Es war in der Tat eine großartige, zutiefst berührende Aufführung. Das Einzige, was Gustav Mahler an ihr wohl missbilligt hätte, war der Beifall zwischen den Sätzen. Er zerriss jedes Mal die zwischen den Sätzen liegende Spannung. Auf die Sibelius-Lieder traf das nicht weniger zu als auf die sinfonischen Sätze. Mahler setzte als Direktor der Wiener Hofoper durch, dass erst dann geklatscht werden durfte, nachdem der Vorhang gefallen war, Zwischenapplaus war strikt unerwünscht.
Für Mahler waren die ausführenden Künstler Diener des Werks, das oberste Priorität besitzt und nicht durch kunstfremde „Intermezzi“ unterbrochen werden darf. Abgesehen vom Begrüßungsapplaus bei der Konzerteröffnung sollten die Leistungen der Musiker deshalb erst nach dem Ende des Werks durch Beifall gewürdigt werden, da dann dafür aber umso herzlicher.

„Das himmlische Leben“: So beeindruckend war das Eröffnungskonzert der Opernfestspiele
So sehr es menschlich verständlich ist, seiner Begeisterung spontan Ausdruck zu verleihen, so groß ist der Gefallen, den das Publikum der Gesamtwirkung des Werks und damit letzten Endes auch sich selbst tut, wenn es zwischen den Sätzen Zurückhaltung übt.
Dr. Veit Gruner, Heidenheim