Jazz Heidenheim

Jazz mal anders: „Italian Touch“ begeistert ausverkauftes Publikum in der Stadtbibliothek Heidenheim

„Italian Touch“ begeistert die ausverkaufte Stadtbibliothek Heidenheim mit Jazz, Filmmusik und italienischem Flair. Am Ende gibt es Standing Ovations.

Ausverkauft war der Margarete-Hannsmann-Saal der Stadtbibliothek Heidenheim, als das Trio „Italian Touch“ dort am Samstagabend auftrat. Ein Beweis dafür, wie flexibel und gelungen der Verein Jazz Heidenheim derzeit seine Spielorte wechselt. 

Schon der erste Titel zeigte den besonderen Charakter des Trios: Akkordeonspieler Salvatore La Ferrera, dreimaliger Weltmeister im Jazz-Akkordeon, spielte traumversunken wie im eigenen Kosmos. Gemeinsam mit dem Gitarristen und Sänger Simone Magliozzi sowie Andreas Holdenried (Saxofon, Klarinette) wechselten die drei beständig zwischen Begleitung und Hauptrolle, ohne je die Balance zu verlieren.

Musikalische Vielfalt mit italienischem Flair

Alle Songs, darunter Filmmusik von Nino Rota und einige Titel von Gorni Kramer, wurden immer wieder von Applaus unterbrochen. „Locker vom Hocker“, kommentierte Holdenried die Spielart des Trios später. Stilistisch weder modern noch traditionell angelegt, sondern eben bewusst anders. Neben selten gespielten Werken erklang auch „O sole mio“ – jedoch natürlich eigen interpretiert.

Auch Michel Legrands „Regenschirme von Cherbourg“ erhielten in mehreren Titeln eine neue Farbe: La Ferrera nutzte die Seite seines Akkordeons als Percussion-Instrument und erzeugte so noch mehr Tiefe in den Liedern. Die Musik war mal entspannt oder swingend, mal wacher und zügiger. Magliozzi zeigte in den energievollen Titeln enorme Fingerfertigkeit, während La Ferrera kaum still sitzen konnte. Er spielte körperlich, fast erzählerisch. Ein paar Mal kam auch Gesang hinzu – je mit einer kleinen Einführung zum italienischen Text, dann mit warmer, fein abgestimmter Stimme.

Eine gemeinsame Sprache der Musik

Zwischendurch erzählte Holdenried auch die Entstehungsgeschichte des Trios: ein erstes gemeinsames Kennenlernen beim Wohnzimmer‑Jam, bei dem sofort klar wurde, dass sie zusammenarbeiten wollen. Sprache sei dabei zweitrangig gewesen, denn „Musik ist die universelle Sprache“, erzählte Holdenried. Auch erklärte er die vertretenen Instrumente, sprach über die Manouche‑Gitarre und das Akkordeon als Instrument des Jahres 2026. Zwei Stücke waren als Feature angelegt, in denen Holdenried die Bühne ganz den anderen beiden Musikern überließ. 

Trotz des verregneten Abends draußen ließ das Trio den Saal wie ein Sommer in Italien wirken. Das Bühnendesign blieb schlicht, ab und zu mit einem augenzwinkernden Licht in Grün‑Rot‑Weiß. Die Interaktionen zwischen den drei Männern waren präzise abgestimmt. Mal begeisterte ein Gitarrensolo, dann eine Passage, die ganz dem Saxofon oder der Klarinette gehörte. Immer wieder versteckte La Ferrera kleine musikalische Zitate in den letzten Takten eines Songs oder imitierte keck Klingeltöne von Handys aus dem Publikum auf seinem Akkordeon. 

Standing Ovations zum Abschluss

Der Abend mit einer Mischung aus charmanter, nahbarer Moderation, virtuoser Spielweise und einer ausgezeichneten Auswahl an Titeln endete mit Standing Ovations. Jazz Heidenheim ist mit seinem Halbjahresprogramm nun weiterhin auf Tour und spielt unter anderem bald im Zinzendorfhaus und im Lokschuppen.