„Rekordjahr für die Kunst“ lautete der Titel eines Artikels, der an dieser Stelle in der HZ vor fast genau einem Jahr veröffentlicht wurde. Das Rekordjahr, damit war das Jahr 2024 gemeint, die Kunst bezog sich auf die, die in den städtischen Museen gezeigt wurde. Nun, ein Jahr später, muss der Titel natürlich heißen: „Rekordbrecherjahr für die Kunst“. Denn das zurückliegende Jahr 2025 hat die Messlatte in praktisch sämtlichen Belangen noch einmal deutlich höhergelegt.
Konnte das Kunstmuseum 2024 bereits ganze 22.507 Besucherinnen und Besucher verzeichnen, stieg die Zahl 2025 noch einmal an, nämlich auf 28.379. Rechnet man die übrigen städtischen Museen – Museum im Römerbad, Museum Schloss Hellenstein und Museum für Kutschen, Chaisen, Karren – dazu, beläuft sich die Gesamtbesucherzahl auf 50.545. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es „nur“ 38.948.
Jubiläumsausstellung als Besuchermagnet
„Wir konnten massiv steigende Besucherzahlen verzeichnen“, berichtet Matthias Jochner, Leiter des Kulturamts. „Das liegt an den starken Akteuren, die für starke Inhalte stehen“, lobt er. Profitiert haben die Museen vergangenes Jahr insbesondere von der „Kinder und Kunst“-Jubiläumsausstellung „Im Labyrinth von Schloss Wolkenstein“, die nicht nur 14.389 Besucher ins Schlossmuseum lockte, sondern auch dem gegenüberliegenden Kutschenmuseum „Kollateral-“ beziehungsweise Laufkundschaft verschaffte. Insgesamt ist die Zahl der Ausstellungen gestiegen, was ebenfalls in das Rekordbrecherjahr einspielt.
Dieser Trend, so erfreulich er sei, könne natürlich nicht ewig anhalten, weiß Kunstmuseumsleiter Marco Hompes. „Mir ist Kontinuität in den Zahlen wichtig“, was sich in konstanten 700 bis 800 Besuchern pro Monat widerspiegelt. Ausreißer wie bei „Schloss Wolkenstein“ habe es unter den restlichen Ausstellungen des Jahres nicht gegeben.

Seit „Kinder und Kunst“ 2023 in städtische Trägerschaft übernommen wurde, steigt zudem der Aspekt Museumsvermittlung stetig an. „Fast alle Schulen in städtischer Trägerschaft sind inzwischen dabei. Auf ‚Schloss Wolkenstein‘ hatten wir letztes Jahr 153 Schulklassen zu Besuch“, erzählt Anja Marrack, Leiterin des Bereichs Bildung und Vermittlung. Nach wie vor gilt, dass diese Schulen sowie Kindergärten keinen Eintritt zahlen müssen.
Eine Säule der Museen ist neben Inhalten und Vermittlung das bürgerliche Engagement, welches nicht zuletzt durch den Förderkreis Kunstmuseum Heidenheim vertreten ist. Dessen Vorsitzende Petra Lange blickt ebenfalls auf ein ereignisreiches Jahr zurück, welches insbesondere durch die Neugestaltung des Foyers mit dem Möbelstück „Wave“ und durch die Enthüllung der Skulptur „What a Day“, direkt vor dem Kunstmuseum, geprägt war. Letztere wurde in Gedenken an den verstorbenen Heidenheimer Ehrenbürger Michael Rogowski errichtet und konnte nur dank der großzügigen Spende seiner Frau Gabriele Rogowski realisiert werden.
Es ist unsere Aufgabe, Aufmerksamkeit für das Museum zu generieren.
Petra Lange, Vorsitzende Förderkreis Kunstmuseum Heidenheim
„Wir sind als Förderkreis sehr von solchen privaten Zuwendungen abhängig“, berichtet Petra Lange. Für die Neugestaltung des Foyers sei ein „mittlerer fünfstelliger Betrag angefallen“ – aufgrund der hohen Investitionssumme werde das Jahr 2026 aus Sicht des Förderkreises wohl etwas ruhiger ablaufen. Untätig wird der Verein jedoch nicht bleiben. „Es ist unsere Aufgabe, Aufmerksamkeit für das Museum zu generieren und gleichzeitig aufzupassen, dass wir nicht in einer Kunstblase verharren.“ Für diese Aufgaben kann der Förderkreis inzwischen auf mehr Köpfe setzen – die Zahl der Mitglieder ist im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent gestiegen.
So viel zum Rückblick. In Sachen Ausblick kann man sich ebenfalls auf so einiges freuen. „Die nächste Ausstellung wird eine Wucht“, verspricht Marco Hompes. Ab 8. März startet „Deutsch!“ – eine Ausstellung, welche die Frage stellt, ob es tatsächlich das „typisch Deutsche“ gibt oder das doch nur eine Konstruktion ist. In dessen Zuge sind Besucher eingeladen, ihren ganz eigenen Beitrag zur Ausstellung zu leisten und diese um Objekte zu erweitern, die sie für typisch deutsch halten. Parallel und ergänzend widmet sich Fabian Reetz im kleinen Wechselausstellungssaal dem Thema „Neue deutsche Todeskunst“.

Ab März kehrt die Picasso-Ausstellung zurück ins Kunstmuseum, dort entwickelt die Künstlerin Zohar Fraiman einen Dialog zwischen eigenen Werken und Arbeiten Pablo Picassos. Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer widmet sich die Ausstellung „Goal“ Fußballplakaten im Wandel der Zeit. Im Hugo-Rupf-Saal geht es ab Juni um das große Thema „Zeit“. Dieses soll stadtübergreifend angegangen werden – „Kinder und Kunst“ übernimmt dafür einmal mehr die Schlosskirche, ebenso beteiligen sich der Kunstverein sowie aller Voraussicht nach die Stadtbibliothek.
Das gesamte Ausstellungsprogramm an dieser Stelle aufzulisten, würde jeglichen Rahmen sprengen, abschließend soll jedoch auf eine Ausstellung über die Holzschnittsammlung von Ruth und Martin Wittmann hingewiesen werden. In deren Zuge ist nicht weniger angedacht, als unter Beteiligung der Heidenheimer den größten gemeinschaftlichen Holzschnitt der Welt hervorzubringen. Ganz ohne Rekord und Rekordbrecher geht es dann halt doch nicht.


