Den Landkreis Heidenheim und den Ostalbkreis verbindet mehr als nur eine gemeinsame Industrie- und Handelskammer (IHK), wobei diese eine entscheidende Rolle bei Kooperationen spielt: Ostwürttemberg präsentiert sich vor allem auch in wirtschaftlicher Hinsicht als Region mit gemeinsamen Interessen. Und diese bestehen nicht zuletzt darin, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Damit dies gelingt, braucht es neue Produkte und Patente – und diejenigen, die sie erfinden.
48 Bewerbungen, sechs Preisträger
Um innovative Unternehmen, aber auch Einzelpersonen auszuzeichnen, aber auch, um die Region weiter zu vernetzen, gibt es den Innovationspreis. Dieser wurde am Montagabend bei einer Feier im Businessclub der Voith-Arena verliehen. Hinter dem Innovationspreis stehen die Kreissparkassen Heidenheim und Ostalb, die IHK sowie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg (Wiro). Aus 48 Bewerbungen wählte die Jury sechs Preisträger aus, die insgesamt ein Preisgeld von 11.000 Euro erhielten.

Landrat Peter Polta betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung von „einzigartigen Ideen und schlauen Produkten“: Diese seien entscheidend für den Fortschritt und die Zukunftsfähigkeit der Region. „Große Innovationen beginnen oft mit einer einzigen guten Idee“, so Polta. Die Region Ostwürttemberg würde dafür hervorragende Voraussetzungen bieten. „Das Miteinander macht es aus“, so der Landrat. Wichtig sei dabei, die Standortvorteile herauszuarbeiten.
Anschließend präsentierte Martin Wilhelm, Verleger der Heidenheimer Zeitung, die sechs Preisträger in drei verschiedenen Kategorien. Er war kurzfristig eingesprungen für Moderator Jochen Stöckle, der aus gesundheitlichen Gründen verhindert war. In der Kategorie „Sieger/Preisträger/Auszeichnungen“ fungierten IHK-Präsident Markus Maier und Prof. Dr. Harald Riegel, Rektor der Hochschule Aalen. Da auch Markus Maier verhindert war, wurde er von Thilo Rentschler vertreten, der auf die hohe Zahl von Patentanmeldungen pro Einwohner in Ostwürttemberg verwies, die bundesweit an dritter Stelle liege.
Besser isolierte Textilien
Ausgezeichnet wurde das Heidenheimer Unternehmen „Outlast Technologies“ mit Firmensitz in den Seewiesen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf textile Thermoregulierung und Isolierung. Firmenchef Martin Bentz erläuterte den Forschungs- und Entwicklungsprozess. An dessen Anfang stand das Aerogel-Pulver, das auf Nasa-Technologie basiert und zu 99 Prozent aus Luft besteht, das laut Bentz beste Isolierungsmaterial der Welt. Im Aerogel wird die Luft in vielen kleinen Poren gespeichert, deren Größe im Nano-Bereich liegt. Die Schwierigkeit sei gewesen, das Pulver mit Textil zu kombinieren, um eine sehr hohe Isolationsleistung bei minimaler Dicke zu erreichen, die auch unter Druck und Feuchtigkeit funktioniert.
In derselben Kategorie erhielt auch die Firma „3D Global“ aus Aalen eine Auszeichnung. Das durch Dr. Matthias Hohenstein (CEO) und Chief Business Development Officer (CBDO) Selcuk Özer vertretene Unternehmen entwickelt brillenfreie 3D-Technologie. Hohenstein sprach von Bildschirmen, die sich wie ein Fenster („magic window“) öffnen und dem Auge eine dreidimensionale Wahrnehmung ermöglichen. Anwendungsmöglichkeiten gebe es unter anderem in Medizin, Industrie, Bildung und Automotive.
In der Kategorie „Gründungen und junge Unternehmen“ waren die Kreissparkassen-Vorsitzenden Dieter Steck (Heidenheim) und Markus Frei (Ostalb) die Paten. Ausgezeichnet wurde die Oestreicher GmbH aus Heidenheim mit der Geschäftsführung Dr. Christoph Oestreicher und Dr. Elke Oestreicher. Das Unternehmen mit Sitz im Leibniz-Campus (Dock 33) entwickelt KI-Lösungen und Software mit einem menschenzentrierten Ansatz. „Wir beobachten komplexe Arbeitsabläufe und suchen passende KI-Lösungen dafür“, erläuterte Dr. Elke Oestreicher. Im Unternehmen seien Informatiker und Physiker, aber auch Sozialwissenschaftler und Pädagogen beschäftigt.
Unternehmen mit KI aufgebaut
Ebenfalls um künstliche Intelligenz geht es bei den „KI Navigatoren Ostwürttemberg/Ries“, vertreten durch die Geschäftsführung Robert Weber und Marko Bauer. Deren Ziel ist es, passende KI-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen zu entwickeln. Dafür haben sie ihren ganzen Unternehmensaufbau von KI machen lassen. Dieser Prozess dient ihnen auch als Beispiel für ihre Kunden. „Es war ein sehr tiefgreifendes Experiment“, so Robert Weber, das mit gigantischer Geschwindigkeit funktioniert habe. Nach einem halben Jahr sei das Unternehmen profitabel gewesen.

In der Kategorie „Patente“ wurde „Evamo – Pump Technology Solutions PS“ mit Sitz in Schwäbisch Gmünd und Berlin ausgezeichnet. Deren Patent beschreibt eine Flügelzellenpumpe mit neuartiger Strömungsgeometrie, durch die Wirkungsgrad und Performance verbessert werden. Dadurch kann auch der Kraftstoffverbrauch für hydraulische Lenksysteme reduziert werden. Florian Fauser, Leiter Gesamtentwicklung, betonte die Bedeutung des Patents für das Unternehmen. „Das schützt uns und ist sehr wichtig“, sagte er.
Als der Roboter vom Tisch fuhr
Die absoluten Publikumslieblinge waren die beiden jüngsten Preisträger: Oliver Löwe (12) und Luca Schminder (11) gehören zu den „Builders“, einem Schülerteam aus der Lego-Mindstorms-AG des Herbrechtinger Buigen-Gymnasiums. Sie haben zum Thema „Roboter unterstützen das Leben im Weltraum“ ein Robotersystem mit vier Robotern entwickelt: Träger-Roboter, Mess-Station, Bohr-Roboter und Solar-Station. Bei der Weltmeisterschaft in Singapur haben die beiden Schüler als bestes europäisches Team abgeschlossen. Oliver Löwe berichtete, wie zwei Wochen vor dem Finale der Atlas-Träger-Roboter vom Tisch fuhr und zu Boden fiel. „Wir mussten einfach weitermachen und alles nochmal bauen“, erinnerte er sich. „Da können sich Erwachsene eine Scheibe abschneiden“, lobte Landrat Peter Polta das Durchhaltevermögen der beiden Lego-begeisterten Schüler. Er selbst erinnerte sich, bei einem Legobau-Wettbewerb der Kreissparkasse Schwäbisch Gmünd nicht mal einen Trostpreis erhalten zu haben.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Sopranistin Katja Maderer, die Ensemblemitglied der Opernfestspiele war.
Das war die Jury des Innovationspreises
Ausgewählt wurden die Preisträger von einer Jury, die aus folgenden Personen bestand: Landrat Dr. Joachim Bläse (Aufsichtsratsvorsitzender der Wiro), Markus Frei (Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ostalb), Dr. Werner Lorenz (Lorenz und Kollegen Patentanwälte), Thilo Rentschler (Hauptgeschäftsführer der IHK), Sven Hendrik Schmidt (Dr. Weitzel & Partner Patent- und Rechtsanwälte), Dieter Steck (Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heidenheim) sowie Prof. Iman Taha (Prorektorin der Hochschule Aalen).
