Die IG Metall ruft gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Gewerkschaft Verdi zur Beteiligung an einer Großkundgebung am Freitag, 10. Juli, in Ulm auf. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr auf dem Weinhof. Im Anschluss ist eine Demonstration durch die Innenstadt mit einer Abschlusskundgebung geplant. Als Rednerin wird unter anderem Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg, erwartet.
Mit der Kundgebung wendet sich die Gewerkschaft gegen die Vorschläge der Alterssicherungskommission sowie die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, diese umfassend umsetzen zu wollen. Die IG Metall fordert stattdessen Respekt für die Lebensleistung der Beschäftigten, eine auskömmliche Rente, gute und bezahlbare Pflege, eine bezahlbare Gesundheitsversorgung sowie Investitionen in soziale Sicherheit, gute Arbeit und die öffentliche Daseinsvorsorge.
Wirtschaftliche Lage als Vorwand für Einschnitte
Die aktuellen Diskussionen um die Vorschläge der Alterssicherungskommission stoßen bei der IG Metall Heidenheim auf deutliche Kritik. Die Gewerkschaft warnt eindringlich davor, die wirtschaftliche Lage als Vorwand für Einschnitte bei Rentenansprüchen, Altersteilzeit und anderen sozialen Sicherungssystemen zu missbrauchen.
„Wer glaubt, die wirtschaftlichen Probleme unseres Landes durch Kürzungen bei Renten, Altersteilzeit oder sozialen Sicherungssystemen lösen zu können, hat die Herausforderungen unserer Industrie nicht verstanden. Die Beschäftigten haben diese Krise nicht verursacht. Sie dürfen jetzt nicht die Rechnung dafür bezahlen“, erklärt Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg.
Gerade die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie stehen aktuell unter enormem Druck. Transformation, Standortdiskussionen, Personalabbau und steigende Anforderungen prägen vielerorts den Arbeitsalltag.
Tobias Bucher, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim, betont: „Viele Beschäftigte sorgen sich um ihre Zukunft und ihre Arbeitsplätze. In einer solchen Situation soziale Sicherheiten infrage zu stellen, ist das völlig falsche Signal. Wer den Wandel gestalten will, muss den Menschen Sicherheit geben.“
Diese Punkte sieht die IG Metall besonders kritisch
Besonders kritisch bewertet die IG Metall die Überlegungen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren sowie bewährte Modelle der Altersteilzeit einzuschränken. Wer jahrzehntelang gearbeitet, Schichtdienst geleistet und zum Wohlstand des Landes beigetragen hat, habe Respekt verdient – nicht versteckte Rentenkürzungen. Lebensleistung müsse anerkannt werden.
Auch die Altersteilzeit spiele eine zentrale Rolle bei der Gestaltung des Strukturwandels. „Altersteilzeit ist kein Auslaufmodell, sondern ein Zukunftsinstrument. Sie ermöglicht einen gesundheitsgerechten Übergang in den Ruhestand und unterstützt gleichzeitig einen sozialverträglichen Generationenwechsel in den Betrieben. Wer dieses Instrument schwächt, erschwert den Wandel“, so Resch.
Investitionen statt Schwächung des Sozialstaats
Die IG Metall fordert stattdessen eine Politik, die industrielles Wachstum und soziale Sicherheit gleichermaßen stärkt. Dazu gehören Investitionen in Innovationen, Infrastruktur, Qualifizierung, bezahlbare Energie und zukunftsfähige Arbeitsplätze.
Bucher ergänzt: „Deutschland braucht eine starke Industrie. Aber eine starke Industrie gibt es nicht gegen die Beschäftigten, sondern nur mit ihnen. Wer den Sozialstaat schwächt, gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt und verspielt Vertrauen – gerade in Zeiten großer Veränderungen.“
Vor dem Hintergrund der Vorschläge der Rentenkommission sieht die IG Metall akuten Handlungsbedarf. In den Betrieben wachse der Druck: Immer mehr Beschäftigte forderten ein klares Signal gegen drohende Einschnitte in soziale Standards. „Jetzt ist die Zeit, nicht nur zu kritisieren, sondern gemeinsam für unsere Interessen einzustehen“, so Bucher.
