Jean Améry (Hans Mayer), Wiener Jude, interniert, als Widerstandskämpfer gefoltert, Auschwitz-Häftling, der auch nach 1945 bis zu seinem Suizid an den Deutschen litt, sollte vielleicht etwas genauer zitiert werden. Jedenfalls war er sehr fern davon, als Opfer „auf die Täter zuzugehen“. Eine „Auslöschung der Schande“, die darin besteht, Schuld nicht einzubekennen, eine Rehabilitierung des deutschen Volkes sei nur möglich, wenn die Untaten des Dritten Reiches nicht verdrängt, sondern als „negatives Eigentum“ anerkannt würden.
Erinnerung an NS-Zeit am FCH-Stadion: Stele am Heidenheimer Schlossberg als politisches Zeichen aufgestellt
„Was geschah, geschah: Der Satz ist ebenso wahr, wie er moral- und geistfeindlich ist. Der sittliche Mensch fordert Aufhebung der Zeit. Im besonderen, hier zur Rede stehenden Fall: durch Festnagelung des Untäters an seine Untat. Mit ihr mag er bei vollzogener Zeitumkehrung als Mitmensch dem Opfer zugestellt sein.“ Und: „Zwei Menschengruppen, Überwältiger und Überwältigte, würden einander begegnen am Treffpunkt des Wunsches nach Zeitumkehrung und damit nach Moralisierung der Geschichte.“ Forderung und wenigstens Wunsch nach Zeitumkehrung, die ja gar nicht möglich ist.
Alfred Hoffmann, Heidenheim