Die Post handelte in Heidenheim sozial verwerflich
Erinnern Sie sich noch? Am 10. Januar 2025 berichtete und kommentierte die Heidenheimer Zeitung die endgültige Schließung der Post am Bahnhof in Heidenheim. Ab sofort wurde das geneigte Publikum auf die private Postagentur von Markus Engelmann in der Löschstraße verwiesen, Postbankkunden nach Nördlingen. Dasselbe auch in Herbrechtingen. Im August 2026 meldete die HZ, dass die schöne neue Postwelt krankheitsbedingt vorläufig geschlossen bleibt. Aus dem „vorläufig“ wurde dann im September ein „endgültig“. Die Post kündigte kurzerhand mit Engelmann die Verträge. Interessierte Journalistinnen und Journalisten wurden mit Leerformeln abgespeist.
Man muss schon sehr alt geworden sein, um sich zu erinnern, dass es in der Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage des Artikels 87 Abs. 1 Grundgesetz eine gut funktionierende Post und eine zuverlässige Eisenbahn gab – mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich mit „ihrer“ Post und „ihrer“ Bahn identifizierten und sich für deren Qualität verantwortlich fühlten. Ein gutes Beispiel ist der Bundesbahnhauptsekretär a.D. Ralf Fleischmann, über den die HZ am 31. August berichtete. Stabile und zuverlässige Säulen des Staates, der dafür sorgte, dass Publikum und Wirtschaft ein zuverlässiges Transportnetz für Menschen und Güter in Anspruch nehmen konnten. Auch darauf gründet sich unser Wohlstand.
Inzwischen gibt es in Heidenheim, Herbrechtingen und Königsbronn keine Post mehr. In Herbrechtingen ist die Bahn nur noch mit Automaten und Uhrzeit-Leuchtschriften präsent. Eine radikale Einschränkung unserer Lebensqualität. Das liegt nicht an Markus Engelmann. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben getan, was sie konnten. Wenn in einer solch überschaubaren Firma krankheitsbedingte Ausfälle auftreten, kommt sie schnell ans Limit. Dann den Vertrag zu kündigen, ist nicht nur sozial verwerflich, sondern auch unternehmenspolitisch ein Skandal.
Aber dahinter steckt die Philosophie, die eine Mehrheit der Abgeordneten des Deutschen Bundestages mit den sogenannten Postreformen 1994 beschlossen hatte. Die Deutsche Post AG (jetzt DHL) zahlt eine Dividende (die damalige Deutsche Bundespost führte regelmäßig ihre Überschüsse an den Bundeshaushalt ab), muss also daran interessiert sein, sich im Dax-System profitorientiert zu präsentieren. Da sind die auf die Postdienste angewiesenen Menschen nicht so wichtig. Und die dort Tätigen auch nicht. Noch immer müssen Zustellerinnen und Zusteller viele Kilogramm schwere Pakete in die Stockwerke schleppen und ihre Gesundheit zu Markte tragen.
Waldemar Hirsch, Heidenheim