„Gegen Vergessen – für Demokratie“

Neue Arbeitsgruppe in Heidenheim will sich dem Erhalt der Demokratie widmen

Eine lokale Arbeitsgruppe des Vereines „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ soll Anfang Oktober in Heidenheim gegründet werden. Warum sich Dr. Wolfgang Proske dafür einsetzt und was die Gruppe bewirken will:

Die Demokratie steht unter Beschuss: Dies zeigen nicht nur autokratische Regierungschefs in vielen Ländern und bröckelnde Staatenbündnisse, sondern auch das Erstarken der rechtspopulistischen AfD bei den letzten zwei Landtagswahlen in Deutschland. Ein Versuch, dem auf lokaler Ebene etwas entgegenzusetzen, wird in den kommenden Tagen in Heidenheim unternommen. Verschiedene Akteure haben zusammengefunden, um eine regionale Arbeitsgruppe des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ zu gründen.

Überparteilicher Zusammenschluss

Der Verein mit Sitz in Berlin will historische Erinnerungsarbeit und konkreten Einsatz für die Demokratie miteinander verbinden. Er wurde 1993 vor dem Hintergrund rassistischer und fremdenfeindlicher Ausschreitungen gegründet und versteht sich als überparteilich. Erster Vorsitzender war der ehemalige SPD-Chef Hans-Jochen Vogel, aktuell steht Andreas Voßkuhle, früherer Richter am Bundesverfassungsgericht und Hochschulprofessor in Freiburg, dem Verein vor.

Bereits seit 20 Jahren Mitglied im Verein ist der Gerstetter Sozialwissenschaftler, Historiker und Buchautor Dr. Wolfgang Proske, der sich insbesondere um die Aufarbeitung lokaler Verstrickungen im Nationalsozialismus verdient gemacht hat. Er ist Herausgeber der Buchreihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“. Er will gemeinsam mit Frauke Donat als Sprecher bzw. Sprecherin der regionalen Arbeitsgruppe kandidieren. Beide haben aktuell auch den Vorsitz der „Initiative für Demokratie und Weltoffenheit“ inne.

Im Mittelpunkt steht für Proske die Frage: „Wie können wir Menschen erreichen, die extrem wählen?“ Die Arbeitsgruppe soll nachhaltig und intelligent arbeiten. Ihm sei es wichtig, zunächst zu überprüfen, was man erreichen wolle, und daraus Aktionen abzuleiten, die auch einen Effekt zeigen und nicht schnell wieder vergessen seien. „Unser Ziel ist der Erhalt von Freiheit und Demokratie sowie eines funktionierenden Rechtsstaats“, sagt Proske.

Ideenlieferanten und Mitstreiter sind noch gesucht. Bereits im Boot sei neben der „Initiative für Weltoffenheit und Demokratie“ auch die Geschichtswerkstatt, so Proske. Er betont auch, dass er sich nur als Gründungssprecher der Arbeitsgruppe sehe und sich eigentlich mit 72 Jahren nur seinem aktuellen Buchprojekt widmen wolle. Dieses hat allerdings auch die AfD zum Thema.

Gründungsversammlung am 7. Oktober

Die Gründungsversammlung der regionalen Arbeitsgruppe von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ findet am Mittwoch, 7. Oktober, um 17.30 Uhr im Gewerkschaftshaus an der Bergstraße statt. Bereits am Freitag, 2. Oktober, werden die Akteure für die regionale Arbeitsgruppe bei der „Langen Nacht der Demokratie“ in der Heidenheimer Stadtbibliothek zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung treten und über ihr Anliegen informieren.

Und eine erste Veranstaltung ist auch bereits geplant: Am Donnerstag, 22. Oktober, findet um 18.30 Uhr eine Podiumsdiskussion mit allen drei Heidenheimer Landtagsabgeordneten statt. Sie werden Stellung beziehen zu einem möglichen AfD-Verbot und dem damit einhergehenden Prüfverfahren.