Der Heidenheimer Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend mehrheitlich Johannes Krombach-Champiomont zum neuen Ersten Beigeordneten gewählt. Er wird damit der Nachfolger von Bürgermeisterin Simone Maiwald, die Ende Mai in den Ruhestand geht. Krombach-Champiomont erhielt 26 der 32 Stimmen aus dem Gemeinderat. Auf seine Mitbewerberin Alexandra Köwilein entfielen sechs Stimmen, eine weitere Bewerberin, Irina Peppa, erhielt keine Stimme.
Krombach-Champiomont war der einzige der drei Bewerber, der sich dem Gremium öffentlich vorstellen durfte. Der Volljurist, der derzeit noch Leiter des Dezernats Ordnung und Vorsorge beim Landratsamt ist, konnte das Gremium mit seiner professionellen Vorstellung überzeugen: „Kommunale Entwicklung gelingt dort am besten, wo Verwaltung, Politik und Bürgerschaft nicht nebeneinander, sondern miteinander handeln.“ Er sehe seine Stärke in der Rolle als Vermittler, sagte Krombach-Champiomont. „Wichtig ist mir eine vertrauensvolle und überparteiliche Zusammenarbeit, um Herausforderungen gemeinsam zu meistern.“
Lebensqualität gestalten
Seine Schwerpunkte sieht er darin, dazu beizutragen, dass die Stadt sauber, sicher, generationengerecht und lebenswert bleibt. Außerdem gelte es, angesichts enger finanzieller Spielräume zu priorisieren und effiziente Prozesse zu schaffen, um handlungsfähig zu bleiben. „Doch Verwaltung erschöpft sich nicht im Organisieren, sie gestaltet Lebensqualität“, so Krombach-Champiomont.
Als weitere Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit zählte er die Themen Bildung und Familie, Jugend, Kultur, Sport und Ehrenamt auf. Bei all den Herausforderungen in diesen Bereichen sei entscheidend, dass sie von den Menschen, den Mitarbeitern in der Verwaltung, umgesetzt werden: „Motivation entsteht durch Vertrauen, klare Ziele und Wertschätzung“. Der Gemeinderat könne von ihm Führungsstärke, Empathie, juristische Fachexpertis und Verwaltungserfahrung, strategisches Denken und Handeln sowie eine verlässliche und überparteiliche Zusammenarbeit erwarten, sagt Krombach-Champiomont.
Im Vorfeld der Wahl hatte es viele Diskussionen über das Auswahl- und das Wahlverfahren gegeben, das für die Öffentlichkeit undurchsichtig, aber wohl auch in Reihen des Gemeinderats nicht unumstritten war. Deshalb versuchte der Vorsitzende der Freie-Wähler-Fraktion noch vor der Wahl, Klarheit zu schaffen. Man habe sich darauf verständigt, dass die Kandidaten ein Auswahlverfahren durchlaufen sollen. Die Bewertungskommission sei vom Ältestenrat gebildet worden und habe aus einem Vertreter jeder Fraktion und dem Oberbürgermeister bestanden. Insgesamt seien 14 Bewerbungen eingereicht worden.
„Aus Kosten- und Kapazitätsgründen sollten maximal sechs Personen zum Assessment-Center eingeladen werden“, sagte Ralf Willuth, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Für die erste Vorauswahl habe man die vom Gemeinderat beschlossene Stellenausschreibung und die vier wesentlichen Anforderungskriterien herangezogen. Letztlich habe sich der Ältestenrat darauf geeinigt, fünf Bewerber zum weiteren Verfahren einzuladen, drei hätten es durchlaufen. „Am Schluss wurden die Bewertungen verglichen. Die Bewertungsergebnisse waren nahezu homogen“, betonte Willuth. Ein Bewerber sei als in besonderem Maße geeignet, ein weiterer als nur bedingt geeignet und ein dritter als nicht ausreichend geeignet eingestuft worden.
„Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir in einem transparenten und nachvollziehbaren Verfahren unsere Pflicht zur Besten-Auswahl nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt haben“, so Willuth.„Die Wahl von Herrn Krombach-Champiomont steht meines Wissens außer Frage.“ Auch ihm wäre es lieber gewesen, die Wahl zwischen zwei oder drei vergleichbaren Kandidaten zu haben. „Im vorliegenden Fall würde ich es für respektlos und unfair halten, wenn wir weitere Bewerberinnen oder Bewerber zur Vorstellung eingeladen hätten, obwohl sie keine realistischen Chancen haben. Das wäre unehrlich und würde unbegründet Hoffnungen wecken“, so Willuths Begründung. „Eine Wahl ist eben auch eine Auswahl. Das ist unumgänglich.“
Dass der Fraktionsvorsitzende damit nicht für den ganzen Gemeinderat sprach, zeigt das nicht einstimmige Wahlergebnis. Zumindest in Willuths Fraktion scheint es auch andere Meinungen zu geben: „Es geht nicht um die Person, der Kandidat bringt fachlich und persönlich Vieles mit“, sagte Stadträtin Tanja Oechsle (Freie Wähler). Deutliche Kritik äußerte sie jedoch am Auswahlverfahren. Sie bemängelte, dass sich nur ein Kandidat vorstellen durfte, jedoch drei zur Wahl standen: „Das passt nicht zusammen. Wir sollen hier eine Auswahl treffen, ohne eine Auswahl gehabt zu haben“. Das vom Gemeinderat beschlossene Verfahren sei nicht eingehalten worden.
Wer letztlich für Krombach-Champiomont gestimmt hat, ist nicht bekannt, da die Wahl geheim mit Stimmzetteln abgehalten wurde.

Heidenheimer Stadtverwaltung: Bürgermeister-Suche mit Hindernissen
Vom Landratsamt ins Rathaus
Der Volljurist Johannes Krombach-Champiomont (38) ist seit Juni 2024 Leiter des Dezernats Ordnung und Vorsorge im Landratsamt Heidenheim. Der gebürtige Hesse studierte Rechtswissenschaft an der Universität Gießen sowie in Norwegen und erwarb im Anschluss an die Erste Juristische Prüfung einen Magisterabschluss im Internationalen Recht. Im Anschluss an das 2. Staatsexamen absolvierte er bis 2017 den interdisziplinären Masterstudiengang „Staat und Verwaltung in Europa“ an der Universität Speyer.
Nach dem Berufseinstieg als Jurist in der Bundeswehr wechselte Krombach-Champiomont Ende 2018 in die Innenverwaltung des Landes. Im Landratsamt Main-Tauber-Kreis war er mehr als drei Jahre als Leiter des Kreisbauamtes sowie als Justiziar tätig. Im März 2022 folgten die Versetzung an das Regierungspräsidium Tübingen und die Abordnung als Europa-Referent an das Staatsministerium Baden-Württemberg mit Aufenthalten in Berlin und Brüssel, wo er zeitweise auch als Ressortbeauftragter für das Innenministerium fungierte. Vom Staatsministerium führt ihn sein beruflicher Weg ins Landratsamt Heidenheim. Seinem Dezernat sind die Fachbereiche Sicherheit und Ordnung, Straßenverkehr sowie Brand- und Katastrophenschutz zugeordnet.
Johannes Krombach-Champiomont lebt in Heidenheim, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

