Irrtum beim Einsatz

Falsche Tür: Warum das SEK die Wohnung einer Frau in Heidenheim aufbrach

Bei einem SEK-Einsatz in Heidenheim wurde versehentlich eine falsche Wohnung geöffnet. Was die Bewohnerin danach erlebt hat.

Der Schreck saß tief, als Lisa Krause am vergangenen Montag aus einem mehrwöchigen Urlaub wieder nach Hause kam. Schon im Treppenhaus des Wohnhauses in der Heidenheimer Bergstraße konnte sie erkennen, dass die Eingangstür zu ihrer Wohnung beschädigt war. „Zuerst dachte ich, dass jemand eingebrochen ist“, erzählt sie. Ein Blick aufs Schloss sorgte zunächst für noch mehr Verwirrung, denn ihr eigenes Zahlenschloss mit Chip war durch ein Schloss mit Schlüssel ersetzt worden. Für das sie jedoch keinen Schlüssel hatte. „Erst dann entdeckte ich eine kleine Visitenkarte, die mit Klebeband an der Tür befestigt war“, erzählt Krause. Auf deren Rückseite stand handschriftlich: „Schlüssel für die Türe ist beim Polizeirevier Heidenheim Schnaitheimer Straße 14“.

Also begab sich Lisa Krause dorthin. Hier wurde ihr erklärt, dass ihre Wohnungstür bei einem SEK-Einsatz beschädigt wurde, weil die Spezialkräfte versehentlich die falsche Tür öffneten. „Ich fiel aus allen Wolken und war erstmal wirklich sauer“, berichtet sie. Dass ihr auf dem Revier der Schlüssel für das neue Schloss ausgehändigt wurde, ohne dass sie sich ausweisen musste, machte die Situation nicht besser. „Da hätte ja jeder kommen und den Schlüssel für meine Wohnung mitnehmen können“, so Krause.

Waffen in der Wohnung

Zwar hatte Krause während ihres Urlaubs von dem SEK-Einsatz in der Bergstraße erfahren, „aber man denkt doch nicht, dass das in dem Haus ist, in dem man selbst wohnt.“ Wie sich herausstellte, liegt die Wohnung, die eigentlich Ziel des Einsatzes war, direkt unter der, in der Krause lebt. Sie selbst ist Jägerin, hat deshalb auch einen Waffentresor in ihrer Wohnung. Auf den wiederum ist eine Kamera gerichtet, die die Küche und das Wohnzimmer abdeckt.

Diese Nachricht fand die Bewohnerin mit Klebeband an ihre Haustür geklebt.

Nachdem Krause von einem Beamten über den Sachverhalt aufgeklärt worden war, sah sie sich die Aufzeichnungen der Kamera an. „Am 25. August gab es um 16.31 Uhr einen lauten Knall, dann stürmten schwer bewaffnete Polizisten in die Wohnung, sahen sich nur sehr kurz um und zogen wieder ab. Wahrscheinlich haben sie schnell gemerkt, dass sie in der falschen Wohnung sind“, sagt Krause.

Kamera zeichnete alles auf

Im Anschluss zeigen die Aufzeichnungen, dass sich immer wieder Menschen in der Wohnung aufhalten, anhand ihrer Schutzwesten eindeutig als Polizisten zu erkennen. Einer der Beamten, auch das ist auf der Aufnahme zu hören, sagte: „Das sieht ja so aus, als ob hier jemand wohnt.“ „Das Ganze ging fast zwei Stunden lang, die Polizisten schauen sich in der Küche um, machen Fotos, schauen aus dem Fenster. Dem Waffentresor schenken sie keine Beachtung, „auch die Kamera scheinen sie überhaupt nicht zu bemerken“, erzählt Krause. Später erscheinen noch andere Menschen, „wahrscheinlich die Feuerwehr, die das zerstörte Türschloss austauscht“. Erst um 18.27 Uhr hält sich niemand mehr in der Wohnung auf. Ihren kaputten Schließzylinder entdeckt sie später auf einer Kommode im Flur.

Und wie geht es ihr heute mit dem Erlebten? „Ich bin froh, dass bei mir nicht eingebrochen wurde“, erzählt Krause. Dennoch fehlt ihr das Verständnis dafür, dass die Spezialkräfte sich einfach in der Wohnung irren, und sich danach noch so lange Personen in ihrer Wohnung aufgehalten und alles angeschaut haben.

Von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ulm wird bestätigt, dass das SEK zunächst die falsche Wohnungstür öffnete. Doch wie konnte es dazu kommen? „Hierzu können leider aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht werden“, heißt es. „Da sich der Wohnungsbesitzer nicht vor Ort befand, hielten sich Polizeibeamte in der Wohnung auf, damit keine fremden Personen diese betreten konnten. Dies dauerte, bis die Feuerwehr die beschädigte Wohnungstüre wieder instandgesetzt hatte“ wird die lange Anwesenheit der Polizisten in der Wohnung erklärt.

Den bei der fälschlichen Türöffnung entstandenen Schaden bekommt Lisa Krause von der Polizei ersetzt.

Nachbildung einer Kriegswaffe

Bei dem Polizeieinsatz am 25. August war auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei vor Ort. Hintergrund war, dass ein Zeuge in der Bergstraße eine Person mit einer Art Maschinenpistole gesehen hatte. Bei der Durchsuchung einer Wohnung stellten die Beamten eine Waffe sicher, die sich später als Nachbildung einer Kriegswaffe herausstellte. Verletzt oder festgenommen wurde bei dem Einsatz niemand.