Vor dem Steiff-Museum in Giengen hat die Tierschutzorganisation Peta am Mittwoch gegen die Verwendung von Mohair-Fasern bei einigen Teddybär-Modellen des Unternehmens protestiert. Unter dem Motto „Kuschelig für dich, grausam für Ziegen“ forderten die Aktivisten Steiff auf, künftig auf die Naturfaser zu verzichten und stattdessen tierfreie Materialien zu verwenden.
An der Protestaktion beteiligten sich vier Aktivistinnen. Um auf das ihrer Ansicht nach mit der Mohairproduktion verbundene Tierleid aufmerksam zu machen, stellte eine als Teddybär verkleidete Person dar, wie eine als Ziege verkleidete Aktivistin geschoren wird. Kunstblut sollte die Verletzungen symbolisieren, die nach Angaben der Organisation bei der Schur von Angoraziegen entstehen können. Über ein Megafon machten die Aktivisten zudem deutlich, dass Mohair aus ihrer Sicht für die Herstellung von Teddybären nicht notwendig sei. Öffentlich wahrgenommen wurde die Aktion nicht.
Kritik an Verwendung von Mohair-Fasern
Anfang des Jahres veröffentlichte Recherchen von Peta Asien sollen zeigen, wie Angoraziegen bei der Gewinnung von Mohair misshandelt werden. Nach Angaben der Organisation werden den Tieren für die Schur die Beine zusammengebunden, sie werden zu Boden gedrückt und mit elektrischen Schermaschinen oder großen Scheren geschoren. Dabei komme es häufig zu Verletzungen bei den Tieren.
Zudem argumentiert Peta, dass die Schur den Ziegen ihren natürlichen Witterungsschutz nehme. Dadurch seien die Tiere anfälliger für Unterkühlung, Mangelernährung und Infektionen. „Echte, lebende Tiere erleiden Panik und Schmerzen, nur damit jemand ein künstliches Tier haben kann. Sobald die Ziegen für die Mohair-Industrie keinen Profit mehr bringen, werden sie im Schlachthaus getötet. Viele sterben jedoch bereits vorher krank und entkräftet in den Betrieben“, sagt Ayshea Kelly, Aktionskoordinatorin bei Peta Deutschland.
Die Organisation fordert Steiff auf, sich den nach eigenen Angaben Hunderten Unternehmen anzuschließen, die bereits auf Mohair verzichten. Als Beispiel nennt Peta den Händler TK Maxx, der die Faser im vergangenen Jahr aus seinem Sortiment genommen habe.
Steiff verweist auf den Tierwohl-Standart
Auf Nachfrage der Heidenheimer Zeitung weist Steiff die Vorwürfe zurück. Mohair werde ausschließlich für Dekorations- und Sammlerartikel verwendet. Diese Produkte richteten sich an erwachsene Sammler und seien nicht als Spielzeug für Kinder vorgesehen.
„Ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren ist für uns eine wesentliche Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten. Unsere Verantwortung bei der Auswahl von Materialien und Lieferanten stützen wir auf die Anforderungen des Responsible Mohair Standard (RMS). Auch bei Produkten, die wir gemeinsam mit international führenden Marken aus der Fashionbranche und anderen Bereichen entwickeln, bildet der Responsible Mohair Standard (RMS) die Grundlage für eine verantwortungsvolle Mohair-Beschaffung und einen gemeinsamen Standard“, teilt das Unternehmen mit. Weiter heißt es: „Wir arbeiten mit sorgfältig ausgewählten Lieferanten zusammen, deren Mohair nach dem RMS zertifiziert und geprüft ist.“
Verstöße in Lieferketten sind schwer zu kontrollieren
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik von Peta an. Die Tierrechtsorganisation hält auch Zertifizierungssysteme wie den RMS nicht für ausreichend. Sie argumentiert, dass Tierleid in der Praxis trotz entsprechender Siegel nicht vollständig ausgeschlossen werden könne, da Verstöße innerhalb der Lieferkette nur schwer zu kontrollieren seien.
Hinter der Protestaktion steht damit die grundsätzliche Forderung der Organisation, dass Steiff vollständig auf Mohair verzichtet. Aus Sicht von Peta ist die Verwendung der Faser nicht vertretbar, solange Berichte über Missstände bei ihrer Gewinnung existieren.
Was ist Mohair?
Mohair ist eine Naturfaser, die aus dem Haar der Angoraziege gewonnen wird. Sie gilt als besonders weich, glänzend und strapazierfähig und wird unter anderem für Kleidung, Decken oder hochwertige Plüsch- und Sammlerartikel verwendet.
