Die Fußstapfen des eigenen Vorgängers sind mitunter groß und nicht selten auch etwas einschüchternd. Das gilt nicht weniger, wenn es sich dabei um den Vorvorvorgänger handelt. Helmut Bornefeld war so einer. Als erster hauptamtlicher Kirchenmusiker in Heidenheim hat er die Stadt nicht nur als Kantor, sondern auch mit den von ihm konzipierten Orgeln und seinen Kompositionen geprägt. Im Jahr 2026 hätte er seinen 120. Geburtstag gefeiert. Sein Nachnachnachfolger Leonard Hölldampf schmeißt ihm daher, wenn man so will, gleich drei Geburtstagspartys.
Das Heidenheimer Kirchenmusikjahr steht somit unter anderem im Zeichen Bornefelds. Am 1. März nehmen sich Hölldampf an der Orgel sowie Peter Thalheimer an der Blockflöte Helmut Bornefelds „Florilegium“, der Choralsonate „Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeinde“ und einer Uraufführung der „Solosonate für Blockflöte“ (Siegfried Reda) an.
Neue Musik und Kirchenmusik
Ein neuer Tonträger des Heidenheimer Fördervereins für Neue Musik mit den Einspielungen sämtlicher Choralpartiten Bornefelds durch Hannelore Hinderer wird am 13. September präsentiert. Und ein drittes Mal Bornefeld gibt es am 13. Dezember, wenn Felix Anton Lehnert als Solopauker zusammen mit Hölldampf an der Bornefeld-Link-Orgel Werke für Schlagwerk und Orgel anstimmt.
Dass Neue Musik und Kirchenmusik sich keinesfalls diametral gegenüberstehen, davon ist Leonard Hölldampf fest überzeugt. „Schon Helmut Bornefeld hat diese Offenheit für Neue Musik geprägt.“ Und weil auch der heutige Bezirkskantor ein kontinuierliches Interesse an dieser musikalischen Strömung zeigt, wird das Schlagwerk-und-Orgel-Spektakel in Kooperation mit eben keinem anderen als dem Förderverein für Neue Musik veranstaltet.
Mir ist es ein Anliegen, langfristige Reihen zu etablieren und gleichzeitig die Vielseitigkeit von Kirchenmusik zum Ausdruck zu bringen.
Leonard Hölldampf, Bezirkskantor Heidenheim
Bei der Planung des Kirchenmusikjahrs sind Hölldampf übrigens praktisch keine Grenzen gesetzt – „vollen Spielraum“ habe er dabei. „Mir ist es ein Anliegen, langfristige Reihen zu etablieren und gleichzeitig die Vielseitigkeit von Kirchenmusik zum Ausdruck zu bringen.“ So etwa im Rahmen der Neuen Arbeitstage für Kirchenmusik im März. Die Werkstattkonzertreihe hatte Hölldampf 2025 nach rund 60 Jahren Auszeit wieder aufleben lassen.
Sich selbst an kirchlicher Musik beteiligen kann man etwa auch bei einem sogenannten Erprobungstag am 14. Februar. Seit einigen Jahren laufen die Arbeiten an einem Evangelischen Gesangbuch, das bis zum Jahr 2029 erscheinen soll. Auch der Heidenheimer Kirchenbezirk beteiligt sich daran, wenn während des Erprobungstags Lieder singend „getestet“ werden und anschließend Rückmeldung an die Gesangsbuchkommission gegeben werden kann.

Bornefeld-Orgel: Zwei kuriose Funde in der Christuskirche Heidenheim gemacht
Nicht nur die Stimmbänder, auch der Bizeps kann dieses Jahr im Landkreis beansprucht werden. „Musik mit Muskelkraft“ lautet der Titel eines Konzerts am 21. Juni, bei dem man die älteste erhaltene Link-Orgel in der Michaelskirche Gerstetten einmal betreten und per Blasebalg in Betrieb nehmen kann. Denn diese Orgel wird nicht elektrisch, sondern mechanisch in Gang gebracht. „Dadurch soll erlebbar gemacht werden, wie eine Orgel früher zu ihrem Wind kam“, erklärt Leonard Hölldampf.
Einige Klassiker der Kirchenmusik dürfen in diesem Jahr natürlich nicht fehlen. So etwa die „Musik zur Marktzeit“, die am 14. Februar mit der Passionsreihe startet und am 19. September in die Herbstreihe übergeht. Freilich steht das Weihnachtsoratorium am 20. Dezember mit Bachs Kantaten 1, 3 und 4 ebenso fest im Terminkalender wie das Silvesternachtkonzert am 31. Dezember, wo dieses Jahr Saxofon und Orgel den Ton angeben.
Neues Leben für hundertjährigen Konzertflügel
„Dieses Programm ist nur dank dem Förderverein Kirchenmusik der Michaels- und Pauluskirche Heidenheim möglich“, erklärt Hölldampf. Jener Verein hat es sich dieses Jahr auf die Fahnen geschrieben, einem gewissen Hundertjährigen neues Leben einzuhauchen. Der Grotrian-Steinweg-Konzertflügel soll generalüberholt werden. Die erhofften Spenden der überwiegend bei freiem Eintritt zugänglichen Konzerte sollen nicht zuletzt dafür sorgen, dass der Flügel für das zweite Jahrhundert seines Lebens fit gemacht wird.

So lebt es sich für Leonard Hölldampf im „Uhuloch“ an der Heidenheimer Stadtmauer
Detailliertes Programm als Heftchen
Das gesamte Jahresprogramm der Heidenheimer Kirchenmusik mit allen Terminen und Informationen zu den einzelnen Konzerten liegt in der Pauluskirche aus und kann dort als Heftchen mit nach Hause genommen werden.

