkt man seither keine großen Veränderungen. Weder habe es signifikant mehr Beratungen auf Kundenwunsch hin gegeben, noch eine nennenswerte Zahl an Kündigungen, so Kreissparkasse und Volksbank Heidenheim. Bei der Volksbank Brenztal habe es gar keine Kündigungen oder Beratungsgespräche mit verunsicherten Kunden gegeben. Bei EMS hingegen sei die Nachfrage nach den Schließfächern in den vergangenen Wochen sogar gestiegen, weil Kunden bewusst von Banken wegwechseln wollten, teilt EMS mit. Auch habe man mehr Beratungsgespräche mit Bestandskunden geführt.

Gab es schon mal Einbruchsversuche in Schließfächer?

Nein, nach eigenen Angaben weder bei Kreissparkasse, den Volksbanken noch bei EMS.

Sichere Aufbewahrung, aber wie?

Kreissparkasse, Volksbank und EMS verweisen darauf, dass Schließfächer auch nach dem Vorfall in Gelsenkirchen eine der sichersten Aufbewahrungsmethoden überhaupt sind. Zudem raten die Unternehmen dazu, im eigenen Zuhause keine allzu großen Werte aufzubewahren, da diese einerseits bei Einbrüchen gestohlen werden oder auch Feuer und anderen Gefahren zum Opfer fallen können. Wer ein Schließfach nutzt, soll zudem regelmäßig für sich selbst dokumentieren, was darin gelagert ist, am besten auch mit Fotos.