Der Titel des Artikels beschreibt die Situation in Heidenheim leider besser, als es der Stadtverwaltung lieb sein dürfte: Viele Einwände, keine Auswirkungen. 201 Bürger haben Einspruch gegen die geplante Fußgängerzone in der Grabenstraße eingelegt. Dennoch entsteht der Eindruck, dass die Entscheidungen längst feststanden. Für die Menschen, die sich Gedanken um die Entwicklung unserer Stadt machen und sich aktiv einbringen, ist das frustrierend. Da stellt sich die Frage, warum überhaupt Zeit und Geld für Prüfungen aufgewendet werden, wenn die Meinung der Bürger am Ende offensichtlich nichts verändert.
Warum fragt die Stadt nicht einfach die Bürger, ob sie diese zusätzliche Fußgängerzone überhaupt wollen? Wer hat dieses Projekt tatsächlich befürwortet? Es wäre interessant zu erfahren, wie viele Entscheidungsträger hinter dieser Maßnahme stehen und ob ihre Zahl überhaupt die 201 Bürger übersteigt, die Einwendungen erhoben haben.
Tote Bereiche und Leerstände haben wir in Heidenheim bereits mehr als genug. Statt immer neue Flächen zu schaffen, sollte man sich endlich darum kümmern, die bestehende Innenstadt wieder mit Leben zu füllen – und zwar jetzt, nicht erst in zehn Jahren.
Wie die Heidenheimer Stadtverwaltung mit Einwendungen zur Grabenstraße umgeht
Das ehemalige Elmar-Doch-Haus und die früheren Räume des Café Sonnleitner stehen seit Jahren sinnbildlich für den Stillstand an zentralen Stellen unserer Stadt. Viele Bürger fragen sich, warum diese Probleme nicht mit derselben Energie angegangen werden wie die Schaffung einer weiteren Fußgängerzone. Statt sichtbare Verbesserungen zu schaffen, werden immer neue Projekte angekündigt, während bestehende Missstände bestehen bleiben.
Auch ältere Menschen und Menschen mit Behinderung müssen weiterhin die Möglichkeit haben, bequem in die Innenstadt zu kommen. Nicht jeder kann weite Wege zu Fuß zurücklegen. Sind diese Menschen keine Bürger unserer Stadt? Ihre Bedürfnisse scheinen bei den aktuellen Planungen immer weiter in den Hintergrund zu geraten.
Oberbürgermeister Salomo verweist auf 201 Einwendungen. Für die Betroffenen sind das jedoch nicht nur Zahlen, sondern 201 Bürger, die sich die Mühe gemacht haben, ihre Meinung zu äußern. Beim Kleehof-Areal haben über 1100 Einwendungen ebenfalls nichts bewirkt. Wer sich angesichts solcher Erfahrungen über Politikverdrossenheit wundert, sollte nicht die Bürger kritisieren, sondern die eigene Vorgehensweise hinterfragen.
Immer mehr Bürger haben das Gefühl, dass Bürgerbeteiligung nur noch dazu dient, den Anschein von Mitbestimmung zu vermitteln. Durch den Artikel wissen wir nun sogar offiziell, dass die vielen Einwendungen am Ende keinerlei Auswirkungen haben.
Ich hoffe deshalb, dass Heidenheim bei der nächsten Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2029 einen Bürgermeister bekommt, der die Bürger nicht nur anhört, sondern ihre Anliegen und Sorgen auch ernst nimmt, Mehrheitsmeinungen respektiert und Politik mit den Bürgern statt über ihre Köpfe hinweg gestaltet.
Ute Ludwig, Heidenheim