Acht Tage lang sind mehrere Mitglieder des Vereins „Animals‘ Angels“ (Engel der Tiere) auf dem Albschäferweg in der Heidenheimer Brenzregion unterwegs. Insgesamt werden sie bis Samstagabend 160 Kilometer zurückgelegt haben. Dabei genießen die Wanderer, die aus Marburg, Berlin und Potsdam kommen, nicht nur den Sommer und die schöne Landschaft, sondern sammeln auch Spenden für ihren Verein. Dieser setzt sich für Nutztiere ein, die quer durch Europa und oft auch darüber hinaus transportiert werden, meistens unter schrecklichen Bedingungen.
Fast 50.000 Euro im vergangenen Jahr
Die Wanderung durch den Landkreis Heidenheim ist nicht die erste Aktion, die unter dem Motto „Wir schwitzen, Sie spenden“ steht. „Ich organisiere das jetzt zum fünften Mal“, erzählt Sven Strobel. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins und hauptamtlich für das Fundraising und die Verwaltung des Vereins zuständig. Im vergangenen Jahr ging es den Heidschnuckenweg entlang durch die Lüneburger Heide. Dabei seien 49.000 Euro an Spenden gesammelt worden, berichtet Strobel.
Spender seien in erster Linie Menschen, die den Verein ohnehin schon unterstützen. „Viele warten schon auf diese jährliche Aktion“, berichtet Strobel. Wer bereits vor Beginn der Wanderung gespendet hat, bekommt eine Postkarte von unterwegs zugeschickt. Dazu hat der stellvertretende Vereinsvorsitzende schon im Vorfeld Postkarten der hiesigen Tourist-Informationen bestellt. 140 Karten haben die Wanderer schon geschrieben, weitere 100 Adressen haben sie noch dabei.
Darüber hinaus teilt der Verein seine Aktivitäten auf sozialen Medien und zielt hier darauf ab, auch Menschen als Spender zu gewinnen, die bisher den Verein nicht finanziell unterstützt haben. Und nicht zu unterschätzen: Die Wanderer, die alle in türkisfarbenen T-Shirts unterwegs sind und zudem Schilder an ihren Rucksäcken haben, die auf ihre Aktion verweisen, sammeln auch spontane Geldspenden ein. „Wir hatten schon viele tolle Begegnungen“, erzählt Thomas Rolfing. Er ist veganer Ernährungscoach und ehrenamtlich bei der Wanderung dabei. Die Menschen seien interessiert am Verein und dessen Zielen, berichtet er.

Auch von den Hotels und Restaurants entlang der Wanderroute sind die Tierschützer angetan. Es sei überall problemlos möglich gewesen, vegan oder vegetarisch zu essen. Auf Fleisch zu verzichten, sei eine logische Konsequenz der intensiven Beschäftigung mit Tiertransporten, meint Sven Strobel. „Viele unserer Mitarbeitenden, die vor Ort mit dem Leid der Tiere konfrontiert sind, möchten anschließend kein Fleisch mehr essen“, sagt er.
Verstößen auf der Spur
„Animals‘ Angels“ begleitet und dokumentiert Tiertransporte und wendet sich dann mit den Ergebnissen an die zuständigen Behörden, so Sven Strobel über die Arbeit des Vereins. „Bei fast jedem Tiertransport findet man einen Verstoß“, sagt er. Aber selbst wenn die Regeln eingehalten würden, leiden die Tiere, sagt der Tierschützer: „Sie müssen Hitze oder Kälte ertragen, sind extrem lange unterwegs und haben oft keinen Platz, um sich hinzulegen“, berichtet er. „Wenn die Tiere nicht länger als acht Stunden unterwegs sind, gilt es als Kurzzeittransport“, ergänzt Thomas Rolfing. Dann würden auch weniger strenge Vorschriften gelten.
Der Verein setzt bei seiner Arbeit auf Dokumentation und Aufklärung. „Wir berichten Tatsachen und stellen Daten zur Verfügung“, so Sven Strobel. Man lege großen Wert auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Behörden, Polizei und politischen Entscheidungsträgern und handle im legalen Rahmen. „Unsere Informationen sind stets aus erster Hand und gelten als seriös“, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Deshalb seien die Mitarbeitenden des Vereins auch als Experten auf Konferenzen gefragt, publizierten Fachartikel und schulen Polizisten und Veterinäre.
Transporte für den Profit
In Europa werden täglich 3,8 Millionen Tiere transportiert. So würden beispielsweise junge Ferkel von Dänemark nach Spanien gefahren, oder Kälber aus dem Baltikum nach Spanien. Dort würden die Tiere aufgezogen und anschließend zum Schlachten nach Polen gebracht. „Es ist eine reine Profitgeschichte. Die Tiere werden immer dorthin gebracht, wo es am günstigsten ist“, sagt Sven Strobel.

Ursula Keßner, die einige Etappen der Wanderung mitmacht, ist Tierärztin. Sie habe im Fachblatt für Veterinäre vor 15 Jahren zum ersten Mal etwas über den Verein gelesen. Seither unterstützt sie die Aktion – sogar mit Muskelkraft beim Wandern. Hartmut Stottmeier ist Arzt und fast seit Beginn Mitglied bei „Animals‘ Angels“. Er sei zusammen mit seiner Frau stark im Tierschutz engagiert, berichtet er.
Mit dabei ist am Mittwoch auf der fünften Etappe der Wanderung auch die Tierärztin und Hundetrainerin Sabine Häcker. Sie begleitet die Gruppe mit Labrador Jogi. Sabine Häcker hatte zuvor schon einen Kontakt in den Landkreis Heidenheim: Sie kennt die Heidenheimer Tierärztin Stephanie Grath, die ebenfalls als Hundetrainerin tätig ist, von gemeinsamen Seminaren. So kommt es, dass ein Teil der Gruppe am Mittwochnachmittag am Kurs „Erste Hilfe für Hunde“ bei Grath teilnimmt, die wiederum die Hälfte der Einnahmen ihrer Veranstaltung für „Animals‘ Angels“ spendet.
Noch drei weitere Etappen
Die Tierschützer sind noch drei weitere Tage auf dem Albschäferweg unterwegs. Am Donnerstag geht es von Heidenheim nach Neresheim, am Freitag von Neresheim nach Ballmertshofen und die letzte Etappe führt am Samstag von Ballmertshofen nach Giengen. Über die Möglichkeit zu spenden kann man sich auf der Homepage des Vereins animals-angels.de informieren.
