Millenniums-Geschenk

Ein Pfad, der die Zeit sichtbar macht: Was die Wenigsten über den Sonnen- und Zeitpfad in Schnaitheim wissen

Verewigt sich hier einmal sogar die KI? Wolfgang Heinecker, ehemaliger Pressesprecher der Stadt Heidenheim und damals an der Realisierung des Sonnen- und Zeitpfads mitbeteiligt, verrät bei einem Rundgang, wie das möglich sein könnte – und erzählt viele weitere spannende Hintergründe.

Vermutlich kennt ihn fast jeder Heidenheimer, doch die wenigsten wissen, was alles hinter dem Sonnen- und Zeitpfad steckt. Eingeweiht wurde die Anlage am 21. Dezember 2000 – kein zufällig gewähltes Datum, sondern die astronomische Wintersonnenwende, passend zum Konzept des Pfads. Mehr als zwei Jahrzehnte später wurde der Sonnen- und Zeitpfad nun erstmals umfassend saniert.

„Da wurde damals eine gute und robuste Anlage gebaut“, sagt Wolfgang Heinecker, ehemaliger Pressesprecher der Stadt Heidenheim. „Hauptsächlich musste alles einmal gründlich gereinigt werden.“ Er hat damals die Entstehung des Projekts von der ersten Idee über die Planung bis zur Einweihung begleitet.

Künftig sollen Granitstelen mit QR-Codes und Blindenschrift Besucherinnen und Besuchern die Anlage näher erläutern. Reine Informationstafeln seien heute nicht mehr zeitgemäß, sagt Heinecker. Die zentrale Übersichtstafel wird derzeit von einem Steinmetz angefertigt, in die die Informationen in einer lithografieähnlichen Technik eingearbeitet werden sollen. Auch Führungen sind künftig geplant.

Am 11. September 2000 erfolgte der Spatenstich zum Sonnen- und Zeitpfad: (von links) Bauunternehmer Wolfgang Fetzer, Architekt Stefan Wittmann, Bürgermeister Stefan Mikulicz, Oberbürgermeister Bernhard Ilg, Initiator Heinz Zag.
Am 11. September 2000 erfolgte der Spatenstich zum Sonnen- und Zeitpfad: (von links) Bauunternehmer Wolfgang Fetzer, Architekt Stefan Wittmann, Bürgermeister Stefan Mikulicz, Oberbürgermeister Bernhard Ilg, Initiator Heinz Zag. Rudi Weber, HZ-Archiv

Der Zeitpfad der Anlage zeichnet die Geschichte der Menschheit nach – beginnend mit dem Aufkommen der Schrift vor rund 5000 Jahren. Diesen Startpunkt legte Hauptinitiator Heinz Zag damals fest. Die Arche Noah steht dabei symbolisch für die ältesten überlieferten Erzählungen der Menschheit. Schließlich existiert die Geschichte der großen Flut nicht nur in der Bibel, sondern in zahlreichen Kulturen. „Geschichten von Geschichten quasi“, sagt Heinecker.

Direkt nach der Säule mit der Arche Noah überschreitet man die Bronzezeit-Schwelle – und betritt damit den Startpunkt des Zeitpfads, der mit der Verschriftlichung der Menschheit vor etwa 5000 Jahren einsetzt. Rudi Penk

Nach dem Überschreiten der Bodenschwelle zur Bronzezeit (etwa ab 3000–2000 v. Chr.) führt der Zeitpfad in Schritten von jeweils 200 Jahren weiter. Lange wurde damals darüber diskutiert, welche Zeitabstände sinnvoll seien und welche historischen Ereignisse dargestellt werden sollten. Mit dieser Aufgabe beschäftigte sich die Seniorenakademie.

Blick von der anderen Seite der Anlage: Der Stein im Bild vorne symbolisiert Saturn, danach folgen Jupiter und Mars. Der Zeitpfad aus Bronzetafeln verläuft außen am Geländer. Rudi Penk

Zu den Stationen gehören unter anderem die Geburt Christi, die Medienrevolution durch Gutenberg und Luther oder Einsteins berühmte Äquivalenzformel – Meilensteine der Menschheitsgeschichte.

An allen Zeittafeln ist Brailleschrift mit angebracht. Auch für die zukünftigen Granitstelen mit QR-Codes ist die Blindenschrift vorgesehen. Rudi Penk

„Und welche Tafel wohl im Jahr 2200 angebracht werden müsste, das ist die große Frage“, sagt Heinecker. „Verewigt sich hier dann die künstliche Intelligenz?“ Darüber können die Menschen philosophieren, wenn sie den Zeitpfad entlanggehen.

Je nach Monat und Jahreszeit steht die Sonne höher oder tiefer - und wirft dementsprechend einen Schatten, an dem man ablesen kann, in welchem Tierkreiszeichen sie gerade steht. Rudi Penk

Doch der Zeitpfad ist nur ein Teil der Anlage. Gleichzeitig handelt es sich um eine Sonnenuhr, eine Jahreskreisuhr und ein Modell unseres Sonnensystems. So zeigt die Anlage auch an, in welchem Tierkreiszeichen die Sonne gerade steht. Der Schatten fällt dabei auf das entsprechende Sternzeichen und macht den Sonnenlauf im Jahreskreis sichtbar.

Der Stein links neben der Sonnenuhr stellt den „sonnenverbrannten Merkur“ dar. Der Planet, der unserer Sonne am nächsten steht, ist durchgehend extrem hoher Strahlung ausgesetzt. Rudi Penk

„Die Steine in der Anlage stehen für die Planeten unseres Sonnensystems – die früher sogenannten Wandersterne. Die genauen Größenverhältnisse und Anordnungen sind allerdings nur angedeutet“, erklärt Heinecker. Zu vorderst befinden sich wie in unserem Planetensystem Merkur und Venus, dahinter Mars, Jupiter und Saturn.

Der große Steinblock vorn im Bild markiert die Sommersonnenwende, den längsten Tag des Jahres am 21. Juni, an dem die Sonne fast im Zenit steht und die Sonnenuhr deshalb nur einen kurzen Schatten wirft. Der kleine Steinblock neben Wolfgang Heinecker steht für die Tag- und Nachtgleichen am 21. März und 21. September eines jeden Jahres. Der hinterste Steinblock stellt den kürzesten Tag im Jahr dar – den 21. Dezember, an dem die Sonne so niedrig wie sonst an keinem anderen Tag steht. Der Schatten der Sonnenuhr erreicht an diesem Tag den hintersten Steinblock. Rudi Penk

Auch die Steinblöcke haben eine Bedeutung: Sie markieren die Sommer- und Wintersonnenwende sowie die beiden Tag-und-Nacht-Gleichen. Die Pflastersteine nach links und rechts ausgehend symbolisieren den Äquator. „Daran sieht man erst einmal, wie stark sich der Sonnenstand im Laufe des Jahres verändert“, sagt Heinecker.

Wie eine Sonnenuhr funktioniert, wissen die meisten Menschen: Der Schatten des Zeigers zeigt die Uhrzeit an, wenn auch nicht minutengenau. Ursache dafür sind die geneigte Erdachse und die unterschiedliche Geschwindigkeit der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne. Entscheidend sei, erklärt Heinecker, dass der Zeiger exakt parallel zur Erdachse ausgerichtet ist. Mithilfe der sogenannten Zeitgleichung lasse sich dennoch jederzeit die exakte Uhrzeit berechnen.

Der Himmelsglobus mit dem Nordstern „Polaris“, der die Urkunde von Astronaut Dr. Gerhard Thiele enthält. Rudi Penk

Den Mittelpunkt der Anlage bildet der Himmelsglobus. Sein vergoldeter Ring symbolisiert die Ekliptik – also die scheinbare Bahn der Sonne am Himmel im Verlauf eines Jahres. Die darauf angebrachten Zeichen stehen für die Planeten des Sonnensystems. Auf dem Globus thront der Polarstern Polaris, der eine kürzlich erneuerte Urkunde von Astronaut Dr. Gerhard Thiele enthält.

Gerade diese Verbindung aus Naturwissenschaft und Menschheitsgeschichte mache die Anlage einzigartig. Für Wolfgang Heinecker steckt hinter dem Sonnen- und Zeitpfad aber noch weit mehr als Technik und Astronomie. Das Projekt solle Menschen zum Nachdenken anregen – und zugleich zeigen, was durch gemeinschaftliches Engagement entstehen könne. Der Sonnen- und Zeitpfad soll dazu motivieren, eigene Ideen für ihre Stadt zu entwickeln und gemeinsam umzusetzen. Auch im Ruhestand setzt sich Wolfgang Heinecker mit großer Leidenschaft für die Erhaltung von Geschichte und Kultur ein.

Seit der Tag- und Nachtgleiche wieder an seinem Platz in Schnaitheim: Der Himmelsglobus wird am Sonnenzeiger angeschweißt.

Archivschatz nach 25 Jahren gehoben: Film zeigt Entstehung des Sonnen- und Zeitpfads in Schnaitheim

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Heidenheim
Uraufführung
Der Astronaut Gerhard Thiele legte beim Kinderfest eine Zeitkapsel in die Sonnenuhr im Schnaitheimer Sonnen- und Zeitpfad.

Warum das Schnaitheimer Kinderfest 2026 einen ganz besonderen Ehrengast hatte

Am Samstag wurde in Schnaitheim das Kinder- und Dorffest gefeiert. Zur Wiedereröffnung des Sonnen- und Zeitpfades kam ein ganz besonderer Gast - ein ehemaliger Astronaut.
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Heidenheim
Astronaut zu Besuch

Wie kam die Idee zum Sonnen- und Zeitpfad auf?

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Gute alte Zeit? Zumindest was die Vergangenheit der Heidenheimer Seewiesen und des heutigen Brenzpark-Areals angeht, kann man den Geschichte verklärenden Nostalgikern entgegenhalten: Nein! Unser Blick ins Archiv zeigt, wie es früher auf dem heutigen Brenzpark-Areal aussah.
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Heidenheim
Fotos aus dem HZ-Archiv
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20 Jahre Landesgartenschau Heidenheim: Rückblick in 111 Bildern von damals

Der Heidenheimer Sommer 2006 stand ganz im Zeichen der Landesgartenschau. Vor mehr als 20 Jahren war das heutige Parkgelände eine brachliegende, ehemalige Industriefläche. Ein Blick zurück vom Tag vor der Eröffnung bis zur Schließung in mehr als 100 Bildern von Arthur Penk.
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Bildergalerie
Der Gesamtvorstand des Förderkreises: Unser Archivfoto zeigt von links den technischen Beirat Claus Naumann, den 1. Vorsitzenden Heinz Zag, Kassenwartin Inge Wegerhoff, den 2. Vorsitzenden Otto Benz und Schriftführerin Traute Zag.
Der Gesamtvorstand des Förderkreises: Unser Archivfoto zeigt von links den technischen Beirat Claus Naumann, den 1. Vorsitzenden Heinz Zag, Kassenwartin Inge Wegerhoff, den 2. Vorsitzenden Otto Benz und Schriftführerin Traute Zag. HZ-Achiv

Im Zuge dessen entwickelte Initiator Heinz Zag die Idee eines Sonnen- und Zeitpfads. Errichtet wurde er nach zahlreichen Überlegungen bewusst nicht im späteren Brenzpark, der damals noch eine Großbaustelle war, sondern direkt am Spazierweg entlang der Brenz. So war er von Anfang an frei zugänglich. Ursprünglich war die Anlage übrigens gar nicht als dauerhaftes Projekt geplant. Gedacht war sie als Millenniums-Geschenk an die Stadt – schließlich stand die Jahrtausendwende unmittelbar bevor. Das Wort „Millennium“ stammt aus dem Lateinischen und bezeichnet einen Zeitabschnitt von 1000 Jahren.

Insgesamt kostete sie rund 290.000 Mark. 100.000 Mark stammten aus einer Schenkung der Schnaitheimerin Frieda Sailer. Die restlichen 190.000 Mark wurden durch Fördergelder sowie durch zahlreiche nicht verrechnete Leistungen regionaler Unternehmen finanziert. Beteiligt waren damals viele. Neben Unternehmen wie Schuck und Voith auch Maier Glas, der mittlerweile nicht mehr existiert, oder Fetzer Bau. Die Bronze-Zeittafeln wurden in der Kunstgießerei Wiedmann in Giengen gegossen, der Ring des Himmelsglobus von Malermeister Karl Ulshöfer aus Schnaitheim vergoldet. Somit versteht sich die Anlage damals wie heute auch als Symbol für das Können und die Zusammenarbeit des regionalen Handwerks.