Vermutlich kennt ihn fast jeder Heidenheimer, doch die wenigsten wissen, was alles hinter dem Sonnen- und Zeitpfad steckt. Eingeweiht wurde die Anlage am 21. Dezember 2000 – kein zufällig gewähltes Datum, sondern die astronomische Wintersonnenwende, passend zum Konzept des Pfads. Mehr als zwei Jahrzehnte später wurde der Sonnen- und Zeitpfad nun erstmals umfassend saniert.
„Da wurde damals eine gute und robuste Anlage gebaut“, sagt Wolfgang Heinecker, ehemaliger Pressesprecher der Stadt Heidenheim. „Hauptsächlich musste alles einmal gründlich gereinigt werden.“ Er hat damals die Entstehung des Projekts von der ersten Idee über die Planung bis zur Einweihung begleitet.
Künftig sollen Granitstelen mit QR-Codes und Blindenschrift Besucherinnen und Besuchern die Anlage näher erläutern. Reine Informationstafeln seien heute nicht mehr zeitgemäß, sagt Heinecker. Die zentrale Übersichtstafel wird derzeit von einem Steinmetz angefertigt, in die die Informationen in einer lithografieähnlichen Technik eingearbeitet werden sollen. Auch Führungen sind künftig geplant.

Der Zeitpfad der Anlage zeichnet die Geschichte der Menschheit nach – beginnend mit dem Aufkommen der Schrift vor rund 5000 Jahren. Diesen Startpunkt legte Hauptinitiator Heinz Zag damals fest. Die Arche Noah steht dabei symbolisch für die ältesten überlieferten Erzählungen der Menschheit. Schließlich existiert die Geschichte der großen Flut nicht nur in der Bibel, sondern in zahlreichen Kulturen. „Geschichten von Geschichten quasi“, sagt Heinecker.

Nach dem Überschreiten der Bodenschwelle zur Bronzezeit (etwa ab 3000–2000 v. Chr.) führt der Zeitpfad in Schritten von jeweils 200 Jahren weiter. Lange wurde damals darüber diskutiert, welche Zeitabstände sinnvoll seien und welche historischen Ereignisse dargestellt werden sollten. Mit dieser Aufgabe beschäftigte sich die Seniorenakademie.

Zu den Stationen gehören unter anderem die Geburt Christi, die Medienrevolution durch Gutenberg und Luther oder Einsteins berühmte Äquivalenzformel – Meilensteine der Menschheitsgeschichte.

„Und welche Tafel wohl im Jahr 2200 angebracht werden müsste, das ist die große Frage“, sagt Heinecker. „Verewigt sich hier dann die künstliche Intelligenz?“ Darüber können die Menschen philosophieren, wenn sie den Zeitpfad entlanggehen.

Doch der Zeitpfad ist nur ein Teil der Anlage. Gleichzeitig handelt es sich um eine Sonnenuhr, eine Jahreskreisuhr und ein Modell unseres Sonnensystems. So zeigt die Anlage auch an, in welchem Tierkreiszeichen die Sonne gerade steht. Der Schatten fällt dabei auf das entsprechende Sternzeichen und macht den Sonnenlauf im Jahreskreis sichtbar.

„Die Steine in der Anlage stehen für die Planeten unseres Sonnensystems – die früher sogenannten Wandersterne. Die genauen Größenverhältnisse und Anordnungen sind allerdings nur angedeutet“, erklärt Heinecker. Zu vorderst befinden sich wie in unserem Planetensystem Merkur und Venus, dahinter Mars, Jupiter und Saturn.

Auch die Steinblöcke haben eine Bedeutung: Sie markieren die Sommer- und Wintersonnenwende sowie die beiden Tag-und-Nacht-Gleichen. Die Pflastersteine nach links und rechts ausgehend symbolisieren den Äquator. „Daran sieht man erst einmal, wie stark sich der Sonnenstand im Laufe des Jahres verändert“, sagt Heinecker.
Wie eine Sonnenuhr funktioniert, wissen die meisten Menschen: Der Schatten des Zeigers zeigt die Uhrzeit an, wenn auch nicht minutengenau. Ursache dafür sind die geneigte Erdachse und die unterschiedliche Geschwindigkeit der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne. Entscheidend sei, erklärt Heinecker, dass der Zeiger exakt parallel zur Erdachse ausgerichtet ist. Mithilfe der sogenannten Zeitgleichung lasse sich dennoch jederzeit die exakte Uhrzeit berechnen.

Den Mittelpunkt der Anlage bildet der Himmelsglobus. Sein vergoldeter Ring symbolisiert die Ekliptik – also die scheinbare Bahn der Sonne am Himmel im Verlauf eines Jahres. Die darauf angebrachten Zeichen stehen für die Planeten des Sonnensystems. Auf dem Globus thront der Polarstern Polaris, der eine kürzlich erneuerte Urkunde von Astronaut Dr. Gerhard Thiele enthält.
Gerade diese Verbindung aus Naturwissenschaft und Menschheitsgeschichte mache die Anlage einzigartig. Für Wolfgang Heinecker steckt hinter dem Sonnen- und Zeitpfad aber noch weit mehr als Technik und Astronomie. Das Projekt solle Menschen zum Nachdenken anregen – und zugleich zeigen, was durch gemeinschaftliches Engagement entstehen könne. Der Sonnen- und Zeitpfad soll dazu motivieren, eigene Ideen für ihre Stadt zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen. Auch im Ruhestand setzt sich Wolfgang Heinecker mit großer Leidenschaft für die Erhaltung von Geschichte und Kultur ein.

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Im Jahr 1997 erhielt die Stadt Heidenheim den Zuschlag für die Landesgartenschau 2006. Die Freude darüber war groß – nicht nur in der Stadt und den Stadtteilen, auch bei Vereinen und Unternehmen. Alle wollten ihren Beitrag leisten, man wollte rund um die Brenz alles attraktiver machen, Leute anziehen, schöne Orte schaffen.

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Im Zuge dessen entwickelte Initiator Heinz Zag die Idee eines Sonnen- und Zeitpfads. Errichtet wurde er nach zahlreichen Überlegungen bewusst nicht im späteren Brenzpark, der damals noch eine Großbaustelle war, sondern direkt am Spazierweg entlang der Brenz. So war er von Anfang an frei zugänglich. Ursprünglich war die Anlage übrigens gar nicht als dauerhaftes Projekt geplant. Gedacht war sie als Millenniums-Geschenk an die Stadt – schließlich stand die Jahrtausendwende unmittelbar bevor. Das Wort „Millennium“ stammt aus dem Lateinischen und bezeichnet einen Zeitabschnitt von 1000 Jahren.
Insgesamt kostete sie rund 290.000 Mark. 100.000 Mark stammten aus einer Schenkung der Schnaitheimerin Frieda Sailer. Die restlichen 190.000 Mark wurden durch Fördergelder sowie durch zahlreiche nicht verrechnete Leistungen regionaler Unternehmen finanziert. Beteiligt waren damals viele. Neben Unternehmen wie Schuck und Voith auch Maier Glas, der mittlerweile nicht mehr existiert, oder Fetzer Bau. Die Bronze-Zeittafeln wurden in der Kunstgießerei Wiedmann in Giengen gegossen, der Ring des Himmelsglobus von Malermeister Karl Ulshöfer aus Schnaitheim vergoldet. Somit versteht sich die Anlage damals wie heute auch als Symbol für das Können und die Zusammenarbeit des regionalen Handwerks.
