Eben noch im Klassenzimmer, und schon in der SAP-Arena! Nein, es handelt sich hier nicht um eine Neuauflage der Rudi-Carell-Show. Doch an Überraschungsmomenten und einer großen Showbühne fehlt es auch dem einzigartigen Chorprojekt „6K United“ nicht. Die beiden fünften Klassen des Hellenstein-Gymnasiums waren in diesem Jahr begeistert dabei – und haben berichtet.
6K, das steht natürlich für 6000. Bei der 2018 von Professor Fabian Sennholz gegründeten Initiative ist der Name Programm. Mit seinem Team und seiner 18-köpfigen Band stellt der Musikschulprofessor seither jedes Jahr unter wechselndem Motto ein Programm aus Songs quer durch alle musikalischen Genres zusammen, das am Ende von einem 6000 Kinder starken Chor auf die Bühne gebracht wird. Ein Gemeinschaftserlebnis, das Seinesgleichen sucht.
Ein Chorprojekt der Superlative
Mitmachen kann jeder, der sich rechtzeitig anmeldet: ob Schulchor, privater Kinderchor oder Kirchenchor. Kinder jeglicher kultureller Herkunft, aller sozialen Schichten und sämtlicher Schulformen sollen hier die Chance erhalten, sich nachhaltig für Musik begeistern zu lassen. Dazu bietet das „6K“-Team detaillierte Übungsanleitungen, Videos und Lehrerworkshops an. Die Zielsetzung ist vielschichtig und geht über das spielerische Erwerben musikalischer Kompetenzen weit hinaus. So gehören die Förderung von Ausdauer und Konzentration oder die Stärkung des Selbstbewusstseins ebenso zur Grundidee des Projekts, wie die Entwicklung von Rhythmusgefühl oder Melodiesicherheit.
Dass das ganz gewaltig nach einem wertvollen Projekt und einzigartigem Erlebnis klingt, das fanden am Hellenstein-Gymnasium auch Lehrerin Kerstin Faisst, ihre Kolleginnen und Kollegen Ulrike Kocic, Dennis Leiber und Felix Müller sowie Schulleiter Holger Nagel. Ihre Bemühungen um eine Teilnahme und um finanzielle Entlastung durch den HG-Förderverein und durch die Heidenheimer Volksbank waren erfolgreich, und so durften schließlich die Klassen 5a und 5b unter dem Motto „Wir sind Team Liebe“ in diesem Jahr das Abenteuer „6K United“ wagen. Ein Motto, das für die federführend agierende Kerstin Faisst eine klare und wichtige Botschaft vermittelt: „Nimm dich selbst an, denn du bist richtig, so wie du bist.“
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Zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres begann die Probenphase am HG. Und das erste Kennenlernen der zunächst zwölf Songs – mit gemischten Gefühlen. Während viele Kinder gleich glühend motiviert waren, hatten andere „eigentlich gar keinen Bock auf Singen“, wie manche Stimmen aus den Klassen berichten.
Und die Songs selbst? Den ein oder anderen Song kannte man wohl aus dem Radio. Aber viele erschienen erst mal „langweilig“ und „voll öde“. Außerdem waren es „ein bisschen viele“, so dass einige glaubten: „Das schaffen wir nicht!“ Doch im Laufe der Wochen änderte sich das durch viel Üben in den Musikstunden, ergänzt durch Sing-Hausaufgaben mit Hilfe von Videos. Und tatsächlich kam schnell der Spaß beim Singen und Tanzen, und nach und nach wurden „fast alle Lieder richtig toll“, wie Sebastian Weber (5b) berichtet, der seinen Lehrern für diese Erfahrung dankt.
Vom Zweifel zur Begeisterung
Höhepunkt des Projekts war zweifellos das Konzert der 6000 in der Mannheimer SAP-Arena, in der weitere 6000 Menschen als Zuschauerinnen und Zuschauer den größten Kinderchor Deutschlands miterlebten. Doch noch weitaus beeindruckender als für die Zuschauer war der Konzerttag wohl für die Kinder selbst. Während die einen morgens schon beim Aufstehen „ein Kribbeln im Bauch“ hatten, waren die anderen noch ganz „chillig“ in den Bus eingestiegen und hatten erst beim Betreten der Arena ein mulmiges Gefühl.
Doch mit dem ersten gesungenen Takt, mit den ersten getanzten Schritten, den funkelnden Lichtern und den elektrisch gesteuerten Leuchtarmbändern überschlugen sich die Emotionen. Emil Hahn (5a) empfand bis zu diesem Zeitpunkt „alles etwas stressig. Aber während des Singens hatte ich ein beflügeltes Gefühl. Das war schön.“ Manch einer fühlte sich ein bisschen „wie ein Star“ und für Medeia Rock (5a) war der Konzertabend sogar „ein nicht vorstellbarer Magic Moment, den man nie vergisst.“
Der große Auftritt
6000 Kinder, die gemeinsam von den obersten Rängen herab performen. Eine professionelle 18-köpfige Band, ein mitreißender künstlerischer Leiter. Licht-La-Ola, Schenkelklopfer-Gewitter und ein interaktives Stück mit allen rund 12.000 in der Arena anwesenden Menschen: Für Claudio Russo (5b) war es besonders, dabei „nicht nur zuzuschauen, sondern ein Teil davon zu sein. Dabei habe ich alle guten Gefühle gefühlt.“
Zu spüren, dass man nicht alleine klein sei, sondern als Teil einer Gemeinschaft etwas Großes und Großartiges schaffe, sei für viele eine entscheidende Erfahrung gewesen, die Druck genommen und die stolz gemacht habe, und die „atemberaubend“, „faszinierend“ und „unerwartet bombenmäßig“ gewesen sei. Kein Wunder, dass man das „am liebsten jeden Freitag wieder machen“ möchte, so das eindeutige Urteil am Hellenstein-Gymnasium.

