Am kommenden Samstag ist es wieder so weit: In der Heidenheimer Innenstadt sind die Narren los. Was über Jahrzehnte hinweg in der eher faschingsfernen Kreisstadt undenkbar schien, hat sich in der zurückliegenden Dekade zu einem festen Termin im Jahreslauf entwickelt: der Faschingssturm in der Innenstadt.
Die Idee stammt von den Narren ebenso wie vom Heidenheimer Dienstleistungs- und Handelsverein HDH. Sie kamen 2016 auf die Idee, die fünfte Jahreszeit in die Innenstadt zu holen. Denn während in vielen umliegenden Gemeinden eine gewisse Faschingstradition gewachsen ist, herrschte bis dahin in Heidenheim Fehlanzeige. Dass diese Zeiten der Vergangenheit angehören, wurde dann von Jahr zu Jahr deutlicher, wuchs doch nicht nur die Zahl der aktiven Teilnehmer, sondern auch die der Zuschauer am Straßenrand permanent an. Wahrscheinlich wäre im vergangenen Jahr dann auch ein erneuter Rekord verzeichnet worden, hätten sehr kurzfristig von der Stadtverwaltung geforderte Sicherheitsmaßnahmen den Veranstaltern und Zuschauern nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn einem minimierten Umzug unter kaum nachvollziehbaren Einschränkungen wollten die Närrinnen und Narren nicht zustimmen, und so wurde die beliebte Veranstaltung kurzerhand einen Tag vorher abgesagt.

Aus Protest: Narren sagen den Heidenheimer Faschingssturm ab
All das scheint inzwischen vergessen. „Es wird wieder einen Faschingssturm geben, und wir freuen uns sehr darüber“, sagt Charles Simon, Vorsitzender und Sprecher des HDH. In guter Kooperation mit dem Ordnungsamt der Stadt sei es gelungen, ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten, das auch genehmigt wurde, sodass die Veranstaltung ohne Probleme stattfinden könne. Sowohl Polizei als auch Feuerwehr und die städtische Polizeibehörde seien involviert, sagt Simon. Um alle Beteiligten so gut wie möglich zu schützen, sollen zusätzlich zu den bereits an zahlreichen Stellen installierten Prallwänden an Zufahrten zur Fußgängerzone weitere Sperren aufgebaut werden. Also wird der farbenfrohe Umzug am Samstag, beginnend bei den Schloss-Arkaden, wieder durch die gesamte Fußgängerzone ziehen können.
Auftakt in den Arkaden
„Los geht es um 10 Uhr in den Schloss-Arkaden, hier finden bis 12 Uhr Vorführungen der Garden aus dem Landkreis statt, außerdem werden wieder Hexentänze gezeigt“, sagt Simon. Insgesamt dauern die Auftritte im Einkaufszentrum bis 12 Uhr. Im Anschluss formieren sich die Gruppierungen auf dem Marienplatz zum Umzug.
Verantwortlich für den Faschingssturm und dessen Organisation ist Wolfgang Holubar. Er koordiniert den Umzug und steht im Kontakt mit den Akteuren: „Beteiligt sind alle Zünfte aus dem Landkreis Heidenheim und noch zwei weitere aus der Nachbarschaft. Das bedeutet, dass sich beim Faschingssturm 13 Vereine präsentieren, insgesamt werden rund 400 Narren in der Innenstadt unterwegs sein“, so Holubar. Den Planungen zufolge startet der große Umzug um 12.15 Uhr und führt zunächst durch die Schloss-Arkaden, dann durch die Karlstraße zum Eugen-Jaekle-Platz und weiter durch die Hauptstraße in die südliche Fußgängerzone bis zum Knöpfleswäscherin-Brunnen.
DJ und Foodtrucks
Hier endet dann der Umzug offiziell, dann werden sicherlich viele Narren wieder in Richtung Eugen-Jaekle-Platz pilgern, denn dort findet die große Party mit DJ und Foodtrucks statt. Wie lange die dauert, hängt Holubar zufolge ganz von der Stimmung und den Witterungsverhältnissen ab, das offizielle Ende ist auf 17 Uhr terminiert.
Erwarten wird die Zuschauer ein bunter Querschnitt aus den Faschingsvereinen: Prinzenpaare, Garden, Hexen und vor allen Dingen jede Menge Guggenmusik werden in der Innenstadt für Stimmung und Frohsinn sorgen. Wie lange sich der Umzug durch die Innenstadt ziehen wird, ist schwer zu sagen, Holubar geht von mindestens einer halben Stunde aus. Während die Närrinnen und Narren von Norden nach Süden ziehen, werden Simon zufolge sowohl die Olgastraße als auch die Brenzstraße von der Polizei für den Verkehr gesperrt. „Großräumige Umleitungen um die Innenstadt werden aber nicht ausgewiesen“, sagt der HDH-Vorsitzende. Es ist davon auszugehen, dass es während des Umzugs zu Verkehrsbehinderungen kommen wird.
Umzug seit zehn Jahren
Erstmals fand der Faschingssturm im Jahr 2016 in der Heidenheimer Innenstadt statt. „Es war eine relativ kleine Veranstaltung, eher eine Überraschung für die Stadt. Damals holten wir alle Zünfte aus dem Landkreis an einen Tisch und überlegten, wie wir den Fasching in Heidenheim prominenter machen können. Einen Rathaussturm wie in anderen Gemeinden gibt es hier ja nicht. Der Faschingssturm wurde jedes Jahr größer“, erzählte Organisator Wolfgang Holubar vor drei Jahren in einem Interview. 2024 hatte sich der Faschingssturm trotz Corona-bedingter Pause schon richtig etabliert und zog Tausende Zuschauer in die Innenstadt. 2025 wurde die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abgesagt, nachdem es kurz zuvor Anschläge mit Fahrzeugen in München und Magdeburg gegeben hatte.

