„Schnaitheim ist etwas ganz Besonderes“, sagte Bürgermeisterin Simone Maiwald – pardon, natürlich sagte sie „Schnoida“ – am Donnerstagabend auf dem dortigen Rathausplatz. Das habe sie in ihrer Amtszeit gelernt. Und der Donnerstagabend war ein gutes Beispiel dafür: Der Schatten im Brenzle, der recht frische Wind, der in die Ortsmitte wehte, konnte die „Schnoidamer“ nicht davon abhalten, dem traditionellen Maibaumaufrichten beizuwohnen.
Zum 45. Mal fand es in diesem Jahr statt, abermals ausgerichtet von der Handels- und Gewerbevereinigung Schnaitheim „DIE“. Deren Vorsitzende Brigitte Bosch-Klement begrüßte die vielen großen und kleinen Besucher, die die Bänke auf dem Rathausplatz rasch belegt hatten, und betonte, wie wichtig gelebte Gemeinschaft gerade in bewegten Zeiten sei. „Momente wie diese stärken und festigen eine Gemeinschaft und sie zeigen, wie viel wir als Gemeinschaft bewältigen und bewegen können“, so Bosch-Klement.
Das belegte einmal mehr das Maibaumaufrichten: Viele helfende Hände haben sich zusammengefunden, um ein paar unbeschwerte Stunden zu bescheren. Der Handharmonika-Spielring Schnaitheim unterhielt mit spritzigen Schlagern, und stimmte so auf den großen Kraftakt ein, den die Feuerwehr des Ortsteils bravourös bewältigte. Und damit ist nicht nur das kunstvolle Aufrichten des rund 25 Meter hohen Maibaums und das Anstecken der Zunftzeichen gemeint, auch wenn das ja der eigentliche Zweck und Höhepunkt der Zusammenkunft war. Natürlich geriet das abermals zum großen Spektakel für große und kleine Zuschauer, die Kran und Baum dicht gedrängt säumten, in gebührendem Abstand, versteht sich. Die Feuerwehr hatte aber auch alle Hände voll zu tun, die Schlangen an den Imbissständen zu bewältigen und mit Speisen und Getränken zu versorgen.
„Das Herz unseres Ortes“
Im Festzug gab der Musikverein Ton und Rhythmus vor, zu dem die Heidenheimer Majoretten ihre Choreografien zeigten, die Turnerinnen und Turner ebenfalls ihr Können unter Beweis stellten und schließlich Mitglieder der „DIE“-Vereinigung dem da noch liegenden Maibaum voranschritten. „Die Unternehmer sind das Herz unseres Ortes, damals wie heute“, hatte Brigitte Bosch-Klement ausgeführt, und sie wurden auch mit großer Herzlichkeit beklatscht.

Das Herz des Ortes war allerdings an diesem Abend auch der Rathausplatz, der auch dann noch nicht leer wurde, als alle Zunftzeichen und auch das Schnaitheimer Wappen angebracht waren und die Sonne noch nicht einmal mehr die Spitze des Maibaums erreichen konnte. Zu den Klängen des Musikvereins verweilten die Besucher noch lange rund ums Brenzle und genossen Lebensfreude, Zusammensein, Gespräche und das gemeinsame Feiern, ganz wie es Bosch-Klement ihnen gewünscht hatte.
„Sie werden mich nicht los“
Und der Rasierschaum war auch schon da: Die Kinder hatten ihren Spaß daran, mit dem weißen Schaum ihren Schabernack zu treiben und sich gegenseitig einzuseifen – eine Tradition, die wohl zum Maibaumaufrichten untrennbar dazugehört, zu den Maischerzen allemal. Und weil sie den Schabernack auch nur untereinander trieben und niemand davon beeinträchtigt wurde, störte sich auch niemand an dem fröhlichen Kindertrubel.
Für Brigitte Bosch-Klement war es übrigens das erste Maibaumaufrichten als Vorsitzende. Für Simone Maiwald war es wohl das letzte – zumindest offiziell als Bürgermeisterin. Denn sie versprach, Heidenheim nicht ganz zu verlassen, sondern immer wieder gerne auf Besuch zu kommen. Und sie werde auch weiterhin ihre Meinung sagen. „Sie werden mich nicht los“, versicherte sie, und auch dafür gab es Applaus.


