Archivgeschichten

Streit um Ehre und Geld: der Starsinn einer älteren Dame im Giengen des 17. Jahrhunderts

Standhaft verteidigte die „alte Frau Schmidin“ im Jahre 1682 ihr Bleiberecht in der Giengener Apotheke und den Inhalt ihres versiegelten Goldkästchens. Zu einem Wohnungsstreit gesellte sich ein Kriminalfall.

In dieser Archivgeschichte geht es um eine bemerkenswert mutige Witwe namens Katharina Schmidt. Die „alte Schmidin“, wie sie in Giengen genannt wurde, war die Witwe des Apothekers Georg Schmidt. Sie wohnte im Gebäude der Marktstraße 27, wo ihr Mann im Jahre 1605 die erste Apotheke der Stadt eröffnet hatte. Heimatforscher Ulrich Stark stieß bei seinen Recherchen auf zwei Ereignisse im Jahre 1682, die belegen, „wie hinter den Mauern der alten Häuser einst um jeden Gulden und jedes Wort gerungen wurde“.

Die „alte Schmidin“ hatte kein leichtes Leben. Nach 23 Ehejahren verstarb ihr Mann. Von ihren fünf Kindern erreichte nur eine Tochter das Erwachsenenalter. Etliche Jahre vor ihrem Tod erlitt sie einen Schlaganfall, der eine Gesichtslähmung zur Folge hatte, ehe sie 84-jährig verstarb. Katharina Schmidt habe „biß ins so hohes Alter viel Ungemach, mit sonderlicher Gedult und Sanfftmuth viel auß- und überstanden“, heißt es in einem Ratsprotokoll.