Den Tag der Heiligen Drei Könige und der Erscheinung des Herrn beschloss in der Heidenheimer Christuskirche eine weltliche Queen. Aber auch dieser war sehr viel am liebevollen Miteinander der Menschen gelegen, am Wort Gottes und am Weg zu ihm – gefühlt und gesungen als Gospel.
Seit über 20 Jahren veranstaltet der Verein Jazz Heidenheim zur Weihnachtszeit ein Gospelkonzert in der evangelischen Christuskirche. Vergangenen Dienstag begannen „Gospel-Queen“ Siyou und ihre Gruppe ihren Auftritt mit einem akustischen Donnerschlag – das ganze Kirchenschiff voll lautem Klang. „Precious Lord Take My Hand“ war eine Bitte, aber auch ein Weckruf Siyous, ihre Musik mitzuerleben – und dies keinesfalls in der tiefen Stille eines klassischen Konzerts. Schon vor zwei Jahren, bei ihrem ersten Auftritt in Heidenheim, hatte Siyou Ngnoubamdjum gezeigt, dass sie ihr Publikum sofort begeistern kann. Und auch heuer brauchte es nicht zweimal diese Bitte: „Come on, lasst uns zusammen singen!“

Ihr immer strahlendes Lächeln, ihre voluminöse Stimme, die auch zart sein kann, aber immer packend ist, und ihre einnehmende Freundlichkeit machen es der Ulmerin leicht, auch Schwaben, denen die Worte nicht so auf der Zunge liegen, aus der Reserve zu holen. „Go, Tell It on the Mountain“, wer wollte da noch still verharren?
Siyou, die 57-Jährige, hat afrikanische Wurzeln. Sie ist in Kamerun geboren. „African Vibes“ prägen denn auch ihre Gospels und Spirituals. Nicht um Gefälligkeit geht es ihr, sondern um Authentizität. So wird denn ein Abend mit Siyou und ihrem Projekt nicht zu einer Hitparade bekanntester Gospelsongs, sondern zu einer großen Erzählung, warum und wofür Menschen Gott singend ansprechen. Siyou zeigte das im großen Schiff der Christuskirche auch a cappella und ganz ohne Mikro. Mit am berührendsten war ein traditionelles Stück aus Kenia.
Im Blues ruhender Gospel-Ton
Beim Singen bestens unterstützt haben Siyou Lily Mackay und Ralf Damrath, welche die Gospels in Tiefe und Höhe erweiterten. Mit präzisen, aber auch harten Schlägen war Christoph Scherer (Schlagzeug und Percussion) Garant für einen festen, beweglichen, sogar rockigen Rhythmus, den er so treiben konnte, dass man dazu auch einen Twist hätte tanzen können.
Auf all diesen Fährten war auch Martin Meixner zu finden, der zwischen Klavier, E-Piano und Hammond-Orgel wechselnd einen variantenreichen Gospel-Sound in die Kirche fluten ließ – ein Hexer auf den Tasten, wenn das beim Gospel nicht ein unpassendes Wort wäre. Meixner verstand sich auf eine Inszenierung der Gospels, die den im Blues ruhenden Ton von Siyou bestens zur Geltung kommen ließ.
Applaus und Trampeln in der Christuskirche Heidenheim
Für das zu Herzen gehende „Prayer for the City“ des Oslo Gospel Choir gab es dann schon stehenden Applaus und heftiges Trampeln im Gestühl, das sich auch Lily Mackay und Ralf Damrath verdient hatten. Mit „When The Saints Go Marching In“ und „Happy Day“ entließ das Siyou Gospel Project nach 95 Minuten ohne Pause ein rundum beglücktes Publikum – voller Gesang im Mund und im Herzen.

