Theaterring bot einen Klassiker

Womit das Ohnsorg-Theater in der Heidenheimer Waldorfschule begeisterte

Mit einer Komödie gastierte das Hamburger Ohnsorg-Theater in der Heidenheimer Waldorfschule. So kam der Klassiker an.

Ein echter Klassiker stand am Dienstagabend in der Heidenheimer Waldorfschule auf dem Programm. Als solchen darf man die Komödie „Tratsch im Treppenhaus“ wohl mit Fug und Recht bezeichnen. Und dieser Klassiker zieht: Rund 460 Zuschauerinnen und Zuschauer fanden sich im Festsaal ein, und darunter sicherlich viele, die die wohl bekannteste Inszenierung in bester Erinnerung haben. Es ist diejenige des Ohnsorg-Theaters mit Heidi Kabel als Tratschtante Boldt aus dem Jahr 1966. Sie schaffte es als Fernsehaufzeichnung zur plattdeutschen Antwort auf „Dinner for One“ – ein echter Silvester-Dauerbrenner.

Und in Heidenheim? Da erlebte man nun ebenfalls Ohnsorg-Theater, und ebenfalls Heidi, dieses Mal allerdings Heidi Mahler – die Tochter tritt also in die sehr großen Fußstapfen ihrer legendären Mutter. Und dazu muss man auch wissen, dass Letztere in ihrer Paraderolle jünger war als Heidi Mahler. Zu ihrem 80. Geburtstag schlüpfte Heidi Mahler bereits in diese Rolle, und nun, bei ihrem Auftritt in Heidenheim, stand Mahler kurz vor ihrem 82. Geburtstag.

Großes Schauspiel mit riskantem Körpereinsatz

Anmerken würde man ihr dieses Alter allerdings nicht, so agil und pfiffig, wie sie als Meta Boldt die Mietergemeinschaft aufmischt, aufbringt und aufregt und wo sie geht und steht, neue Gerüchte streut und es mit der Wahrheit alles andere als genau nimmt. Das ist ganz großartiges Schauspiel, das sie bietet, zumal sie auch vor durchaus riskantem Körpereinsatz nicht zurückschreckt – man denke nur an ihr Freischwingen am Geländer.

Allergrößten Respekt dafür, aber auch für ihr schnelles Spiel, das in allen gestischen und mimischen Darstellungen auf den Punkt genau sitzt. Und das macht ihr ganz offensichtlich genauso viel Spaß, wie ihn das Publikum auch an ihrem Spiel hat.

Ohne Zweifel ist sie der Star der Inszenierung, die aber insgesamt mit Reichtum an Pointen, Komik und Tempo nur so glänzt. Das Ensemble harmoniert hervorragend, und die gesamte Hausgemeinschaft rund um die Gerüchteköchin spielt mit Feuer, Herz und Leidenschaft, dass es eine wahre Freude ist. Und die hatte das Publikum durchweg an dieser Inszenierung, die zeigt, was eine gute Komödie ausmacht. Jene Leichtigkeit nämlich, die die höchste Form des Könnens ist. Und sie zeigt, was „Tratsch im Treppenhaus“ zum zeitlosen Bringer macht, auch wenn das Stück in den 1960er-Jahren angesiedelt ist, was die Inszenierung auch gar nicht leugnet.

Echtes Leben, auf die Spitze getrieben

Das zutiefst Menschliche aber, all die Zwistigkeiten und Reibereien, das wird wohl immer aktuell sein, und das trifft heute noch voll ins Schwarze. Das bestätigten übrigens auch Schülerinnen aus dem Publikum, die nun wirklich keine Erinnerung an Heidi Kabel und das alte „Tratsch im Treppenhaus“ haben können. „So witzig“, bescheinigten sie, „das echte Leben, so richtig auf die Spitze getrieben.“

Und das gelingt nicht nur wegen des so punktgenauen Spiels, das Figuren zu echten Menschen macht, sondern auch wegen der Sprache. Zwar wurde die „hochdeutsche Fassung“ gezeigt, aber auch die hat solch herrliche Ausdrücke wie „Quakerei mit dem Bullerballer“, also etwa „Streiterei mit Polterer“, „plietsche Deern“ für „schönes Fräulein“, „dösig“ und „tüdelig“ und „drömelig“ zu bieten. Und natürlich wird über den s-pitzen S-tein ges-tolpert. Und das macht eben Figuren aus dem prallen Leben aus, dass sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Effektvolle Schlusspointe

Das Stück nimmt immer wieder ungeahnte Wendungen und führt zu Verstrickungen, die hellauf begeistern. Auch das macht das Stück jetzt noch zum puren Vergnügen, zumal all das so herrlich ausgespielt wird. Komödie mag leicht zu genießen sein, leicht umzusetzen ist sie nicht, umso mehr, wenn ein solches Feuerwerk an Ideen und Umsetzung geboten ist. Das im Übrigen, auch das muss gesagt werden, sich nicht damit begnügt, die Erfolgsinszenierung von einst eins zu eins zu übernehmen. Da wurde eine Menge angepasst und abgeändert, bis hin zur effektvollen Schlusspointe.

Der Theaterring hat dem Publikum mit dieser Aufführung einen herrlichen Abend beschert, an dem mit Applaus und Beifallsbekundungen beileibe nicht gespart wurde. Vielleicht hat ja der eine oder andere die Theaterleidenschaft neu entdeckt und folgt auch weiter den Angeboten. Dem sei in schönstem Ohnsorg-Hochdeutsch gesagt: Man zu.

Rabenschwarzer Kultfilm

Auch der nächste Termin des Theaterrings ist mit einer Komödie besetzt, allerdings mit einer der rabenschwarzen Sorte. Die Württembergische Landesbühne Esslingen zeigt „I hired a contract killer“ nach dem Film von Aki Kaurismäki, der mit seinem melancholisch-lakonischen Humor mittlerweile Kultstatus erreicht hat. Zu erleben sein wird die Theaterfassung am Mittwoch, 11. Februar, ab 19.30 Uhr im Konzerthaus Heidenheim.