Dass die Stadtverwaltung Heidenheim die mehr als 200 eingegangenen Bürgereinwände zur Umwidmung der Grabenstraße den Stadträten nicht wie sonst üblich detailliert vorgelegt hat, setzt der aktuellen Debatte die Krone auf. Wenn im Rathaus mit Selbstzufriedenheit verkündet wird, diese Masse an Kritik sei „nicht viel“, und man die Einwände im stillen Kämmerlein abwickelt, wirft das schwerwiegende demokratiepolitische Fragen auf.
Warum verweigert die Stadt hier die lückenlose Offenlegung? Die Antwort liegt auf der Hand: Es drängt sich unweigerlich der Verdacht auf, dass kritische Stimmen und handfeste Argumente gezielt verschleiert werden sollen, um eine erneute Diskussion im Keim zu ersticken. Die gewählten Stadträte können ihre Kontrollfunktion gegenüber der Verwaltung aber nur dann wahrnehmen, wenn ihnen alle Fakten und Bürgermeinungen ungefiltert und vollständig vorliegen. Alles andere ist Zensur am Gemeinderat vorbei. Hier müsste das Gremium geschlossen sein Recht einfordern – schon aus Prinzip.
Zudem verhöhnt dieses Vorgehen jeden Bürger, der sich im Frühjahr die Mühe gemacht hat, eine Stellungnahme einzureichen. Erst wurde im Dezember 2025 die Umwidmung zur Fußgängerzone durchgepeitscht, noch bevor der eigentliche Verkehrsversuch beendet war und man die daraus gewonnenen Zahlen, Daten und Fakten überhaupt auswerten konnte. Um den Protesten Wind aus den Segeln zu nehmen, wurde den Bürgern danach eine dreimonatige Frist eingeräumt, nur um die daraus hervorgegangenen Einwände jetzt stillschweigend unter den Tisch fallen zu lassen.
Wenn angebrachte Bedenken einfach weggesperrt werden, verkommt die gesamte Bürgerbeteiligung zur reinen Alibi-Veranstaltung. Erst eine Offenlegung würde zeigen, welches qualitative Gewicht hinter jedem einzelnen Schreiben steckt. Seien es die Existenzängste von Händlern, die massiven Alltagsprobleme der Anwohner oder die Sorgen von Gehbehinderten, die die Busse in der Grabenstraße nun nicht mehr nutzen können. Dabei ist es völlig egal, in welchem Stadtteil die Betroffenen wohnen oder arbeiten.
Einwände von Bürgern, die unsere Innenstadt oft besuchen oder zwingend auf Fahrdienste und den ÖPNV angewiesen sind, wiegen genauso schwer. In den Stellungnahmen von Organisationen, Parteien, Händlern und Bürgern steckt wertvolles Praxiswissen über Alltagsprobleme, Bus-Taktzeiten, Kundenfrequenzen und Erreichbarkeiten. Dieses Wissen einfach auszublenden, führt zu handwerklichen Fehlplanungen auf Kosten der gesamten Heidenheimer Innenstadt. Ein Oberbürgermeister sollte nicht stolz darauf sein, Kritik geräuschlos auszusitzen. Wahre kommunale Führung zeigt sich darin, Gegenwind transparent zu machen, alle Karten offen auf den Tisch zu legen und die Bürger mitzunehmen, anstatt sie mundtot zu machen.
Christoph Weichert, Heidenheim