Umstrittene Namen

Udet, Rommel, Mölders: Darum sind Straßenschilder im Giengener Teilort Burgberg jetzt beweglich

Bewegliche Straßenschilder? Im Giengener Teilort Burgberg? Die gibt es jetzt, aus gutem Grund und nach längerer Vorgeschichte.

Bewegliche Straßenschilder sind das Ergebnis eines mehrstufigen Prozesses zum Thema Straßennamen in Burgberg: Rommelstraße, Möldersweg und Udetweg. Kürzlich weihten Oberbürgermeister Dieter Henle, der Künstler Rainer Jooß und Simon Seiler als Projektverantwortlicher die Schilder ein.

Rainer Jooß beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema und hatte den gestalterischen Vorschlag eingereicht. Seiler übernahm das Projekt von Günther Ingold, der es bis zu seinem Ruhestand im September 2025 verantwortet hatte; von ihm stammen auch wesentliche Teile der zugehörigen Präsentation auf der städtischen Website.

Zusammen mit denen im Udetweg und im Möldersweg sollen die Straßenschilder der Rommelstraße in Burgberg ergänzt werden.

Auseinandersetzung mit NS-Geschichte: Schwankende Schilder sollen in Burgberg Aufmerksamkeit erregen

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Giengen
Rommelstraße, Udetweg, Möldersweg

Ein Blick zurück: Seit Herbst 2020 standen im Burgberger Widerstandsviertel Rommelstraße, Möldersweg und Udetweg zur Diskussion. Während andere dort aufgenommene Widerstandskämpfer unumstritten sind – etwa Dietrich Bonhoeffer, Erwin Breitscheid und Claus Schenk Graf von Stauffenberg –, wird die Rolle von Rommel, Mölders und Udet zunehmend strittig beurteilt. Die Frage, die es zu klären galt: Waren Erwin Rommel, Werner Mölders und Ernst Udet Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg? Und sind sie es wert, dass man, wie in Burgberg Anfang der 1970er-Jahre, Straßen nach ihnen benennt? Die Meinungen gingen da auseinander – in Sitzungen des Gemeinderats, in Diskussionen auf der Straße oder in vielen Leserbriefen zum Thema. Die Stadt hatte gar eine Versammlung im Ort einberufen, mit externer Moderation und zwei Experten, die eine Einordnung vornahmen.

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Heidenheim
Dr. Hans Peter Schiffer hört auf

Die Entscheidung war am Ende, die Straßennamen zu belassen, die Schilder aber zu nutzen, um zum Nachdenken über die Personen anzuregen. „Schwankende“, also sich bewegende Schilder mit QR-Code zu Informationsangeboten waren die Idee von Rainer Jooß, der Gemeinderat der Stadt Giengen stimmte dem Vorschlag im Februar 2025 mit einer Gegenstimme und bei sieben Enthaltungen zu.

Mit den Schildern stimmt was nicht

„Der Entwurf ist eine minimal-invasive Lösung, die kontrovers aufgefasste Namensgebungen kennzeichnet“, sagt der Künstler anlässlich der Einweihung. „Mit den Schildern stimmt offensichtlich etwas nicht. Sie laden Betrachtende an Ort und Stelle ein, sich aktiv mit schwieriger Vergangenheit zu beschäftigen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ermöglicht, die im Angesicht des historischen Bewusstseins umstrittenen Straßennamen beizubehalten.“

Mit der Einweihung der beweglichen Straßennamenschilder in Burgberg endet das Projekt, der Oberbürgermeister empfindet die Lösung als gelungen: „Wir haben die Anwohnenden eingebunden, ihren Willen respektiert und trotzdem eine an dieser Stelle notwendige politische Lösung gefunden. Dabei kamen namhafte Historiker zu Wort, die Umsetzung folgte einem offenen kommunalpolitischen Diskurs.“ Dieser Prozess könne auch Vorbild für andere Kommunen sein. Und: „Es ist weiterhin differenzierte Aufklärungsarbeit zu leisten – und zwar ‚von klein auf.‘“

Künstler lobt Umgang

Der Künstler lobte den offensiven Umgang der Stadt mit dem Thema: „Die Stadt Giengen lädt im Alltag ein, sich anhand der künstlerisch interpretierten Straßenschilder mit den Straßennamen, der Geschichte und den Personen auseinanderzusetzen, die heute durchaus in anderem Lichte betrachtet werden.“

Der QR-Code auf den Schildern führt zu einer ausführlichen Präsentation auf www.giengen.de. Sie ist dort auch unter dem Suchwort „Straßennamen“ zu finden.