Leserbrief

Jean Améry sollte in Heidenheim genauer zitiert werden

Leserbrief zu einer an die NS-Zeit erinnernden Stele bei der Heidenheimer Voith-Arena und zu zwei dazu in der Heidenheimer Zeitung erschienenen Leserbriefen:

Jean Améry (Hans Mayer), Wiener Jude, interniert, als Widerstandskämpfer gefoltert, Auschwitz-Häftling, der auch nach 1945 bis zu seinem Suizid an den Deutschen litt, sollte vielleicht etwas genauer zitiert werden. Jedenfalls war er sehr fern davon, als Opfer „auf die Täter zuzugehen“. Eine „Auslöschung der Schande“, die darin besteht, Schuld nicht einzubekennen, eine Rehabilitierung des deutschen Volkes sei nur möglich, wenn die Untaten des Dritten Reiches nicht verdrängt, sondern als „negatives Eigentum“ anerkannt würden.

Der Augenblick nach der Enthüllung der Erinnerungsstele vor dem Haupteingang der Voith-Arena auf dem Heidenheimer Schlossberg: Zu sehen ist eine der drei Seiten, hier eine Fotomontage mit Fußball und SA-Sportschule.

Erinnerung an NS-Zeit am FCH-Stadion: Stele am Heidenheimer Schlossberg als politisches Zeichen aufgestellt

Vor der Voith-Arena ging es dieses Mal nicht um Tore, Punkte oder den nächsten Gegner, sondern um die deutsche Geschichte und die Demokratie von heute. Mehr als hundert Menschen kamen zur Enthüllung einer Erinnerungsstele und erlebten ein ungewöhnlich deutliches politisches Signal von FCH, Fanszene und Stadt.
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Heidenheim
Voith-Arena

„Was geschah, geschah: Der Satz ist ebenso wahr, wie er moral- und geistfeindlich ist. Der sittliche Mensch fordert Aufhebung der Zeit. Im besonderen, hier zur Rede stehenden Fall: durch Festnagelung des Untäters an seine Untat. Mit ihr mag er bei vollzogener Zeitumkehrung als Mitmensch dem Opfer zugestellt sein.“ Und: „Zwei Menschengruppen, Überwältiger und Überwältigte, würden einander begegnen am Treffpunkt des Wunsches nach Zeitumkehrung und damit nach Moralisierung der Geschichte.“ Forderung und wenigstens Wunsch nach Zeitumkehrung, die ja gar nicht möglich ist.

Alfred Hoffmann, Heidenheim