Natriumdampflampen waren einst damals das Nonplusultra. Sie benötigten weniger Strom als ihre Vorgänger und lockten weniger Insekten an. 1993 wurde in Giengen eine neue Straßenbeleuchtung für Straßen und Wege angebracht. Allmählich eroberte das typische orangefarbige Licht die Straßen.
Ein knappes Vierteljahrhundert hatte diese Art der Straßenbeleuchtung Bestand in Giengen. 2016 wurde ein erneuter Lampenaustausch vorgenommen: auf LED. Unter den Kommunen im Landkreis und der Region nahm die einst freie Reichsstadt damit eine Vorreiterrolle ein.
Bereits Ende 2013 hatte sich der Gemeinderat entschieden, sich als Stadt gemeinsam mit den Bürgern auf Nachhaltigkeit im Handeln zu verständigen. Festgehalten wurde damals, dass neben der effizienten Nutzung wertvoller Ressourcen der Umstieg auf erneuerbare Energien sowie die Verringerung des CO2-Ausstoßes im Mittelpunkt stehen sollen. Die flächendeckende Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED war ein Beitrag zur selbstverordneten Nachhaltigkeit. Die alten Leuchtmittel wurden gegen moderne und im Verbrauch deutlich niedriger liegende ausgetauscht. Die Kosten für die Umstellung beliefen sich auf etwa 1,5 Millionen Euro.
Von den insgesamt vorhandenen 3480 Leuchtpunkten sind jetzt 97 Prozent mit LED-Lampen ausgestattet. Vor der Umstellung auf LED lag der durch die Straßenbeleuchtung verursachte Stromverbrauch bei gut 942.000 Kilowattstunden jährlich und brachte Kosten in Höhe von etwa 252.000 Euro mit sich. Heute liegt der Verbrauch bei 257.700 Kilowattstunden im Jahr und macht Ausgaben in Höhe von 87.500 Euro nötig.
Seit der Umstellung auf LED sind in etwa zehn Jahre ins Land gezogen. Das städtische Tiefbauamt hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, um herauszufinden, in welchem Zustand die Infrastruktur der Straßenbeleuchtung ist. Dieses Gutachten, so erklärte Bürgermeister Alexander Fuchs im Gemeinderat, habe dem Gesamtnetz bescheinigt, dass sowohl die Masten, als auch die gesamte Beleuchtungsanlage in einem sehr guten Zustand sind. „Es liegen keine größeren Beanstandungen vor“, so Fuchs.
Bewuchs und Rost als kleinere Mängel
Freilich: Gänzlich ohne Mängel – die inzwischen weitestgehend behoben sein sollen – kam das Gutachten nicht daher. 64 Leuchten mussten teilweise von Bewuchs freigeschnitten werden, 35 Masttüren waren beschädigt und mussten repariert werden, neun Masten waren angefahren worden, 29 rosteten.
Im Haushaltsplan für das angelaufene Jahr sind Fuchs zufolge 200.000 Euro für weitere Vorhaben eingeplant: etwa 35.000 Euro für die Erneuerung von sieben Schaltschränken (insgesamt sind es 65), 25.000 Euro für die Standsicherheitsprüfungen an 400 Masten, 10.000 Euro für das Freischneiden von Leuchten von Bewuchs sowie 130.000 Euro für das Erneuern von Erdkabeln im Zuge von Straßensanierungen.
Weitere 200.000 Euro stehen für Erweiterungen in neuen Baugebieten und bei Umgestaltungen im aktuell gültigen Haushaltsplan – etwa im Baugebiet Bruckersberg-Ost, in Sachsenhausen, in der Friedrich-List-Straße, der Steinweisenstraße, der Ledersraße, der Hähnlestraße, der Kirchgasse und Im Schlössle.
Geht noch mehr an Energieeinsparung?
Die Umrüstung auf LED hatte in Giengen den Nebeneffekt, dass die Nachtabschaltung, über die viel diskutiert worden war, wieder aufgehoben werden konnte.
Bei der Straßenbeleuchtung sind aktuell drei Dimmstufen mit Zeitsteuerung eingerichtet. 100 Prozent Leistung gibt es von maximal 17.30 bis 21.30 Uhr und von 3.30 bis maximal 7.30 Uhr (abhängig von der Dämmerung); 50 Prozent Lichtleistung bestehen von 21.30 bis 0.30 Uhr und die niedrigste Stufe mit 30 Prozent Leistung ist von 0.30 bis 3.30 Uhr.
Aktuell, so Bürgermeister Alexander Fuchs, sei die Straßenbeleuchtung bereits auf maximale Energieeinsparung getrimmt. Eine weitere Optimierungsmöglichkeit sei durch eine bedarfsgesteuerte Beleuchtung möglich – hier stünden jedoch Aufwand und die zu erwartende Einsparung in keinem wirtschaftlichen Verhältnis. Dabei könnte die Helligkeit dynamisch an die tatsächliche Verkehrssituation angepasst werden, indem etwa Sensoren Bewegungen erkennen und das Licht hochdimmen, während es in Ruhephasen auf eine geringe Grundhelligkeit reduziert wird. Das Licht „folgt“ gewissermaßen Verkehrsteilnehmern.

