Fragen und Antworten

Gesundheit im Landkreis: Die Kandidaten zur Landtagswahl im Vergleich

Wie soll die Gesundheitsversorgung der Zukunft aussehen? Dazu haben unsere Leserinnen und Leser, den Kandidaten der Landtagswahl Fragen gestellt. Das Klinikum Heidenheim, die wohnortnahe medizinische Versorgung und die Pflege im Alter sind Thema. So haben die Kandidaten geantwortet.

Wie wollen Sie den Erhalt des kommunalen Klinikums in Heidenheim unterstützen?

Andreas Stoch (SPD): Verantwortungslosen Schließungen stellt sich die SPD entschieden entgegen. Wir wollen mit Landkreisen, Kommunen und Akteuren im Gesundheitswesen einen Zukunftsplan Krankenhäuser 2040 erstellen. Die Investitionskosten für Krankenhäuser erhöhen wir von etwa 500 auf 800 Millionen Euro.

Clara Resch (Grüne): Das Klinikum bleibt erhalten, baut im Moment ja auch neu und aus. Nicht zuletzt durch unseren Einsatz aus Heidenheim. Ich setze mich dafür ein, dass die Investitionsförderung für Krankenhäuser weiter erhöht wird. 

Michael Kolb (CDU): Ich setze mich klar für den Erhalt des Klinikums Heidenheim ein. Das Land muss kommunale Kliniken finanziell stabilisieren, Investitionen fördern und Bürokratie abbauen. Für unseren Landkreis heißt das: ein leistungsfähiges Haus mit moderner Ausstattung und verlässlicher Notfallversorgung.

Klara Sanwald (FDP): Die Krankenhausreform führt zu mehr Verantwortung der Länder in der Krankenhausplanung. Das Land muss im Schulterschluss mit den Krankenhausträgern vor Ort die stationäre regionale Versorgung inklusive der Notfallversorgung sicherstellen. Das Klinikum Heidenheim ist nach meiner Kenntnis für eine gute klinische Versorgung notwendig und auch ein zentraler Standortfaktor für Heidenheim.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Wir unterstützen die Maßnahmen und Forderungen des Landkreises im Stuttgarter Landtag.

Daniel Rolfs (Linke): Gesundheitsversorgung ist ein Grundrecht. Daher wollen wir die Privatisierung von Krankenhäusern vollständig stoppen. Wir stehen für Zuschüsse, Rekommunalisierung, demokratische Kontrolle durch Beschäftigte und Gewerkschaften und setzen uns dafür ein, dass die Schuldenbremse hier nicht im Weg steht.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Wie überall: Vorschriften reduzieren und geleistete Arbeit bezahlen, anstatt Pauschalen. Konservative und alternative Heilungsmaßnahmen einsetzen und nicht zu schnell operieren. Genau prüfen, was wir in Heidenheim anbieten müssen für die Menschen im Landkreis.

Maurice Chesauan (BSW): Durch eine Investitionsfinanzierung des Lands Baden-Württemberg. Der Erhalt des Klinikums in Heidenheim ist eine Priorität für die Menschen in unserem Landkreis. Es darf in der Frage um die Gesundheit nicht um Profit gehen, sondern um Kostendeckung.

Wie stellen Sie eine wohnortnahe ambulante und stationäre medizinische Versorgung sicher?

Andreas Stoch (SPD): Mit dem Landärzteprogramm werden wir die Zahl der Medizinstudienplätze um 500 erhöhen und ärztliche Versorgung in der Fläche sichern. Der kassenärztliche Notfalldienst muss überall in 30 Pkw-Minuten erreichbar sein. Auch können gut ausgebildete Gemeindeschwestern Teile der Versorgung übernehmen.

Clara Resch (Grüne): Die wohnortnahe Versorgung sichern wir durch starke Hausarztstrukturen, moderne Kliniken und bessere Arbeitsbedingungen. Wo sich Krankenhausangebote verändern, müssen ambulante, niedrigschwellige Alternativen wie MVZ, Primärversorgung und Telemedizin greifen, damit niemand durchs Raster fällt. 

Michael Kolb (CDU): Ich will eine wohnortnahe Versorgung im ganzen Landkreis sichern. Dazu gehören starke Hausärzte, Facharztangebote vor Ort, medizinische Versorgungszentren und ein gut aufgestelltes Klinikum. Telemedizin kann ergänzen, ersetzt aber nicht die persönliche Versorgung.

Klara Sanwald (FDP): Im ambulanten Bereich muss die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg mit ins Boot geholt werden. Denn diese ist für die Sicherstellung verantwortlich. Ich möchte auch die lokale Ebene einbinden. Die Kreisgesundheitskonferenzen können hier wichtige Impulse geben. Die FDP setzt sich für eine Vernetzung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes und des Rettungsdienstes im Sinne einer Gesundheitsleitstelle ein. Dazu brauchen wir auch den Einsatz innovativer digitaler und telemedizinischer Möglichkeiten.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Um dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen, könnte man Medizinstudienplätze primär an fachlich geeignete Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach dem Studium für mehrere Jahre in unterversorgten Gebieten zu arbeiten.

Daniel Rolfs (Linke): Wir wollen Polikliniken bzw. Solidarische Stadtteilgesundheitszentren (SGZ) und Community Health Nurses (CHN) als weitere öffentliche, wohnungsnahe Versorgung errichten. Medizinische Versorgungszentren wollen wir bezuschussen, aber in kommunaler Hand führen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Für die Sicherstellung sind strukturelle Veränderungen notwendig: Bürokratieabbau, mehr Medizinstudenten zulassen, das Modell der „Gemeindeschwester“ (Community Health Nurse) ausweiten sowie Fortbildungen medizinischer Ausbildungsberufe ausbauen für eine bessere Versorgung.

Maurice Chesauan (BSW): Durch Förderung von regionalen Versorgungsnetzen: Ambulante und stationäre Einrichtungen sollen kooperativ und bedarfsorientiert arbeiten.

Kann ich mich darauf verlassen, alt werden zu dürfen und bezahlbare Pflege zu erhalten?

Andreas Stoch (SPD): Damit insbesondere stationäre Pflege bezahlbar ist, muss der Eigenanteil der Pflegebedürftigen an den Kosten deutlich sinken. Deshalb fordern wir bereits seit Jahren, dass das Land die Investitionskosten von Pflegeeinrichtungen wieder fördert.

Clara Resch (Grüne): Mein Ziel und das Ziel der Grünen ist, verlässliche und bezahlbare Pflege zu sichern. Dafür sollen Pflegeangebote gestärkt, Pflegekräfte besser bezahlt und entlastet werden. Das ist unser klarer Anspruch.

Michael Kolb (CDU): Alle Menschen sollen im Alter gut versorgt sein und Pflege bezahlbar bleiben. Dafür braucht es mehr Pflegeplätze, ambulante Angebote und Unterstützung pflegender Angehöriger.

Klara Sanwald (FDP): Ja. Aber wir sind politisch in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Pflege nicht zu immer höheren Beiträgen in der Sozialversicherung führt. Dazu gehört zum einen, das Leistungs- und Ordnungsrecht zu flexibilisieren und zum anderen die private Vorsorge zu stärken, um die Pflegeversicherung generationengerecht zu gestalten. Ein Anfang wurde bereits vor vielen Jahren mit dem so genannten Pflege-Bahr gemacht, der inzwischen leider in Vergessenheit geraten ist.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Der Sozialstaat hat Verfassungsrang. Reicht die eigene Rente für die Pflege nicht aus, greift die Pflegeversicherung und danach das Sozialamt oder die Kinder, sofern diese ein Einkommen über 100.000 EUR p.a. erzielen. Die Überlastung der Sozialsysteme durch ungeregelten Zuzug ist zu verhindern.

Daniel Rolfs (Linke): Jede:r soll alt werden dürfen und bestmögliche Pflege erhalten. Dafür kämpfen wir!

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Nein. Das System ist politisch kaputtgespart, bürokratisch überfrachtet und personell am Limit. Bezahlbare Pflege ist für viele heute schon nicht mehr gesichert. Wer etwas anderes behauptet, täuscht die Bürger. Ohne grundlegenden Kurswechsel wird Altern zum Armutsrisiko.

Maurice Chesauan (BSW): Unter der aktuellen Landesregierung sicherlich nicht. Die Eigenanteile für stationäre Pflege steigen in Baden-Württemberg weiter auf aktuell durchschnittlich 3000 Euro pro Monat. Pflege darf keine Armutsfalle sein, genau deshalb wollen wir eine solidarische Pflegevollversicherung und die Deckelung der Eigenanteile auf 1000 Euro. Zudem müssen pflegende Angehörige finanziell entlastet werden.

Warum wird immer noch an so vielen Krankenkassen und am Beamtenwesen mit extra Begünstigungen festgehalten?

Andreas Stoch (SPD): Die SPD fordert seit Langem eine umfassende Reform der Kranken- und Pflegeversicherung hin zu einer Bürgerversicherung. Damit soll der Kreis der Solidargemeinschaft vergrößert und gleiche Rechte und gleiche Verpflichtungen für alle Versicherten durchgesetzt werden.

Clara Resch (Grüne): Wir Grünen sehen das derzeitige System mit vielen Krankenkassen und einer Zweiteilung in GKV/PKV als ungerecht und ineffizient. Wir befürworten langfristig eine Bürgerversicherung, die alle einbezieht und Solidarität stärkt. Wir Grünen kritisieren strukturelle Vorteile für Beamte im Krankenversicherungssystem (z. B. Beihilfe/PKV). Wir setzen uns dafür ein, dass Beamte leichter Zugang zur GKV haben und keine Sonderstellung auf Kosten der Solidargemeinschaft erhalten. Unser erklärtes Ziel ist ein gerechteres, solidarisches System: Wir wollen die Krankenversorgung fairer finanzieren, Beiträge stabilisieren und Ungleichheiten abbauen – nicht nur im Gesundheitssystem, sondern auch im Zusammenhang mit Sonderrechten im öffentlichen Dienst.

Michael Kolb (CDU): Wir setzen auf ein solidarisches, aber leistungsfähiges Gesundheitssystem. Unterschiedliche Systeme wie gesetzliche Kassen und Beihilfe sind historisch gewachsen. Entscheidend ist für mich, die Effizienz zu steigern und Leistungen fair zu finanzieren – zum Nutzen aller Versicherten.

Klara Sanwald (FDP): Die bloße Anzahl der Krankenkassen ist nicht Ursache des Finanzierungsproblems in der gesetzlichen Krankenversicherung. Beamte sind wie weitere versicherungsfreie Gruppen nicht Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Viel wichtiger ist, dass versicherungsfremde Leistungen vom Bund finanziert werden und nicht Jahr für Jahr die Beitragszahler belastet. Die duale Krankenversicherung hat eine lange Tradition und sorgt unter anderem dafür, dass medizinische Innovation schneller in das deutsche Gesundheitswesen eingeführt wird.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Konkurrenz belebt das Geschäft und führt zu besserer Leistung. Das Berufsbeamtentum hat Verfassungsrang. Das hoheitliche Treueverhältnis zwischen Dienstherrn und Beamten bedingt die lebenslange Alimentation.

Daniel Rolfs (Linke): Gründe sind Verfassungsrecht, private Profite und der marktliberale Gedanke von Effizienz. Wir setzen uns für EINE state-of-the-art Versicherung ein, in der von allen mit Einkommen und Kapitalerträgen eingezahlt wird. Die Beitragsbemessungsgrenze soll abgeschafft werden.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Es handelt sich um gewachsene Systeme, die dringend überprüft werden müssen. Derzeit sinkt die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen, auch weil der Staat ihnen und den Beitragszahlern pro Jahr rund zehn Milliarden Euro schuldig bleibt. Die Zahl der Beamten steigt seit einigen Jahren wieder, was gestoppt werden sollte.

Maurice Chesauan (BSW): Wir sind für die Abschaffung der extra Begünstigungen und die Einführung einer Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Außerdem wollen wir den Zusatzbeitrag abschaffen und mehr Leistungen wie Zahnersatz und Sehhilfen in die Bürgerversicherung integrieren, die voll übernommen werden.

Apothekenschließungen nehmen zu, es gibt Lieferengpässe bei Medikamenten. Was werden Sie auf Landesebene tun, um Mangelversorgung entgegenzuwirken?

Andreas Stoch (SPD): Apotheken gerade im ländlichen Raum müssen erhalten bleiben. Dafür muss ihre wirtschaftliche Situation durch mehr Flexibilität und die Erweiterung der Aufgabenbereiche, z.B. durch Prävention, Impfungen und Teilnotdienste, verbessert werden. Das wäre eine gute Ergänzung der Gesundheitsversorgung.   

Clara Resch (Grüne): Wir setzen uns auf Landesebene für eine starke wohnortnahe Versorgung ein, indem wir Apotheken und Gesundheitsstrukturen im Land stärken, Lieferketten resilienter machen und die Gesundheitswirtschaft ausbauen. Ziel ist, Engpässe zu vermeiden und die Versorgung auch im ländlichen Raum zu sichern. 

Michael Kolb (CDU): Ich will Apotheken vor Ort stärken. Das Land kann Bürokratie abbauen, Versorgungszuschläge sichern und sich im Bund für verlässliche Lieferketten einsetzen. Gerade im ländlichen Raum brauchen wir wohnortnahe Apotheken als Teil der Grundversorgung.

Klara Sanwald (FDP): Ich trete für eine Stärkung der öffentlichen Apotheke vor Ort ein. Es ist gut, dass die Apothekenreform den Apotheken Perspektiven für weitere Tätigkeiten wie Impfungen gibt. Es braucht aus meiner Sicht aber auch ein auskömmliches und planbares Apothekenhonorar und eine leistungsgerechte Bezahlung nicht nur von pharmazeutischen Dienstleistungen wie Impfungen und das Anfertigen von individuellen Rezepturen, sondern eben auch für das alltägliche Kerngeschäft einer Apotheke.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Das Apothekenhonorar (Fixum) wurde seit zehn Jahren nicht erhöht, obwohl Personal- und Energiekosten immer weiter steigen. Chemie- und Pharmaindustrie im Land zu halten oder neu anzusiedeln, ist Aufgabe einer sinnvollen Wirtschafts- und Standortpolitik.

Daniel Rolfs (Linke): Das Land muss Vorräte an wichtigen Medikamenten, Impfstoffen und Materialien anlegen und die Produktion im Inland voranbringen. Auf dem Land mit wenigen Apotheken soll es mobile Kliniken und Botendienste für Medikamente geben.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Die Grundstoff- und Medikamentenherstellung muss wieder nach Europa zurückgeholt werden, um unabhängiger von Lieferketten aus Asien zu sein. Des Weiteren sollen unsere Apotheken wirtschaftlich wieder tragfähig werden. Wer in Zukunft noch nachts ein Medikament in nächster Nähe erwerben möchte, sollte auch tagsüber vor Ort einkaufen.

Maurice Chesauan (BSW): Ich befürworte Unterstützungsprogramme auf Landesebene, um Versorgungslücken und Lieferengpässe bei Medikamenten zu vermeiden.

Halten Sie Subventionen für Hausarztzentren oder Hausarztpraxen für sinnvoll, weil in der Provinz bald zu wenige Hausärzte vorhanden sind?

Andreas Stoch (SPD): Wir unterstützen Kommunen, um die hausärztliche Versorgung sicherzustellen. Wir wollen eine Stiftung zur Förderung der ambulanten ärztlichen Versorgung gründen und werden alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten ausschöpfen, um die KVBW und KZV BW zur flächendeckenden Erfüllung ihres Sicherstellungsauftrags zu zwingen.

Clara Resch (Grüne): Ich halte gezielte Unterstützung für Hausarztpraxen und -zentren im ländlichen Raum für sinnvoll, um eine wohnortnahe Versorgung zu sichern. Entscheidend sind gute Rahmenbedingungen, verlässliche Förderung und attraktive Arbeitsmodelle. Es gibt bereits eine Landarztquote, diese muss weiterentwickelt werden, auch in Hinblick auf Kinderärzte. Eine Förderung ist hier sehr sinnvoll. 

Michael Kolb (CDU): Ich halte gezielte Förderung für Hausarztpraxen im ländlichen Raum für sinnvoll. Das Land sollte Investitionszuschüsse und Stipendien für Medizinstudierende anbieten. So sichern wir die hausärztliche Versorgung im Landkreis Heidenheim und machen die Niederlassung wieder attraktiver.

Klara Sanwald (FDP): Ich setzte mich dafür ein, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Wir brauchen die Wiederherstellung der Attraktivität des Hausarztberufs. Leitbild ist die niedergelassene freiberufliche Tätigkeit. Die starke Zunahme angestellter und in Teilzeit tätiger Ärztinnen und Ärzte erfordert neue Angebotsstrukturen und multiprofessionelle Strukturen. Wichtig sind sachgerechte Vergütungsregelungen ohne Budgetdeckelungen und endlich einen wirklichen Bürokratieabbau. Ich bin offen für neue Versorgungsformen wie das „Hausärztliche Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“, kurz HÄPPI des Hausärzteverbands. Gründungs- oder Übernahmezuschüsse insbesondere im ländlichen Raum können im Einzelfall ein gangbares Instrument sein.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Um dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen, könnte man Medizinstudienplätze primär an fachlich geeignete Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach dem Studium für mehrere Jahre in unterversorgten Gebieten zu arbeiten.

Daniel Rolfs (Linke): Ja, wir sind für die Auflage eines Hausarztaktionsprogrammes. Wir bieten noch weitere Maßnahmen für bessere, wohnungsnahe Versorgung mit professionsübergreifenden Strukturen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Subventionen sind der falsche Ansatz. Die Vergütung der geleisteten Arbeit ist in vielen Praxen nicht gegeben, die bürokratische Arbeit steigt ständig und erzwungene Ausgaben führen nicht zu einer besseren Versorgung. Falsche Vorgaben verschärfen das Problem, z. B. die neue Quotenregelung. Der Patient muss im Mittelpunkt stehen.

Maurice Chesauan (BSW): Ja definitiv! Wir dürfen die Menschen in den Provinzen nicht schlechter stellen als Leute in Ballungsgebieten. Wir fordern für die Gesundheit eine Bürgerversicherung in denen alle einzahlen, die die zwei-Klassen Medizin beendet.

Es ist dringend eine gesellschaftliche Aufwertung im Bereich der Akutpflege/Altenpflege notwendig. Wie kann dies umgesetzt werden?

Andreas Stoch (SPD): Applaus allein reicht nicht. Pflegeberufe sind hochqualifiziert und verdienen gesellschaftliche Anerkennung durch faire Bezahlung und verlässliche Arbeitszeiten, bessere Arbeitsbedingungen und Entlastung im Arbeitsalltag, echte Mitsprache und Karriereperspektiven.

Clara Resch (Grüne): Die gesellschaftliche Aufwertung der Pflege muss durch bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, mehr Mitbestimmung, verlässliche Personalbemessung sowie attraktive Aus- und Weiterbildungswege erreicht werden. Pflege soll entlastet, qualifiziert und sichtbar gestärkt werden.

Michael Kolb (CDU): Wir müssen die Pflegeberufe spürbar aufwerten. Das Land muss bessere Arbeitsbedingungen, mehr Ausbildungskapazitäten und eine faire Bezahlung unterstützen. Weniger Bürokratie und mehr Zeit für Patienten sind entscheidend, damit Pflegekräfte im Landkreis Heidenheim im Beruf bleiben.

Klara Sanwald (FDP): In den letzten Jahren wurden die Rahmenbedingungen in der Pflege ganz erheblich verbessert. Es gibt jetzt ganz neue Entwicklungsperspektiven. Wir wollen in Zukunft die Verantwortung durch mehr Delegation bis hin zur Substitution erhöhen. Die Versorgung der Zukunft wird interdisziplinärer als heute erfolgen. Die Digitalisierung bietet hierbei vielfältige Chancen. Impulse sehe ich auch in einer Imagekampagne für die Pflege- und Gesundheitsberufe. Wichtig ist auch an allen Schulformen für Pflegeberufe zu werben.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Echte Aufwertung entsteht primär durch positivere Rahmenbedingungen, nicht durch verordnete Einstellungsänderung. Eine staatliche Steuerung des Denkens widerspricht unserem Bild des freien und mündigen Bürgers. Ein Staat darf für Berufe werben, aber keine gesellschaftlichen Werturteile vorschreiben.

Daniel Rolfs (Linke): Pflegeeinrichtungen müssen unbedingt unterstützt werden. Die Einrichtungen brauchen mehr Personal, sowie menschenfreundlichere Arbeitsumgebungen, Arbeitsweisen und Bezahlungen. Durch angenehmere Arbeit und attraktivere Arbeitsplätze entsteht auch ein höheres Ansehen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Durch bessere Arbeitsbedingungen, verlässliche Dienstpläne und eine leistungsgerechte Bezahlung. Pflege braucht mehr Zeit am Menschen und weniger Dokumentationspflichten. Praxisnahe Ausbildungswege und Weiterqualifikationen müssen sich finanziell auszahlen. Pflege ist ein anspruchsvoller Beruf, eine Berufung und darf nicht länger als billige Hilfsarbeit behandelt werden.

Maurice Chesauan (BSW): In dem man die Arbeit in der Öffentlichkeit als auch finanziell endlich wertschätzt. Wir als BSW fordern deshalb: Ein Betrieb – eine Belegschaft – ein Tarifvertrag. Löhne und Arbeitsbedingungen dürfen nicht durch Tochterfirmen gedrückt werden.

Sollte es ein Gehalt für pflegende Angehörige geben?

Andreas Stoch (SPD): Ja, um Armut durch Pflege zu verhindern und Pflegearbeit gesellschaftlich anzuerkennen und wertzuschätzen, wollen wir analog zum Elterngeld ein sozialversicherungspflichtiges Gehalt für pflegende Angehörige einführen.

Clara Resch (Grüne): Pflegende Angehörige müssen auf jeden Fall besser unterstützt werden durch den Ausbau von Kurzzeit- und Tagespflege, bessere Beratung, flexible Entlastungsangebote und Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. 

Michael Kolb (CDU): Pflegenden Angehörigen gebührt größter Respekt. Eine bessere Unterstützung ist notwendig: höhere Pflegeleistungen, Rentenansprüche, flexible Arbeitsmodelle und mehr Entlastungsangebote. Ergänzend kann es auch ein Gehalt für pflegende Angehörige geben.

Klara Sanwald (FDP): Seit Anbeginn der sozialen Pflegeversicherungen gibt es Leistungen für pflegende Angehörige wie Pflegegeld und Pflegesachleistungen (abhängig vom Pflegegrad), sowie Unterstützung für die eigene Absicherung (Rente, Arbeitslosenversicherung), Entlastungsangebote (Kur, Haushaltshilfe, Pflegestützpunkte), steuerliche Vorteile und die Möglichkeit zur Arbeitszeitreduzierung (Pflegezeit), um die Pflege besser mit dem Berufsleben zu vereinbaren. Angesichts der demographischen Entwicklung und der stark zunehmenden Zahl an Menschen mit Pflegebedarf dürfen wir auch die generationengerechte Finanzierung nicht aus dem Blick verlieren.

Dr. Jürgen Müller (AfD): Das Pflegegeld ist eine monatliche Barleistung der Pflegeversicherung, die dazu dient, die häusliche Pflege durch Angehörige, Freunde oder ehrenamtliche Helfer abzugelten. Je nach Pflegegrad beträgt es derzeit bis zu 990 Euro pro Monat.

Daniel Rolfs (Linke): Eine finanzielle Entlastung muss erfolgen, aber auch eine Absicherung durch Erweiterung von Kurzzeitpflegeplätzen.

Petra Hackl (Bündnis Deutschland): Dies wäre wünschenswert, da pflegende Angehörige einen großen Beitrag leisten und ohne sie die Krise in der Pflege noch viel höher wäre. Finanziell ist dies jedoch nicht machbar.

Maurice Chesauan (BSW): Ja, sollte es auf alle Fälle! Um die Familie zu unterstützen und zu entlasten und ihre Arbeit zu wertschätzen, die sie jeden Tag für ihre Angehörigen leisten.

Die Kandidierenden für die bevorstehende Landtagswahl am 8. März 2026. Von links oben nach rechts unten: Andreas Stoch, Clara Resch, Klara Sanwald, Michael Kolb, Maurice Chesauan, Daniel Rolfs, Petra Hackl, Dr. Jürgen Müller.

Mobilität, Bildung, Wohnen, Gesundheit: Hier gibt es alle Antworten der Kandidaten zur Landtagswahl im Überblick

Bei der HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“ haben Leserinnen und Leser ihre Fragen zur Landtagswahl am 8. März an die Kandidaten stellen können. Mobilität, Bildung, Wohnen und Gesundheit sind nur einige der Themenbereiche, zu denen die Kandidaten Fragen beantwortet haben. Hier gibt es noch einmal alle Fragen und Antworten zu den unterschiedlichen Themenfeldern im Überblick:
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Landkreis Heidenheim
HZ-Aktion „Deine Stimme, Deine Themen“