Stilmischung

„Rock meets Classic“: Wie das Crossover-Projekt mit Siggi Schwarz in Heidenheim entstand

Rockmusik und Sinfonien sind einander längst nicht mehr fremd. Der Heidenheimer Gitarrist Siggi Schwarz ist mit dem Konzept „Rock meets Classic“ seit gut zehn Jahren erfolgreich. So fing damals alles an:

Mozart war wohl der allererste Rockstar der Geschichte. Eine Rampensau durch und durch. Und Heavy-Metal-Keyboarder Jon Lord? Liebte Klassik. So sehr, dass der „Deep Purple“-Mitgründer maßgeblich an der Annäherung von Rock und Klassik im charakteristischen Sound der Band beteiligt gewesen ist. Man sieht also: Diese beiden Genres schließen einander keinesfalls aus. Einer, der das ebenfalls früh begriffen hat, ist der Heidenheimer Gitarrist Siggi Schwarz. Sein Konzertkonzept „Rock meets Classic“ besteht inzwischen seit knapp zehn Jahren. Angefangen hat es aber schon einige Zeit vorher. Mit „Deep Purple“.

Als die Band 1969 gemeinsame Sache mit dem Royal Philharmonic Orchestra machte, war das nicht nur revolutionär, es inspirierte Siggi Schwarz auch, sich selbst einmal an dieser Melange zu versuchen. Eine erste professionelle Annäherung an das Thema Klassik geschah 1988, als der Gitarrist mit den Münchner Philharmonikern zwei Songs aufnahm und produzierte.

Kollaboration mit den Opernfestspielen Heidenheim

„Mein Wunsch war es, dieses Orchesterformat einmal auf die Bühne zu bringen“, erzählt Schwarz. Und genau so sollte es auch geschehen. Auf Anfrage des früheren Leiters der Opernfestspiele Heidenheim, Marco-Maria Canonica, stand von 1991 bis 1995 im Rahmen der Schlossserenade die Verschmelzung von Klassik und Rock auf dem Festspielprogramm. „Ob ‚Bilder einer Ausstellung‘, Musical-Hits oder die Musik von ‚Santana‘ – jede Aufführung im Rittersaal hatte ein Motto“, so Schwarz.

Offiziell, wenn man so will, gibt es das Format „Rock meets Classic“ unter der Ägide von Siggi Schwarz seit 2015. Gemeinsam mit den Ulmer Philharmonikern entstand die Platte „Milestones of Rock“ – aus Arrangements, die der 2017 verstorbene Pianist, Komponist und Produzent Romi Schickle eigens für Schwarz geschrieben hatte.

Die Frankfurter Sinfoniker benennt Siggi Schwarz als sein Hauptorchester.
Die Frankfurter Sinfoniker benennt Siggi Schwarz als sein Hauptorchester. Foto: Oliver Vogel

Das Techtelmechtel der Festspiele mit dem Gitarristen erhielt nicht zuletzt aufgrund des Heidenheimer Geschäftsmanns und Kulturförderers Stefan Doraszelski eine weitere Auflage. „OH goes Rock“, nun mit dem heutigen Intendanten Marcus Bosch, sorgte für ein ausverkauftes Haus. Eigens dafür wurden die bestehenden Arrangements noch einmal leicht verändert. Denn: Ein Großorchester wie das der Opernfestspiele verfügt naturgemäß über mehr Ensemblemitglieder sowie – etwa im Falle der Harfe – mehr Instrumente als ein Orchester in Studiogröße.

Auch wenn Siggi Schwarz die Frankfurter Sinfoniker als sein Hauptorchester benennt, steht ihm mit dem Daimler Sinfonieorchester Stuttgart ein weiterer regelmäßiger Klassik-Partner zur Seite. Dessen Dirigent Matthias Baur wurde zwar in Esslingen am Neckar geboren, die Ostalb ist ihm jedoch keineswegs fremd, stammt seine Familie doch unter anderem aus Burgberg, Giengen und Herbrechtingen.

Der Dirigent orientiert sich am Schlagzeuger

„Ich selbst bin eigentlich nicht mit Rock-Klassikern groß geworden“, berichtet Matthias Baur. Dennoch, und das sei die vorherrschende Meinung bei den Daimler Sinfonikern, hätten Baur und sein Ensemble großen Spaß an dem Konzept „Rock meets Classic“. Was mitunter auch daran liege, „dass die Struktur dabei im Schnitt etwas unkomplizierter ist als bei einer klassischen Sinfonie“. Das Orchester sei bei Konzerten wie diesen im Gesamtklang sicherlich präsent, aber eben nicht in einer führenden Rolle.

Baur selbst ist dabei als Dirigent ausdrücklich erwünscht, er selbst orientiert sich aber am Schlagzeuger der Band von Siggi Schwarz. Denn an den Drums wird der Beat, wird der Rhythmus vorgegeben, nach dem letztlich auch das Sinfonieorchester spielt.

Für mich als Dirigent ist das eine etwas andere Rolle als bei einem klassischen Klassikkonzert.

Matthias Baur, Dirigent des Daimler Sinfonieorchesters Stuttgart

„Für mich als Dirigent ist das eine etwas andere Rolle als bei einem klassischen Klassikkonzert“, erklärt Baur. Wenn Rock ins Spiel kommt, sei er eher eine Art Dienstleister am Taktstock. „Was aber nicht bedeutet, dass das Material nicht anspruchsvoll ist“, betont Matthias Baur. Die Partituren seien nicht einfach zu spielen, und vor allem für die Streicher des Ensembles gebe es schwierige Passagen.

Damit das Zusammenspiel von Rockband und Orchester funktioniert, bedarf es eines gewissen Maßes an Entgegenkommen. Von beiden Seiten. Soll heißen: kein Improvisieren der Band, nichts wird dem Zufall überlassen. Ein Umstand, den auch Siggi Schwarz betont: „Wir als Band spielen etwas sorgfältiger als sonst. Es ist ein Annähern aneinander.“

Einweihung der „Factory 56“ in Sindelfingen

Mit dieser Devise und in dieser Kombination haben Schwarz und das Daimler Sinfonieorchester Stuttgart schon so manch gemeinsamen Auftritt bestritten. Ein Zusammenspiel, das beide als Highlight benennen, war dabei die Eröffnung der „Factory 56“, der weltweit größten Automobilproduktionshalle, 2019 in Sindelfingen. Bei vier ausverkauften Konzerten mit jeweils 2000 Besucherinnen und Besuchern verschmolzen sie einmal mehr Klassik und Rock.

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Heidenheim
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In Herbrechtingen und Sindelfingen

Die nächste Auflage von „Rock meets Classic“ im Landkreis Heidenheim kann man am Samstag, 24. Januar, in der Herbrechtinger Bibrishalle erleben, wenn Siggi Schwarz samt Markus Engelstaedter und den Frankfurter Sinfonikern ab 20 Uhr auftritt. Restkarten für das Konzert sind unter anderem im Pressehaus in Heidenheim sowie unter hz-ticketshop.de erhältlich.

Gemeinsame Sache macht Siggi Schwarz mit Matthias Baur und dem Daimler Sinfonieorchester Stuttgart am 13. und 14. Juni in Sindelfingen anlässlich der 111-Jahr-Feier bei Mercedes-Benz.