Leserbrief

Bitte keine Action in der Heidenheimer Michaelskirche

Leserbrief zur Zukunft der Heidenheimer Michaelskirche:

Quo vadis, Michel? „Armer Michel“ (respektive Michaelskirche), möchte man spontan ausrufen nach der Lektüre des ganzseitigen, Bilder-bewehrten Artikels in der HZ: „Was haben sie aus dir gemacht? Was werden sie mit dir noch machen?“ Die Vision, wie sie in Text und Bild dargestellt wird, mutet nachgerade eschatologisch (endzeitlich) an. Um nicht von Menetekel zu sprechen: Ein sakraler Raum, vielen in dieser Tradition und Funktion bekannt, lieb und vertraut, soll mehr und mehr - und schließlich endgültig – seines Charakters und seiner Würde beraubt werden. Schon die voraufgegangenen, stattgehabten Konzepte und nachfolgenden Events ließen seit dem Jahr 2024 Bedenkliches bis Schlimmes befürchten.

Mit den jetzt vorgestellten Ideen und Plänen scheinen die letzten verbliebenen Reste von Pietät und Respekt auf dem Altar von Zeitgeistigkeit und Modernismus geopfert werden zu sollen. Als selbst überzeugter Lutheraner beziehe ich mich gerne auf vorreformatorische Lehrsätze eines Benedikt von Nursia, aber auch auf Gedanken und Sätze von Mystikern wie Meister Eckart oder Ignatius von Loyola: Glaube und Spiritualität haben fundamental zu tun mit Andacht, Einkehr, Besinnung, Reflexion, einem Geistig-gerichtet-Sein.

Nun soll ein Kirchenraum umfunktioniert werden zu einer Kombination/Melange aus Sportstätte und Kneipe. Wohin sind wir mit Theologie, Glaube, Spiritualität und dementsprechender Ernsthaftigkeit geraten? In einem Raum der Andacht soll es plötzlich um Action gehen, unweigerlich verbunden mit Umtrieb und Lärm. Sind der ausdrücklich avisierten Jugend nicht doch besser andere Werte und Vorbilder vorzustellen und vorzuleben? Abgesehen von den bisher genannten, mehr transzendental orientierten Gedanken, sind auch praktische Aspekte einer derartig geplanten Nutzung und Umgestaltung zu erwähnen: Was blüht wohl einer Orgel, wenn ihr erst mal Bälle um Prospekt und Rückpositiv fliegen? Wie lange wird ein historischer revitalisierter Flügel und gegebenenfalls weiteres Instrumentarium im Rahmen von Action unbeschadet bleiben? Wie sehen wohl nach kurzer Zeit die Kirchenwände oberhalb einer Halfpipe aus?

Den sich ausgesprochen sportlich gebenden Protagonisten der „Michel“-Pläne wünsche ich von ganzem Herzen innere Einkehr und Umkehr und die Einsicht, dass eine Kirche das bleiben darf, was sie ganz schwerpunktmäßig sein sollte: ein Ort der Andacht, der Feier, des Innehaltens, der Besinnung. Das walte Gott!

Volker Ahl, Nattheim