Nach dreieinhalb Wochen ist die Vesperkirche, die bereits zum 17. Mal in der Heidenheimer Pauluskirche stattfand, am Mittwoch zu Ende gegangen. Hinter den Mitgliedern des Organisationsteams und mehr als 200 freiwilligen Helfern liegen damit dreieinhalb Wochen, in denen sie alle Hände voll zu tun hatten, um in der Kirche eine Atmosphäre der Mitmenschlichkeit, der Nähe, der Gemeinschaft und des Miteinanders zu schaffen.
Eine große Gemeinschaft
„Während der Vesperkirche entsteht eine wunderbare Gemeinschaft, manche Besucher kommen sehr regelmäßig, es gibt wirklich Stammgäste, die immer am selben Platz sitzen“, sagt Pfarrerin Almuth Kummer von der evangelischen Paulus-Wald-Kirchengemeinde. Sie ist sehr froh darüber, dass auch bei der diesjährigen ökumenischen Vesperkirche alles reibungslos lief, und wieder sehr viele Gäste das Angebot in der Pauluskirche annahmen. Wieviele Besucher es tatsächlich waren, lässt sich nicht ermitteln, aber einige Zahlen veranschaulichen durchaus, dass das Angebot benötigt wird und auch auf großes Interesse stößt: 7570 Mahlzeiten wurden in den dreieinhalb Wochen ausgegeben. „Angesichts dessen, dass das Wetter teilweise wirklich sehr schlecht und es aufgrund der Glätte teils gefährlich war, aus dem Haus zu gehen, sind das sehr viele“, sagt Kummer.
Außerdem wurden 13.000 Tassen Kaffee ausgeschenkt, die Anzahl der Kuchen, die von Helfern zur Verfügung gestellt wurde, bleibt ungezählt. „Es war jeden Tag eine neue Überraschung, wie viele Kuchen privater Bäckerinnen und Bäcker in die Pauluskirche gebracht wurden“, sagt Kummer. „Sehr viel Gebäck kam auch von den Bäckereien Gnaier und Bosch.“ Die eigens aufgebaute Spülmaschine in der Kirche leistete 1850 Spülgänge, um der Menge an Geschirr und Besteck Herr zu werden. Und Kummer hat noch mehr Zahlen: Es wurden 11.400 Servietten benötigt und es mussten 1225 Schürzen gewaschen werden.

Weshalb es jetzt eine Spendenaktion zugunsten der Heidenheimer Vesperkirche gibt
„Natürlich geht es bei der Vesperkirche in erster Linie darum, bedürftigen Menschen etwas Gutes zu tun“, sagt die Pfarrerin. Und Bedürftige gibt es mehr als genug, auch wenn man ihnen ihre Armut oft nicht ansieht. Für viele Menschen, die wenig Geld haben, ist das Essen in der Vesperkirche eine finanzielle Entlastung. Dass es diese bedürftigen Menschen auch in Heidenheim gibt, zeigt die Tatsache, dass das Angebot des kostenlosen Haarschnitts 60-mal genutzt wurde, hinzu kommen zwölf Fußpflege-Behandlungen.
„Neben der materiellen gibt es natürlich auch die soziale Armut, also Menschen, die allein sind. Gerade die genießen es sehr, wenn sie nicht allein an einem Tisch sitzen müssen, sondern Gemeinschaft mit anderen erfahren können und so auch ganz unterschiedliche Menschen kennenlernen.“ Viele der Gäste seien oft früh da und blieben länger als andere. „Sie genießen den Trubel um sich herum, die Gespräche mit den anderen Gästen und die regelmäßigen musikalischen Einlagen“, sagt Kummer.
Mehr als 260 Helfer
All das wäre natürlich nicht möglich, gäbe es nicht zahlreiche Helfer, die die Vesperkirche organisieren und für einen reibungslosen Ablauf sorgen. „Ich denke, in diesem Jahr haben wir mit mehr als 260 Ehrenamtlichen einen neuen Rekord aufgestellt“, so die Pfarrerin. Unterstützt hätten auch viele Ausbildende aus den Unternehmen. „Von der Essensausgabe bis zum Abräumen, zum Abspülen und den vielen anderen Tätigkeiten gibt es wirklich sehr viel zu tun. Und der Lohn dafür ist die Dankbarkeit der Gäste“, sagt Kummer.
Finanziert werden kann das Angebot der ökumenischen Vesperkirche natürlich nur aufgrund der Spenden. Schon im vergangenen Jahr gab es zwei größere Spendenaktionen, die den Fortbestand des Angebots sichern sollten. Noch ist die diesjährige Veranstaltung nicht abgerechnet, deshalb kann Kummer auch bislang nicht sagen, wie hoch der Verlust ist. „Aber viele Gäste haben etwas gegeben, ich denke, das Spendenaufkommen war höher als 2025“, sagt Kummer. Das ist auch den drei Benefizkonzerten zu verdanken, die im Rahmen der Vesperkirche stattfanden und die zahlreiche Besucher in die Pauluskirche gezogen haben.
Angebot auch in Giengen
Auch in der Nachbarstadt Giengen findet alljährlich eine ökumenische Vesperkirche statt, in diesem Jahr bereits zum 19. Mal. Vom 18. Januar bis zum 1. Februar war die Stadtkirche unter dem Motto „Zusammenhalten“ Schauplatz des Geschehens.


