Integration

„Knallerferien“ in Heidenheim: Ferienwoche verbindet Sprache, Kultur und Gemeinschaft

Deutsch sprechen, neue Freundschaften schließen und gemeinsam die Ferien erleben: Die „Knallerferien“ im Treff 9 verbinden Sprachförderung mit Ausflügen und Freizeitangeboten für Kinder mit Flucht- und Migrationsgeschichte.

Im Treff 9 wird in den Sommerferien nicht nur gespielt und gebastelt, denn bei den „Knallerferien“ stehen Sprache, Kultur und Gemeinschaft im Mittelpunkt. Die einwöchige Ferienfreizeit der Kinderstiftung Knalltüte richtet sich an Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren mit Flucht- oder Migrationsgeschichte. In diesem Jahr nehmen 15 Mädchen und Jungen, überwiegend aus Syrien und der Ukraine, teil.

Bereits zum dritten Mal organisiert die Kinderstiftung das Projekt gemeinsam mit dem Integrationsmanagement der Stadt Heidenheim. Die Kinder werden über das Integrationsmanagement ausgewählt. Die Leitung übernimmt Sozialpädagogin Barbara Hoffmann, unterstützt von rund zehn Ehrenamtlichen – darunter Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere engagierte Helfer, die sich je nach ihren zeitlichen Möglichkeiten einbringen.

„Das ist ein richtiges Erlebnis für die Kinder“, sagt Hoffmann. Ziel sei es, die deutsche Sprache auch während der Ferien spielerisch weiterzuentwickeln. Dabei orientiere sich das Programm stets an den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder. Alltagssituationen, gemeinsames Sprechen und kreative Aufgaben stünden im Mittelpunkt. Die Kinder sammeln ihre Arbeitsblätter während der Woche in persönlichen Lernordnern und können so ihre Fortschritte festhalten.

Kultur als Türöffner

Das Ferienprogramm verbindet Sprachförderung mit kulturellen Erlebnissen. Ein Höhepunkt ist der Besuch des Naturtheaters Heidenheim. Bereits im Vorfeld setzen sich die Kinder mit der Geschichte und den Figuren des diesjährigen Stücks „Vorstadtkrokodile“ auseinander, sodass sie die Aufführung besser verstehen und anschließend darüber sprechen können. Außerdem stehen unter anderem ein Besuch der Stadtbibliothek, eine Stadionführung beim 1. FC Heidenheim, Ausflüge sowie kreative Angebote auf dem Programm.

(von links nach rechts): Sozialarbeiter Brian Günther, Stiftungsreferentin Inga Gross und Sozialpädagogin Barbara Hoffmann. Lucy Potzel

„Die Kinder sollen Kultur erleben und Sprache ganz selbstverständlich anwenden“, erklärt Hoffmann. Gleichzeitig entstünden Freundschaften. Obwohl die Gruppe aus unterschiedlichen Herkunftsländern komme, hätten sich die Kinder schnell kennengelernt und würden inzwischen selbstverständlich miteinander spielen und sprechen.

Auch für das Integrationsmanagement ist das Angebot ein Gewinn. „Das ist für alle Seiten eine Win-win-win-Situation“, sagt Sozialarbeiter Brian Günther. Die Kinder lernten Sprache und Kultur kennen, während die Eltern entlastet würden und ihre Kinder in den Ferien sinnvoll beschäftigt seien. Spenden machen das Angebot möglich.

Vollständig spendenbasiert

Dass die „Knallerferien“ bereits zum dritten Mal stattfinden können, ist vor allem dem Engagement der Kinderstiftung Knalltüte zu verdanken. Stiftungsreferentin Inga Grosse betont, dass das Ferienangebot vollständig spendenfinanziert sei. In diesem Jahr habe insbesondere eine Förderung durch die Karl-Heinz-Wilhelm-Stiftung im Rahmen der Weihnachtsaktion von HZ und Kreissparkasse „Unsere Hilfe zählt“ die Umsetzung ermöglicht.

„Ohne diese Unterstützung könnten wir ein solches Projekt nicht anbieten“, macht Grosse deutlich. Neben finanziellen Mitteln sei aber auch der Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher unverzichtbar. „Die Kinder können sich auf die Ehrenamtlichen einlassen. Das funktioniert nur, weil viele Menschen ihre Zeit spenden und jeder seine eigenen Fähigkeiten mitbringt.“ Rund zehn Freiwillige – darunter auch Lehrkräfte – begleiten die Ferienwoche je nach zeitlicher Verfügbarkeit. Stiftungsreferentin Inga Grosse betont, dass die Kinder während der Woche enge Beziehungen zu den Ehrenamtlichen aufbauen könnten. „Die Kinder können sich auf die Ehrenamtlichen einlassen“, sagt sie. Neben Geldspenden seien deshalb auch Menschen gefragt, die Zeit investieren und das Projekt unterstützen.

Für Inga Grosse zeigt das Projekt, wie viel durch gemeinsames Engagement erreicht werden kann. Dank der Unterstützung der Karl-Heinz-Wilhelm-Stiftung, zahlreicher Spender und Ehrenamtlicher könne Kindern jedes Jahr eine Ferienwoche ermöglicht werden, die weit über reine Freizeitgestaltung hinausgehe. „Die Kinder nehmen nicht nur schöne Erlebnisse mit nach Hause, sondern gewinnen auch sprachlich und persönlich an Sicherheit“, fasst sie zusammen.

Für wen sind die Knallerferien?

Vor Krieg, Gewalt oder Unsicherheit geflohen – derzeit verbringen 15 Kinder aus Syrien und der Ukraine gemeinsam eine Ferienwoche im Treff 9. Die „Knallerferien“ richten sich an Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren mit Flucht- oder Migrationsgeschichte. Ausgewählt werden sie über das Integrationsmanagement der Stadt Heidenheim. Im Mittelpunkt stehen Sprachförderung, kulturelle Bildung und das Miteinander: Beim Spielen, Basteln und auf Ausflügen lernen sich die Kinder kennen – unabhängig von ihrer Herkunft.